Immer dabei: Katja Möller-Golnik zeigt ihren Organspenderausweis. - © Foto: Alexander Lange
Immer dabei: Katja Möller-Golnik zeigt ihren Organspenderausweis. | © Foto: Alexander Lange

Lübbecke "Das war wie ein Sechser im Lotto"

Organspende: Eine Transplantation rettet Katja Möller-Golnik das Leben. Seitdem möchte sie für das Thema sensibilisieren

Alexander Lange

Lübbecke. Sommer 2002: Katja Möller-Golnik ist 23 Jahre alt, kerngesund, sportlich aktiv und, wie sie selbst sagt, "immer mit Vollgas dabei". "Es fing damit an, dass ich mich beim Sport schlapp fühlte", erzählt die junge Mutter im Gespräch mit der NW, "und im Sommer bin ich eines Morgens aufgewacht und hatte ganz gelbe Augen. Ich wusste: Hier passt irgendetwas nicht." Katja Möller-Golniks Hausärztin schickt sie direkt ins Lübbecker Krankenhaus. Dort wird sie zwei Wochen lang mit Verdacht auf Gallenstau behandelt. Doch der Gesundheitszustand von Katja Möller-Golnik verschlechtert sich von Tag zu Tag - ohne dass sie weiß, was mit ihr nicht stimmt: "Ich konnte nicht mehr essen, durfte nicht mehr aufstehen. Mein Körper begann, sich langsam zu verabschieden". Die Ärzte müssen handeln und bringen sie ins Uniklinikum Münster: "Die haben schnell gemerkt, dass ich akutes Leberversagen habe und sofort Hilfe brauche." Sofort wird Katja Möller-Golnik auf die Notliste gesetzt: Sie braucht eine neue Leber, eine Organspende muss her. Und die lebensbedrohlich Erkrankte hat Glück. Nach nur zwei Wochen Aufenthalt bekommt sie die erhoffte Spenderleber. "Das war wie ein Sechser im Lotto", erinnert sich Katja Möller-Golnik heute zurück. Alles scheint gut, der Krankenhausaufenthalt nur von kurzer Dauer. Doch die Hoffnung erweist sich als verfrüht. Die neue Leber arbeitet nur zu 30 Prozent, ist außerdem noch zu groß. Die Ärzte müssen Katja Möller-Golnik sofort ins künstliche Koma versetzen. "Die haben mich gar nicht erst zugenäht. Die Ärzte wussten, dass es mit dieser Leber nicht funktionieren kann." Fünf Tage und Nächte liegt Katja Möller-Golnik im Koma. Ihre Eltern und ihr Freund bangen und hoffen auf eine erneute Transplantation. »Ich wollte einfach meinen Alltag zurück« Und diesmal geht alles gut. Eine zweite Transplantation gelingt ohne große Komplikationen. "Mir ist erst Jahre später bewusst geworden, was das eigentlich für meinen Freund - meinen jetzigen Mann - und meine Eltern bedeutet hat. Ich war 23, ich habe an alles mögliche andere gedacht, ich hatte Pläne, ich wollte einfach meinen Alltag zurück." Vor allem Katja Möller-Golniks Mutter konnte jahrelang nicht über das Thema und die ungewisse Zeit zwischen Leben und Tod sprechen. Der Grund für das Leberversagen ist bis heute nicht geklärt: Katja Möller-Golniks Leber war bereits so zerstört, dass sie nicht mehr untersucht werden konnte. Heute, knapp 15 Jahre später, geht es Katja Möller-Golnik gut. Außer der täglichen Medikation, damit ihr Körper das transplantierte Organ nicht doch noch abstößt, erlebt sie keine Einschränkungen. Sie fährt wieder Mountainbike, joggt und verbringt Zeit mit Freunden und der Familie. "Ich sage inzwischen auch, dass es meine Leber ist, auch wenn es am Anfang komisch ist, mit einem fremden Organ zu leben", so Katja Möller-Golnik. "Ich weiß, dass die Leber von einem Mädchen aus Österreich stammt, das jünger war als ich. Mehr nicht. Aber damit weiß ich schon viel zu viel. Eigentlich dürfen die Ärzte nichts verraten." Inzwischen spürt die Lübbeckerin vor allem Dankbarkeit, dass die Organtransplantation im zweiten Versuch geklappt hat. "Ich habe es als Geschenk angenommen. Ich wäre seit 15 Jahren nicht mehr hier, hätte sich das Mädchen nicht entschieden, ihre Organe zu spenden", appelliert Möller-Golnik, sich mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen. "Es gibt so viele Menschen, die jahrelang liegen und auf ein Organ warten." Missionieren, Organspender zu werden, will die Lübbeckerin aber nicht. Sie will nur sensibilisieren: "Viele wollen sich nicht mit dem eigenen Tod auseinandersetzen. Andere wollen sich nicht vorstellen, dass sie nicht komplett beerdigt werden. Ich möchte nur, dass sich die Menschen einmal bewusst entscheiden." Denn der Aufwand, einen Spenderausweis bei sich zu tragen, ist nicht groß. Doch der Bedarf an Organspendern ist umso größer. Katja Möller-Golnik hatte Glück. Viele andere Menschen warten noch auf ihr Glück.

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