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Lübbecker Land Evangelischer Kirchenkreis steht vor großen finanziellen Herausforderungen

Kreissynode: Kirchenkreiskonzeption soll Weichen für die Zukunft stellen

Lena Henning

Lübbecker Land. Die evangelische Kirche im Lübbecker Land steht zukünftig vor großen Herausforderungen. Das zeigten unter anderem die Eckdaten zum Haushalt, die auf der Tagung der Kreissynode vorgestellt wurden. Der Kirchenkreis will darauf mit einer Neukonzeption reagieren, die bis 2018 verabschiedet werden soll. Auch diese war Thema der Synode im Gemeindezentrum der Gabriel-Kirche in Nettelstedt. Bernd Kammann, Vorsitzender des Finanzausschusses, stellte die Haushaltsplanungen für 2017 vor. Die wirtschaftlich gute Lage in Deutschland lasse die Einnahmen aus der Kirchensteuer sprudeln, so dass auch die evangelische Landeskirche hier ein sattes Plus zu verzeichnen habe. Auf dem Papier würden die Zuweisungen an die Kirchenkreise um 5,1 Prozent gegenüber 2016 steigen. Dem gegenüber stünden allerdings zusätzliche Ausgaben und Belastungen: Die Pfarrbesoldungspauschale, aus der Gehälter und Pensionen der Pfarrer im Kirchenkreis bezahlt werden, belaste den Haushalt zunehmend. Dazu kämen steigende Ausgaben für die evangelischen Kindertageseinrichtungen und das diakonische Werk im Kirchenkreis. "Der Zuwachs an Zuweisungen an den Kirchenkreis wird durch die höhere Pfarrbesoldungspauschale nahezu aufgefressen, so dass die Zuweisungen an die Gemeinden sogar sinken", sagt Kammann. Ohne die derzeit hohen Kirchensteuereinnahmen sähe die Situation bereits jetzt schwierig aus. "Und die fetten Jahre werden nicht unendlich weitergehen", mahnt Kammann. Um für 2017 einen ausgeglichenen Haushalt zu entwerfen, musste die Deckungsreserve gänzlich aufgelöst werden. Zur Einführung des Neuen Kirchlichen Finanzmanagements Westfalen (NKF) werden, befristet bis 2020, drei neue Stellen geschaffen. Dieser Anstieg der Personalkosten, verstärkt durch tarifliche Verpflichtungen, wurde durch die Streichung freiwilliger Leistungen, etwa in der Projektarbeit, ausgeglichen. "Um die schwarze Null zu sichern, ist künftig eine verstärkte Haushaltsdisziplin erforderlich, denn wir haben keine Spielräume mehr", sagt Kammann. Aufgrund der demografischen Entwicklung und des Rückgangs der Kirchenmitglieder sei eine Trendumkehr nicht zu erwarten. "Wir müssen den Kirchenkreis konzeptionell neu aufstellen und uns fragen, wie das noch zur Verfügung stehende Geld verteilt und wofür es ausgegeben werden soll", sagt Uwe Gryczan, Superintendent des Kirchenkreises. "Wichtig ist es nun, die derzeit noch entspannte Haushaltslage als Atempause zu nutzen, und die Weichen für die Zukunft zu stellen." Während der Sommersynode 2015 hatten sich die Delegierten dafür ausgesprochen, einen grundhaften Erneuerungsprozess im Kirchenkreis in Gang zu setzen. Zentrales Ziel: Schwerpunkte der inhaltlichen Arbeit festgelegen. Dazu wurden inzwischen vier Arbeitsgruppen eingerichtet, berichtet Gryczan. Die AG Sachanalyse solle einen Überblick über den Status Quo erarbeiten: "Wie viele Mitarbeiter gibt es, wo arbeiten sie, welche Gebäude existieren überhaupt?" Die AG Leitbild beschäftige sich mit der Frage nach den Zielen des Kirchenkreises aus biblisch-theologischer Sicht und die AG Prognose solle abschätzen, wie sich Mitgliederzahlen und finanzielle Ressourcen in den nächsten Jahren entwickeln würden. "Nur wenn wir wissen, was ist, was sein soll, und was wir realistisch erreichen können, können wir zukünftig unsere Handlungsfelder gewichten", so Gryczan. Ab Mitte 2017 sollen die Ergebnisse der Arbeitsgruppen diskutiert und auf einer der Synoden 2018 dann eine endgültige Entscheidung über die Konzeption getroffen werden. Auf die Auftaktveranstaltung im September blickt Gryczan positiv zurück: "Das war aufgrund der guten Beteiligung ein erfolgreicher Tag". Voraussichtlich im Februar 2017 soll es ein weiteres Treffen zum gemeinsamen Austausch geben. Diakonisches Werk im Kirchenkreis Lübbecke Nachdem die Diakonie e. V. für Dezember 2016 zunächst mit einer Liquiditätslücke von 60.000 Euro gerechnet hatte, konnte das Jahr deutlich besser als erwartet abgeschlossen werden. Das Ergebnis stellte Geschäftsführer Lutz Schäfer bei der Kreissynode vor. Dies sei mit Unterstützung der Kirchengemeinden und strenger Haushaltsdisziplin erreicht worden. Auch den tariflichen Verpflichtungen habe der Verein wieder nachkommen können. Sein Ziel sei es, die Arbeit der Diakonie zukünftig auf wirtschaftlich tragfähige Füße stellen zu können, sagte Schäfer, blieb bezüglich der Maßnahmen jedoch wenig konkret. Mittelfristig plane er, die Ausgaben unter anderem durch niedrigere Personalkosten zu senken. So sollen Stellen von Mitarbeitern, die in den Ruhestand gehen, nicht wieder besetzt und Aufgaben neu verteilt werden. Betriebsbedingte Kündigungen gebe es nicht. „Wir werden nicht die große Keule schwingen, sondern Einsparungen durch viele verschiedene Maßnahmen erreichen", so Schäfer. Es solle etwa in der Flüchtlingsberatung gespart werden, da hier genügend andere Träger tätig seien. Für 2017 und 2018 rechne er deshalb damit, einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen.

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