Das Krankenhause bietet den Angehörigen der Demenzerkrankten Übernachtungen an. Christine Fuchs (v. l.), Anita Bohn, Heike Hopmann-Witte und Urta Abbate stellten das Projekt vor - © Tessa Rinkes
Das Krankenhause bietet den Angehörigen der Demenzerkrankten Übernachtungen an. Christine Fuchs (v. l.), Anita Bohn, Heike Hopmann-Witte und Urta Abbate stellten das Projekt vor | © Tessa Rinkes

Lübbecke Lübbecker Krankenhaus bietet Rooming-in bei Demenz an

Angehörigen von Demenzerkrankten können kostenlos im Krankenhaus Lübbecke-Rahden übernachten

Tessa Rinkes

Lübbecke. Im Kreiskrankenhaus Lübbecke-Rahden läuft ein Rooming-in-Projekt für Demenzerkrankte. Angehörige von stationär aufgenommenen dementen Patienten können kostenlos im Krankenhaus übernachten, um ein gewohntes Umfeld für die Kranken zu schaffen. „Das wird durch die veränderte Gesellschaftsstruktur immer wichtiger", erklärte Geschäftsführerin Christine Fuchs bei einem Pressegespräch. „Für uns war es ein Heilsbringer", beschrieb es eine Frau aus Pr. Oldendorf. Ihr Vater zeigte nach einer Operation im Februar deutliche Anzeichen einer altersbedingten Demenz. „Das Krankenhaus hat uns sofort das Rooming-in angeboten." So konnte ihre Mutter die gesamten 14 Tage im gleichen Zimmer übernachten. „Abends wurden die Betten zusammengeschoben und durch tägliche Rituale wurde mein Vater ruhiger und erkannte uns wieder." Die Klinik kümmert sich um den Papierkram. „Da wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass ein gewohntes Umfeld den Erkrankten hilft, übernehmen die Krankenkassen die Kosten", erklärte Fuchs zum deutschlandweit einzigen Rooming-in-Projekt für Demenzerkrankte. Mit Hilfe des Zentrums für seelische Gesundheit sowie des „DemenzNetz Lübbecke-Minden" ist das seit 2010 laufende Konzept den besonderen Bedürfnissen angepasst. Zusätzlich werden den Angehörigen hier wichtige Hilfeleistungen gegeben. Stationsleiterin Anita Bohn zeigte auch die Vorteile für die Ärzte und Pfleger auf: „Angehörige erkennen zum Beispiel Verhaltensveränderungen bei Schmerzen, wodurch wir besser reagieren können." Zudem stellte sie die herzliche Seite heraus. „Ich freue mich jedes Mal, wenn die Paare Hand in Hand über den Flur schlendern und sich die Zimmer mit Blumen und Radios einrichten." Die Pr. Oldendorferin erzählte, dass der Austausch mit den Schwestern auch ihrer Mutter sehr geholfen hätte, um den Alltag mit ihrem Mann besser bewältigen zu können. „Rund 50 Angehörige nutzen das Angebot jährlich, dabei wird die Zahl deutlich ansteigen", blickte Christine Fuchs in die Zukunft. Seit den 1980er Jahren habe sich die Zahl der Demenzerkrankten verdoppelt.

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