MINDEN "Politik wird mit Bildern gemacht"

Steffen Kampeter gibt nach zwölf Jahren den CDU-Kreisvorsitz ab und zieht Bilanz

VON TYLER LARKIN
Steffen Kampeter, Jahrgang 1963, ist verheiratet und Vater von drei Kindern. 1981 trat er der Jungen Union bei und war vier Jahre deren Bezirksvorsitzender in Ostwestfalen-Lippe. Seit 1990 ist er Mitglied des Deutschen Bundestags. 2009 holte Kampeter zum ersten Mal das Direktmandat im Wahlkreis Minden-Lübbecke und wurde anschließend Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. - © FOTO: TYLER LARKIN
Steffen Kampeter, Jahrgang 1963, ist verheiratet und Vater von drei Kindern. 1981 trat er der Jungen Union bei und war vier Jahre deren Bezirksvorsitzender in Ostwestfalen-Lippe. Seit 1990 ist er Mitglied des Deutschen Bundestags. 2009 holte Kampeter zum ersten Mal das Direktmandat im Wahlkreis Minden-Lübbecke und wurde anschließend Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. | © FOTO: TYLER LARKIN

Minden. Steffen Kampeter räumt auf. Nein, nicht mit seiner Vergangenheit oder politischen Rivalen – nur den Schreibtisch des CDU-Kreisvorsitzenden. Allerlei Zettel und eine Vielfliegerkarte schichtet er zu einem halbwegs geordneten Haufen zusammen. Zwölf Jahre hat er diesen Platz inne gehabt. Wenige Tage vor dem Kreisparteitag hält er ihn fast fürsorglich warm für seine designierte Nachfolgerin Kirstin Korte.

Der parlamentarische Staatssekretär in Schäubles Finanzministerium räumt am heutigen Samstag den Vorsitz der Mühlenkreis-CDU – auf eigenen Wunsch. Über die Gründe wird reichlich spekuliert. Danach gefragt, bleibt Kampeter vage. Er ist ein Alpha-Mann – gut vernetzt und immer nahe an der Macht, egal ob Minister oder Kanzlerin. "Ich bin erwachsen geworden", sagt Kampeter beim Ordnen seiner Papiere. "Und die Partei muss breit aufgestellt sein." Eine Erklärung mit viel Interpretations-Spielraum.

Ein Hinweis in der Financial Times Deutschland, Staatssekretär Kampeter sei inzwischen amtsmüde, möchte er im Keim erstickt wissen. "Ich kann nicht jeden Unsinn, der über mich geschrieben wird, dementieren", sagt er gelassen. "Ich kann aber versichern, dass mir meine Ämter weiterhin viel Freude bereiten."

Die Gebrauchsspuren an seiner Vielfliegerkarte sind Beweis dafür, dass er zumindest nicht reisemüde ist. In den vergangenen 14 Tagen war er in Washington, Brüssel, Spanien – in Berlin sowieso. Kampeter freut sich anschließend immer wieder auf sein zu Hause in Minden. "Diese Stadt entschleunigt mich und ist mir eine Kraftquelle. Ich mag den spürbaren Gegensatz zur Hauptstadt. Man muss sich schnell auf das Neue einlassen."

Kampeter möchte kein Fazit seiner Arbeit als Kreisvorsitzender ziehen – eher eine Zwischenbilanz. "Ich gehe der Partei ja nicht verloren", sagt er mit einem unergründlichen Lächeln. Kurz nach der Amtsübernahme 1999 erschütterte der Parteispendenskandal die Christdemokraten. "Das hat die Partei finanziell durcheinander gewirbelt. Aber jetzt kann ich meiner Nachfolgerin ein geordnetes Haus hinterlassen."

Kampeters gute Kontakte zeigten sich in diversen Stippvisiten bekannter Bundespolitiker. "Angela Merkel besuchte uns 1999, Helmut Kohl unterstützte den Wahlkampf 2005 in Levern." Auch der damalige Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg schaute 2009 in Hüllhorst vorbei. Doch mit der Nähe zu "K.T." ist das inzwischen so eine Sache.

Umso mehr hält Kampeter von seinem Dienstherrn Wolfgang Schäuble. "Ein Patriot und gleichzeitig Europäer im besten Sinne – der richtige Mann in unruhigen Zeiten", sagt Kampeter. Seine Tätigkeit als einer von Schäubles Staatssekretären härte ihn ab für andere Herausforderungen – einer von Kampeters seltenen Einblicken in das Berliner Tagesgeschäft.

Zu zukünftigen Herausforderungen – spekuliert wird über eine mögliche Kandidatur für den 2012 freiwerdenden Posten des Sparkassenpräsidenten – sagt Kampeter nur Unverbindliches: "Ich habe mich weder dafür beworben noch gibt es eine Anfrage. Es ist jedoch nicht unehrenhaft, mit dieser Position in Verbindung gebracht zu werden. Darüber hinaus erfüllt mich meine derzeitige Aufgabe ungemein." So sprechen Politiker, die demnächst ihre Bewerbung abschicken.

Auf dem inzwischen geordneten Schreibtisch liegt ein "I-Pad", ein Tablet-Computer der Firma Apple, dessen Gründer Steve Jobs in der Nacht zuvor an Krebs verstorben ist. Kampeter ist begeistert von den Produkten, ebenso von der Firmenphilosophie. "Das Entscheidende bei Apple ist das, was der Politik nicht immer gelingt: Sie hat ein komplexes System wie den Computer einfach gemacht – für jedermann verständlich."

Das herausragende Design der Marke schmeichle der Hand – und den Augen. Denn "Politik", sagt Kampeter, "wird mit Bildern gemacht".
      

48. CDU-Kreisparteitag in Minden

- Es gilt als sicher, dass die stellvertretende Landrätin Kirstin Korte die Nachfolge von Steffen Kampeter antritt.
- Korte wurde von einer mehrköpfigen Findungskommission vorgeschlagen. "Ich bin sehr froh über die Wahl der Person", sagt Kampeter.
- Ebenfalls gewählt werden 4 Stellvertreter und 18 Beigeordnete.
- Die Eröffnungsrede wird der CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok aus Verl halten.
- Der Kreisparteitag wird eine der letzten politischen Veranstaltungen in der Mindener Stadthalle sein, die im kommenden Jahr geschlossen wird. 

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