Lübbecker Land "Händler müssen sich darauf einstellen"

INTERVIEW: Der Lübbecker Christian Holsing über den Wandel beim Online-Shopping

Der Lübbecker Wissenschaftler Dr. Christian Holsing. - © FOTO: NICO BUCHHOLZ
Der Lübbecker Wissenschaftler Dr. Christian Holsing. | © FOTO: NICO BUCHHOLZ

Lübbecker Land. Die Zeit, in der der Kunde online sein Produkt sucht, es findet und sofort bezahlt, ist vorbei. Im Internet tauschen sich Käufer über Produkte aus, bewerten sie und stellen Freunden ihre Wünsche über soziale Medien vor. "Social Commerce" nennt der Lübbecker Wissenschaftler Dr. Christian Holsing dieses Phänomen, über das er seine Doktorarbeit geschrieben hat. NW-Redakteur Nico Buchholz sprach mit ihm über diese Entwicklung.

Herr Holsing, was genau ist "Social Commerce"?

CHRISTIAN HOLSING: Die Entwicklung des Social Commerce fällt zusammen mit dem Aufkommen sozialer Medien, wie Blogs, Communities und Sozialer Netzwerke. Social Commerce steht für eine Ausprägung des E-Commerce, bei dem die Käufer in den Marketingprozess eingebunden sind und als Berater und Verkäufer von Produkten auftreten. Dies kann in sozialen Medien oder auf Websites von Unternehmen eingesetzt werden.

Und wie sieht dieses Phänomen konkret aus?

HOLSING: Zwischenmenschlichen Beziehungen und Interaktionen stehen im Fokus. Beim Social Commerce kommen zudem bislang auf das reine Kaufen fixierten Online-Shopping Kommunikation und Kooperation von Kunden untereinander hinzu. Bewertungen und Rezensionen, wie sie auch von Amazon bekannt sind, sind ein klassisches Element des Social Commerce. Generell werden Konsumenten zunehmend in den Kaufprozesses eingebunden. Gebündelt werden diese Tendenzen zunehmend auf speziellen Plattformen oder in sogenannten Social-Shopping-Communities.

Was kann man sich darunter vorstellen?

HOLSING: Social-Shopping-Communities existieren mittlerweile für viele Produkte. Im Bereich Mode ist zum Beispiel "smatch.com" die führende deutschsprachige Community. Sie hat mehrere Millionen Nutzer im Monat. Dort kann man klassisch über ein Suchfeld nach Produkten stöbern. Es gibt darüber hinaus auch den Community-Bereich, in dem soziale Aspekte rund um das Shopping im Vordergrund stehen. Der Nutzer kann sich ein Profil und sogenannte Wunschlisten anlegen, Bewertungen abgegeben und sich mit anderen Nutzern, die die gleichen Shopping-Vorlieben teilen, vernetzen. Das populärste Element ist aber, dass der Nutzer sich seinen eigenen "Style", eine Art Produktcollage, anlegen kann. Verschiedene Kleidungsstücke können zu einem Outfit zusammengefügt, von Freunden bewertet und über andere soziale Medien geteilt werden.

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