PR. OLDENDORF Darmbakterien im Trinkwasser

660 Haushalte in Börninghausen und Eininghausen betroffen / Stadtwerke ordnen Abkochen an

Ein Ingenieur des Wasserverbandes Wittlage nimmt an der Grenze zu Niedersachsen in Büscherheide eine Trinkwasserprobe, die innerhalb von 48 Stunden ausgewertet wird. - © FOTO: TYLER LARKIN
Ein Ingenieur des Wasserverbandes Wittlage nimmt an der Grenze zu Niedersachsen in Büscherheide eine Trinkwasserprobe, die innerhalb von 48 Stunden ausgewertet wird. | © FOTO: TYLER LARKIN

Pr. Oldendorf-Börninghausen. Das Trinkwasser des städtischen Wasserwerkes ist verkeimt. Für die Bewohnern von Börninghausen und Eininghausen gilt eine Anordnung der Stadtwerke Pr. Oldendorf , derzeit nur abgekochtes Trinkwasser zu verwenden. Gefährdet sind laut Gesundheitsamt vor allem Babys, ältere Menschen und chronisch Kranke. Für Gesunde gebe es keine Probleme.

Mit welchen Keimen genau das Trinkwasser belastet ist, konnte der Leiter des Kreis-Gesundheitsamtes, Dr. Peter Witte, gestern noch nicht sagen. Eine genauere Bestimmung erwartet er für heute oder morgen. Fest steht aber, dass es sich um "coliforme" Bakterien handelt, wie sie "in jeder menschlichen und tierischen Darmflora vorkommen".

Witte zufolge ist die Menge der bei einer Routineüberprüfung am vergangenen Freitag festgestellten Keime gering, "in Trinkwasser gehören die dennoch nicht hinein". Vor allem wenn Babynahrung mit dem verkeimten Wasser zubereitet und über Stunden warm gehalten werde, könne dies gesundheitliche Folgen haben. Auch ältere Menschen und chronisch Kranke gehörten in diesem Zusammenhang zur Risikogruppe. Witte: "Normal Gesunde sind nicht gefährdet, selbst wenn sie das Wasser trinken." Eine flächendeckende Entnahme von Wasserproben erwartet der Mediziner für Freitag dieser Woche.

Wie die Bakterien genau in das Trinkwasser gelangen konnten, ist noch nicht bekannt. Bürgermeister Jost Egen zufolge ist auch "nur ein Verteilernetz" betroffen, an dem 660 Haushalte angeschlossen sind. Dass die Verkeimung mit dem Unwetter aus der vergangenen Woche zusammenhängt, schließt er aus. "Beide Brunnen in Börninghausen sind, wie auch der Hochbehälter, sauber." Ob die Keime möglicherweise durch eine Regenwasser-Rückgewinnungsanlage in das Trinkwasser gelangten, ist laut Egen bislang nur "Spekulation". Heute werden erneut Proben genommen, die Aufschluss darüber geben sollen, mit welchen coliformen Keimen das Trinkwasser verseucht ist. Grund zur Besorgnis sieht Egen allerdings nicht: "Die Kulturen liegen unterhalb des Grenzwertes. Das Abkochgebot ist rein präventiv."

Wie Egen gestern auf NW-Anfrage mitteilte, ist das Wasser bislang noch nicht mit Chlor behandelt worden. "Wenn wir chloren, nehmen wir den Keimen die Chance, zu wachsen. Dann könnten wir sie nicht mehr genau bestimmen." Erst wenn weitere Proben entnommen worden sind, werden man desinfizierende Maßnahmen durchführen. Bis dahin soll das Abkochgebot bestehen bleiben, um zu verhindern, dass sich "gesundheitliche Beeinträchtigungen ergeben können".

Speisen und Getränke sollten zur Zeit nur noch in gekochtem Zustand verzehrt werden, Waschmaschinen und Geschirrspüler können bei mindestens 60 Grad Wassertemperatur benutzt werden.
Mit Handzetteln und Lautsprecherdurchsagen informierte die Stadt gestern die Bürger. Drei Mitarbeiter auf zwei Fahrzeuge verteilt, warfen die DIN A4 großen Handzettel in die Briefkästen aller Haushalte in Börninghausen und Eininghausen.

Auch die Bewohner im angrenzenden Büscherheide sind betroffen. Dort entnahm ein Team des Wasserverbandes Wittlage drei Proben an unterschiedlichen Stellen und führte eine Netzspülung durch. "Dabei lassen wir die dreifache Menge des normalen Wasserverbrauchs durch die Leitungen fließen", sagte ein Wasserverbands- Ingenieur. Anders als Egen schließt der Fachmann einen Zusammenhang mit dem Unwetter ausdrücklich nicht aus.

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