Lübbecker Land Politik sagt Nein zu Fracking

Landtagsabgeordneter Friedhelm Ortgies (CDU): Aktuelle Beschlüsse gelten "nicht für die Ewigkeit"

VON FRANK HARTMANN
Friedhelm Ortgies (l.) bewertete die Fracking-Diskussion aus politischer Sicht. Eingeladen hatte ihn der CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende Sven Öpping. - © FOTO: FRANK HARTMANN
Friedhelm Ortgies (l.) bewertete die Fracking-Diskussion aus politischer Sicht. Eingeladen hatte ihn der CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende Sven Öpping. | © FOTO: FRANK HARTMANN

Lübbecker Land. Fracking – das hydraulische Aufbrechen einer Gesteinsschicht, die Öl- oder Gasvorkommen enthält, und der Einsatz chemischer Flüssigkeiten – ist politisch derzeit nicht gewollt. Dieses Fazit zog am Dienstag der Vorsitzende des Umwelt- und Verbraucherschutz-Ausschusses im NRW-Landtag, Friedhelm Ortgies (CDU). Zugleich machte er deutlich: "Ich sage nicht für alle Zeiten nein."

Friedhelm Ortgies, der in der Wiehentherme die Auftaktveranstaltung der neuen politischen Reihe der CDU Hüllhorst ("Kaminzimmer") bestritt, machte gleich am Anfang vor rund 40 Zuhörern klar: "Ich bin kein Fracking-Experte und vertrete hier nicht Exxon." Gleichwohl spielte Exxon Mobil in seinen Ausführungen aufgrund der Probebohrung in Stemwede-Oppenwehe (die NW berichtete) eine große Rolle.

"Wir wollen uns ruhig und sachlich mit dem Thema beschäftigen und klären: Welchen Preis sind wir angesichts geringer werdender Energiereserven bereit zu zahlen?", gab der Vorsitzende des CDU-Gemeindeverbandes, Sven Öpping, den roten Faden vor, den Ortgies aufnahm. Man solle das Thema Fracking "aus dem Wahlkampf raushalten", schlug der Landespolitiker vor und erinnerte an den Projektbeginn in Oppenwehe vor fünf Jahren (¦ Info). "Seitdem hat sich die Sichtweise geändert", sagte Ortgies. Maßgeblich seien heute die Furcht vor unkontrollierten Umweltschäden, Gasaustritt in die Luft und in das Trinkwasser sowie die Belastung des Grund- und Trinkwassers mit der Bohrflüssigkeit. Von der kenne man nur die Bestandteile Wasser und Sand. Die chemischen Zusätze (Additive) jedoch würden wie ein "Betriebsgeheimnis" behandelt (¦ Kommentar).

Anfangs äußerte Ortgies sich distanziert zur Fracking-Methode der Öl- und Gasförderung: "Es soll alles sicher sein." "Trinkwasserschutz hat Vorrang vor Energiegewinnung." Man sei sich parteiübergreifend in Düsseldorf einig: "Wir werden in NRW in den nächsten Jahren kein Fracking haben."

Während die Zuhörer sich ausschließlich kritisch zum Fracking und seinen Folgen äußerten, lenkte Ortgies seine Aussagen mit zunehmender Dauer der Veranstaltung in eine andere Richtung. Fracking sei "zur Zeit nicht durchsetzbar". Er wolle seine Ausführungen "nicht als Fundamentalkritik" verstanden wissen: "Vielleicht gibt es in fünf Jahren eine Methode, die sicher ist." Es könne sich einiges ändern, und die aktuellen Beschlüsse seien "keine für die Ewigkeit". Auch er selbst "sage nicht für alle Zeiten nein".

Ortgies begründete dies mit dem Hinweis, Deutschland benötige noch auf Jahrzehnte hinaus fossile Energien wie Kohle und Gas. Zudem gebe es "mit allen alternativen Energien überall Probleme". Er fürchte, "dass wir die erneuerbaren Energien irgendwann nicht mehr bezahlen können". In jedem Fall wolle er sich beizeiten um eine Fachveranstaltung bemühen – "mit allen Beteiligten".

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