Fingerzeig: Auch Feuerwehrleute aus Stemwede eilten bei dem Großeinsatz am Samstag ihren Lübbecker Kameraden zu Hilfe. - © Joern Spreen-Ledebur
Fingerzeig: Auch Feuerwehrleute aus Stemwede eilten bei dem Großeinsatz am Samstag ihren Lübbecker Kameraden zu Hilfe. | © Joern Spreen-Ledebur

Lübbecke Chemie-Alarm im Fruchthof

Leckage: Bei der Firma Fritz Hille am Lübbecker Jockweg trat Ammoniak aus

Joern Spreen-Ledebur

Lübbecke. Immer wieder trainieren Feuerwehrleute den Ernstfall. Die Übungen zahlen sich aus, wenn es ernst wird. So wie am Samstag am Lübbecker Jockweg. Es gab Passanten, die sich als Zeugen einer Übung wähnten. Nein, es war keine Übung. 112 Feuerwehrleute aus dem Kreisgebiet waren zu einem Gefahrgut-Einsatz an den Fruchthof Hille ausgerückt und den meisterten sie mit Bravour. Samstagmorgen, 6.12 Uhr. Bürger zwischen Dielingen und Eisbergen, zwischen Börninghausen und Wasserstraße schlummerten da noch in ihren Betten. Für die Bürger, die sich als Feuerwehrleute für Menschen in Not einsetzen, war dagegen zu dieser Zeit die Ruhe abrupt vorbei. Unter dem Stichwort "Brand/Gefahrstoffe/Industrie" wurde die Lübbecker Feuerwehr alarmiert, wie Stadtsprecher Andreas Püfke später erläuterte. Die Mindener Leitstelle gab den Hinweis auf ein defektes Rohr im Fruchthof am Jockweg, durch das Kältemittel austrat. Daraufhin sei Alarm für die Züge Ost, Mitte und West der Lübbecker Wehr ausgelöst worden, so Püfke. An den Jockweg wurde zudem der ABC-Zug der Feuerwehren entsandt. Angehörige der Berufsfeuerwehr Minden eilten ebenso zu Hilfe wie Feuerwehrleute aus Espelkamp, Rahden und Stemwede. Maik Entgeltmeier, stellvertretender Leiter der Feuerwehr Lübbecke, übernahm die Einsatzleitung. Auch Kreisbrandmeister Michael Schäfer (Porta Westfalica) und Stellvertreter Thomas Podschadly (Hüllhorst) waren dort. Im Fruchthof stellten Einsatzkräfte eine Leckage im Betriebsraum für Kältemittel fest. Ammoniak trat aus. Glück im Unglück: Der Betriebsraum war gut abgeschottet, merkte Püfke an, der ebenso wie Rolf Kleffmann von Ordnungsamt vor Ort war. "Ein Großteil des Ammoniaks blieb im Raum", erläuterte Püfke. "So konnte die Ausbreitung verhindert werden." Parallel zur Alarmierung der Feuerwehr habe die Firma eigene Schritte eingeleitet, so Püfke. Eine Spezialfirma aus Bremen sei beauftragt worden, das Leck abzudichten. Das erfolgte am Samstag, die defekte Leitung wurde abgesperrt und repariert. "Die Firma Hille handelte sehr umsichtig", so Püfke. Daher habe es keine Gefahr für Mitarbeiter und umliegende Betriebe gegeben. Feuerwehrleute brachten die Mitarbeiter in Sicherheit, sie setzten Spezialanzüge ein und schlugen die Ammoniak-Wolke im Betriebsraum mit Wasser nieder. Das kontaminierte Wasser wurde später durch die Isenstedter Spezialfirma Picker entsorgt. Messungen im Gebäude hätten an drei Stellen einen Ammoniak-Messwert von unter zehn "Parts per Mille" ergeben. Nahe des Kühlmittel-Betriebsraumes seien es 25 Parts per Mille gewesen, so Püfke. Der Toleranzwert für einen Feuerwehreinsatz ohne Schutz liege bei 110 ppm. Die Zusammenarbeit zwischen den Feuerwehrleuten habe sehr gut funktioniert, sagten Feuerwehrchef Christoph Stallmann und Maik Entgelmeier. Und zu einer Zeit, als für die meisten Bürger dann Frühstück angesagt war, kümmerte sich die Einsatzleitung um die Verpflegung. Die Bäckerei Oltersdorf lieferte Kaffee und Brötchen. Kommentar Anerkennung Die Feuerwehren im Kreis arbeiten eng und gut zusammen. Sie sind zur Stelle, wenn Bürger oder Firmen in Not geraten. Die Übungen zahlen sich im Ernstfall ebenso aus wie die eine gute Ausstattung. Einsätze wie die Brände bei Econ-Air in Lübbecke oder Stanger in Espelkamp waren sicherlich spektakulärer. Aber auch austretendes Ammoniak ist nicht ohne. Hier hat sich gezeigt, dass jeder Euro für die Feuerwehr gut angelegtes Geld ist. Und der rasche Einsatz von Kräften aus weiten Teilen des Kreises verdient Anerkennung. Auf die Wehr können sich die Bürger verlassen. Nur braucht die Wehr auch Unterstützung. Kommunen, die sich mit einem Brandschutzbedarfsplan schwer tun, den Feuerwehren bröckelnde Gerätehäuser und Fahrzeuge aus den frühen 80er Jahren zumuten, die scheinen das ehrenamtliche Engagement von Einsatzkräften nicht zu würdigen. Und so etwas geht gar nicht und muss ganz fix behoben werden. Kontakt zum Autor

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