Plakativ: Ulrike Böcker-Schäfer zeigt das Poster, das sie vor drei Wochen am Herzog-Wittekind-Weg aufstellte. Die Kaffeebecher, die darauf kleben, hat sie an einem einzigen Tag an der Wiese eingesammelt. Der Dauerregen hat dem Plakat allerdings schon etwas zugesetzt. Fotos: TiRre - © Kirsten Tirre
Plakativ: Ulrike Böcker-Schäfer zeigt das Poster, das sie vor drei Wochen am Herzog-Wittekind-Weg aufstellte. Die Kaffeebecher, die darauf kleben, hat sie an einem einzigen Tag an der Wiese eingesammelt. Der Dauerregen hat dem Plakat allerdings schon etwas zugesetzt. Fotos: TiRre | © Kirsten Tirre

Lübbecke-Obermehnen Ärger über Müll freundlich verpackt

Ungewöhnliche Idee: In einer Wiese in Obermehnen landen ständig leere Kaffeebecher. Ulrike Böcker-Schäfer hat sich deshalb eine besondere Aktion überlegt und kreativ auf den Umweltfrevel reagiert

Kirsten Tirre

Lübbecke-Obermehnen. Irmgard Böcker-Schäfer wohnt seit 22 Jahren am Herzog-Wittekind-Weg in Obermehnen. Die 58-Jährige ist auf einem Bauernhof aufgewachsen, liebt Tiere und die Natur. Und sie genießt täglich die tolle Aussicht, die sie von ihrem Haus hinab ins Tal hat. Um so mehr ärgert es Irmgard Böcker-Schäfer, dass seit mehreren Monaten achtlose Mitmenschen Kaffeebecher in einer Wiese am Herzog-Wittekind-Weg entsorgen. Sie konterte jetzt mit Plakatkunst. "Im Frühjahr ging es los", erzählt Irmgard Böcker-Schäfer, die an der Gesamtschule Hüllhorst Englisch und Sport unterrichtet. Immer wieder fanden sie und ihr Mann Ulrich Coffee-to-go-Becher oder auch Joghurt-Becher aus Plastik in der Wiese. "Bis vor kurzem haben dort noch Kühe gegrast." Die könnten den Müll fressen, was für die Tiere gefährlich werden kann. Daumen hoch für die Aktion Also sammelte das Ehepaar ebenso wie Nachbarn am Herzog-Wittekind-Weg immer wieder die Becher ein, um sie ordnungsgemäß zu entsorgen. Vor drei Wochen dann wurde es Irmgard Böcker-Schäfer zu bunt. Die Becherflut wurde nicht weniger: Es reichte ihr. Gedankenlos und egoistisch findet es Irmgard Böcker-Schäfer, den Müll während der Fahrt einfach aus dem Autofenster zu werfen. Doch statt mit dem erhobenen Zeigefinger zu drohen, wollte sie dem Umweltfrevler in einer netten und pfiffigen Art ins Gewissen reden und ihn darauf aufmerksam machen, dass er oder auch sie den Müll doch bitte im Auto behalten solle. Sie klebte die eingesammelten Becher eines ganzen Tages auf ein Plakat und schrieb dazu: "Modern Art 2017. Werde auch Du zum Künstler, statt Deinen Müll auf die Kuhwiese zu werfen." Sie achtete auch darauf, dass das Plakat nicht zum Verkehrshindernis wird und stellte es an einer großen Eiche am Herzog-Wittekind-Weg auf. "Nein, es nutzte nichts." Die Kaffeebecher flogen weiter in die Wiese. Also überlegte sie sich eine weitere Aktion. Sie zerschnippelte eine Warnweste, bastelte daraus zwei Schilder - wieder mit Kaffeebechern - und befestigte sie gut sichtbar an Zaunpfosten. "No coffee to go" steht darauf. Das war am Freitag vergangener Woche. "Seitdem sind keine weiteren Becher aufgetaucht." Sie sei schon ganz gespannt, wie es weiter geht. Die Nachbarschaft vermutlich auch: Die finden die Aktion nämlich super. "Man muss etwas tun, damit es in Obermehnen auch weiter schön bleibt", sagt Irmgard Böcker-Schäfer. Finden auch vorbeifahrende Autofahrer und zeigen "Daumen hoch" für die Aktion.

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