Spiegelung unterbrochen: Auch Schriftzüge an Fenstern und Glastüren - wie hier beim Moorhus - bieten Schutz, erklären Erwin Mattegiet (l.) und Hermann Nagel vom Nabu. - © Sandra Spiekier-Beutler
Spiegelung unterbrochen: Auch Schriftzüge an Fenstern und Glastüren - wie hier beim Moorhus - bieten Schutz, erklären Erwin Mattegiet (l.) und Hermann Nagel vom Nabu. | © Sandra Spiekier-Beutler

Lübbecker Land Glasscheiben gefährden Vogelwelt

Spiegelnde Täuschung - und was jeder dagegen tun kann. Naturschützer fordern Vogelschutz explizit in Baugesetzgebung einzubeziehen. Vortrag am 17. Oktober

Sandra Spieker-Beutler

Lübbecker Land. Große Fenster sind aus der modernen Architektur nicht mehr wegzudenken. Doch sie werden häufig zu Todesfallen. Nach Angaben des BUND sterben jedes Jahr mehr als 18 Millionen Vögel in Deutschland nach einer Kollision mit einer Glasscheibe. Für sie ist das transparente oder spiegelnde Bauelement nicht zu erkennen, sie sehen nur die dahinter liegende Umgebung - oder das, was sich spiegelt. So kollidieren sie oft mit voller Wucht mit der Scheibe. "Die Problematik ist vielen gar nicht bekannt", sagt Hermann Nagel, stellvertretender Vorsitzender des Nabu-Kreisverbandes Minden-Lübbecke. Dabei könne leicht Abhilfe geschaffen werden. Der BUND hat eine Kampagne gegen den sogenannten Vogelschlag gestartet, die auch der Nabu Minden-Lübbecke unterstützt. Die Kreisverband hat daher die Fachreferentin Judith Förster vom BUND zum Vortrag nach Minden eingeladen, um auf die Problematik aufmerksam zu machen (¦ Info). So wollen sie vor allem Planer, Behörden, Unternehmen und Architekten ansprechen. Denn ob moderne Glasanbauten, große Fensterfronten oder Wintergärten: Das Bauen mit großen Glasflächen liegt im Trend. Vogelsilhouetten bieten keinen Schutz Die bekannten schwarzen Vogelsilhouetten zum Aufkleben würden keinen ausreichenden Schutz bieten, sagen Naturschützer. Vorgezogene Vorhänge oder Schiebegardinen könnten dagegen schon Abhilfe schaffen. Denn dann entfällt die Spiegelung. Auch wirksam: Mit einem speziellen "Birdpen", einem Stift, kann auf einer Glasfläche ein Streifenmuster aufgemalt werden, das für den Menschen kaum sichtbar ist. Aber auch bereits bei der Herstellung kann Glas so präpariert werden, dass es für Vögel ungefährlich ist. Beispiele sind Milchglas, Ornamentglas sowie aufgedruckte Muster. Effektiv seien auch Klebefolien, die vom Fachmann nachträglich auf die Scheibe geklebt werden, so Nagel. Im gewünschten Muster oder auch mit Schriftzügen versehen - wie etwa beim Moorhus in Gehlenbeck zu sehen. Beispiel Berolina-Klinik in Löhne Ein weiteres Beispiel in der Region sei etwa die Berolina-Klinik in Löhne, sagt Erwin Mattegiet vom Nabu-Kreisvorstand. Hier gibt es einen etwa 80 Meter langen Glasgang, der schon etliche Vögel das Leben gekostet hat. Dort wurde das Glas mit einer speziellen Kunststofffolie beklebt. Das habe sofort geholfen. Der Vogelschutz müsse in der Baugesetzgebung stärker seinen Niederschlag finden, sagen die Naturschützer. Ab einer bestimmten Glasgröße sollte festgeschrieben sein, welche Maßnahmen zu treffen sind. Bestehende Gesetze seien zu allgemein gehalten oder sie würden nicht umgesetzt.

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