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Lübbecke "Ein Mann fürs Grobe" begeistert das Publikum in der Stadthalle

Schlammschlacht im Verlagswesen

Imme Lohmeyer-Lorek

Lübbecke. Die Komödie im Bayerischen Hof, die bereits mit "Glück, Le Bonheur" aus der Feder von Éric Assous in der Lübbecker Stadthalle zu sehen war, wartete vergangenen Samstag ebenfalls mit äußerst prominenten Schauspielern auf. In der Komödie "Ein Mann fürs Grobe" brillierte Jürgen Prochnow, Kinogängern bekannt aus dem Kriegsfilm "Das Boot", jetzt in der Rolle des bösen Exmannes Jean-Pierre. Seine prominente Partnerin, Schauspielerin Verena Wengler, spielte als Verlagschefin Séverine alle übrigen Darsteller an die Wand und lieferte sich mit ihrem Ex einen der allzu bekannten Rosenkriege. Allerdings setzte die äußerst amüsante Schlammschlacht mit 25 Jahren Verspätung ein, als Jean-Pierre seine Exgattin um einen Job im Weide-Verlag bat. Dem Prominentenpaar dabei zuzusehen, wie sie sich vor den Augen der Verlagsbelegschaft immer neue Hiebe versetzten, war sehr kurzweilig. Die Dialoge entbehrten allerdings der Originalität, was aber dem Stück und nicht der Leistung der Darsteller zuzuschreiben ist. Und dass das Stück der Autorin Victoria (Genoveva Mayer) ausgerechnet "Porträt eines Mistkerls" heißen musste, war auch nicht unbedingt ein brillanter Einfall des Autors. Herrlich anzusehen, war hingegen die Intensität im Spiel eines Paares, das sich im Grunde immer noch liebte, aber erst durch viele Demütigungen und Enttäuschungen hindurchgehen musste, um wieder zueinander zu finden. Prochnow mit seinen markanten Gesichtszügen hatte bereits Bühnenwirkung, als er bloß die Bretter betrat und sorgte als der "dumme August" für Heiterkeit und Verwirrung gleichzeitig, war er es doch, der die Fäden in der Hand hielt und die Handlung lenkte. Wengler versprühte Energie und Charme und ließ ihre Assistentin Célia (Clara Cüppers) zuweilen etwas blass erscheinen. Man hätte Célia kaum die Verwegenheit zugetraut, hinter dem Rücken ihrer Chefin eine Affäre mit deren Verlobten anzufangen. Aber Patrice (Rolf Komorr) war Séverine sowieso nicht gewachsen. Für das Publikum erheiternd waren seine hampeligen Versuche, eine weiße Weste vorzutäuschen. Schwung in das zuweilen etwas lahme Stück brachte Séverines Sohn Guillaume (Leenert Schrader), der meistens auf die Bühne rollte und mit jugendlichem Charme die Verlagschefin, seine Mutter, umgarnte. Patrick Dollmann spielte die Rollen des unbeholfenen Lektors Gaetan und des Autors Lebrovsky. Die Parodie auf das Verlagswesen war etwas schrill, aber Verlage müssen sich heutzutage bekanntlich immer Neues einfallen lassen, um überleben zu können. Und wer weiß, vielleicht kurbelte Sex mit zwei Ziegen in der erotischen Literatur ja die Verkaufszahlen an. Ansonsten gab es, wie es sich für eine Komödie gehört, jede Menge Pannen, wie explodierende Kaffeeautomaten und tollpatschige Putzmänner. Der Applaus am Schluss zeigte, dass der Kulturring Lübbecke dem Publikum einen trüben Novembertag verschönt hatte.

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