Interessiert: Jaqueline Schröder und Lina Steblau informieren sich bei Christin Wegener (Kompetenzzentrum Frau und Beruf). - © Cornelia Müller
Interessiert: Jaqueline Schröder und Lina Steblau informieren sich bei Christin Wegener (Kompetenzzentrum Frau und Beruf). | © Cornelia Müller

Lübbecke So gelingt der Neustart im Beruf

Altes Amtsgericht: Dritter Infotag Wiedereinstieg zeigte neue berufliche Perspektiven auf. Viele Frauen möchten nach einer Familienzeit wieder zurück ins Erwerbsleben

Cornelia Müller

Lübbecke. Jutka Röhr strahlt, als sie den Saal im Alten Amtsgericht betritt. Im Rahmen des dritten Infotages Wiedereinstieg soll sie gleich auf der Bühne stehen und über ihre eigene Geschichte berichten. Die ist eine, die auch anderen Mut machen sollte. Jutka Röhr ist der Wiedereinstieg in den Beruf gelungen. Vor zwei Jahren hatte die damals 49-Jährige, die als Krankenschwester im Johannes Wesling Klinikum Minden arbeitete, einen schweren Verkehrsunfall. Zurück in ihren Beruf konnte sie danach nicht mehr: Schulter und Knie blieben in ihrer Bewegung eingeschränkt. Eine Frühverrentung kam für die aktive Frau aber auch aus finanziellen Gründen nicht in Frage. "Ich kann mich an jede Einzelheit erinnern" Vor einem Jahr besuchte sie deshalb den Infotag Wiedereinstieg in Minden, um sich über andere Möglichkeiten zu informieren. „Ich kann mich heute noch an jede Einzelheit erinnern: Vor einem Jahr stand ich da wie ein Fragezeichen. Ich wusste nicht, was ich machen sollte. Ich wusste nur: Ich will etwas verändern." Beim Infotag wurde sie auf einen Praxisworkshop aufmerksam, der für sie die Wende bedeutete: Sie lernte dort, ihre Stärken und Schwächen richtig einzuschätzen und erhielt Tipps für den Wiedereinstieg, der in ihrem Fall ein Neueinstieg war. Denn heute ist sie als „Wäschefrau", wie sie selbst schmunzelnd sagt, für die gesamte Wäsche der Mühlenkreiskliniken zuständig und hat sogar leitende Aufgaben übernommen. Sie macht allen Besuchern des Infotages Mut: „Man muss am Ball bleiben. Trauen Sie sich! Probieren Sie etwas aus!" Hilfestellung dazu boten die vielen Informationsangebote im Alten Amtsgericht. Dazu gehörten zum Beispiel ein Bewerbungsmappencheck und eine Stellenbörse, Experten der Bildungseinrichtungen und der Agentur für Arbeit standen für Interviews zur Verfügung und es gab auch die Möglichkeit, professionelle Bewerbungsfotos machen zu lassen. Einige Angebote richteten sich gezielt an Frauen: Sie sind besonders vom Thema Wiedereinstieg betroffen. „Wenn man alleinerziehend ist und die Großeltern nicht ständig einspringen können, ist es nicht einfach, Beruf und Familie zu vereinbaren. Die Betreuungszeiten in den Kitas reichen nicht aus", weiß die 28-jährige Jaqueline Schröder aus eigener Erfahrung. Die 40-jährige Lina Steblau will nach 20 Jahren Familienzeit noch mal durchstarten: „Es gibt so viele neue Berufe – nach so vielen Jahren muss ich jetzt erst einmal gut informieren." Vom Wiedereinstieg profitieren beide Seiten Nicht nur Unfälle, Krankheit oder Kindererziehung, sondern zunehmend auch die Versorgung pflegebedürftiger Angehöriger können dazu führen, dass ein Mensch vorübergehend aus dem Berufsleben aussteigen muss. Wer danach den Wiedereinstieg wagt, hat auf dem Arbeitsmarkt durchaus Chancen: „Jeder Wiedereinsteiger ist eine potenzielle Fachkraft", sagt Christin Wegener vom Kompetenzzentrum Frau und Beruf. Zumal die Motivation der Wiedereinsteiger, die in der Zwischenzeit oft zusätzliche Kompetenzen erworben hätten, besonders hoch sei. „Das ist eine Win-Win-Situation – für die Wiedereinsteiger und die Firmen."

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