Sprache praktizieren: Sabine Möllering-Stork (l.) hat ihre Idee, einen Niederländisch-Stammtisch zu gründen, in die Tat umgesetzt. Zum ersten Treffen kamen 16 Interessierte, im Bild Paul Schulz (Mitte) und Susanne Höger (r.), die beide zweisprachig aufwuchsen. - © Heike von Schulz
Sprache praktizieren: Sabine Möllering-Stork (l.) hat ihre Idee, einen Niederländisch-Stammtisch zu gründen, in die Tat umgesetzt. Zum ersten Treffen kamen 16 Interessierte, im Bild Paul Schulz (Mitte) und Susanne Höger (r.), die beide zweisprachig aufwuchsen. | © Heike von Schulz

Lübbecke Erster Niederländisch-Stammtisch gestartet

Muttersprachler und Sprachfreunde kommen zum interkulturellen Austausch in Lübbecke zusammen. Weitere Treffen geplant

Lübbecke. Spaß an der niederländischen Sprache - das ist der Grund, warum Sabine Möllering-Stork jetzt den ersten Niederländisch-Stammtisch organisiert hat. "Ich mag die Sprache, mir gefällt die Mentalität der Niederländer. Ich möchte einfach in lockerer Runde niederländisch sprechen und zuhören. Deshalb habe ich zu dem Stammtisch eingeladen", so die 47-Jährige aus Bad Holzhausen. Mit ihrer Idee landete sie einen Volltreffer. Zum ersten Treffen im Restaurant "Schäppchen" im Bürgerpark in Lübbecke kamen 16 Interessierte. Muttersprachler und Freunde des Niederländischen kamen ins Gespräch, das Eis war schnell gebrochen. Fast so wie in dem Nachbarland, wo den Menschen nachgesagt wird, dass sie lockerer, lauter, lustiger sind als die Deutschen. "Das stimmt, aber nicht immer. Wir sind zwar entspannter und unsere Umgangsformen sind nicht so förmlich. Aber so locker sind die Holländer auch nicht", sagt Gerdien Jansen. Die gebürtige Niederländerin muss es wissen. Sie kennt beide Welten. Vor 16 Jahren kam sie der Liebe wegen nach Hüllhorst und blieb. Die 53-jährige Mutter von zwei Kindern ist Krankenschwester von Beruf und bei der Lebenshilfe in Hüllhorst beschäftigt. "Es sind die kleinen Details, die anders sind. Wenn ein Niederländer Geburtstag hat, gratulieren wir der ganzen Verwandtschaft. Und zur Begrüßung gibt es drei Küsschen auf die Wangen. Die Menschen in der Lübbecker Gegend sind eher stur", sagt sie. Außerdem herrsche am Arbeitsplatz mehr Hierarchie als in den Niederlanden. "Bei uns sind alle normale Menschen, egal ob Chef oder Mitarbeiter", fügt sie hinzu. Zuhören, erzählen - stur war niemand beim ersten Stammtisch. Paul Schulz war mit seinen 88 Jahren der Älteste in der lockeren Runde. Er stammt auch Rotterdam, wuchs zweisprachig auf und kam in Begleitung seiner Tochter Claudia aus Lübbecke. Auch Susanne Höger aus Lübbecke wuchs zweisprachig auf und nutzte die Gelegenheit, ihr Niederländisch aufzufrischen. Genauso wie der gebürtige Niederländer Henry Weustink, der seit 28 Jahren in Varlheide lebt. Oder Berendina Bruns (60) aus Lübbecke, die als Kind mit den Eltern nach Deutschland zog. "Niederländisch ist ein bisschen wie Plattdeutsch. Mein Opa konnte sich bestens mit meiner Nachbarin unterhalten. Doch für manche Wörter gibt es keine Übersetzung. Zum Beispiel der Ausdruck 'wrang' für ein unangenehmes Gefühl und einen Geschmack", so Berendina Bruns. Initiatorin Sabine Möllering-Stork war erfreut über die große Resonanz. Da sie gerne in die Niederlande zum Kururlaub fährt, möchte sie sich dort verständigen können und lernt seit 2011 Niederländisch, zuerst in der Volkshochschule, dann während drei Semester als Gasthörerin an den Universitäten Bremen und Osnabrück und im Sprachurlaub in Amsterdam. Wann das nächste Treffen stattfindet, stehe noch nicht fest, so Möllering-Stork. Aber es werde bestimmt wieder heißen: "Hartelijk welkom!" (Herzlich willkommen!) beim Niederländisch-Stammtisch. Infos unter Tel. (0 151) 552 575 85.

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