Die nächste Generation übernimmt: Ulf Gerhardt (Mitte) führt ab 1. Juli die Hausarztpraxis von Ulrike und Dietrich Schäfer, die sich zur Ruhe setzen. Er wohnt ebenfalls in Lübbecke – rund 500 Meter von der Praxis entfernt. - © Sandra Spieker-Beutler
Die nächste Generation übernimmt: Ulf Gerhardt (Mitte) führt ab 1. Juli die Hausarztpraxis von Ulrike und Dietrich Schäfer, die sich zur Ruhe setzen. Er wohnt ebenfalls in Lübbecke – rund 500 Meter von der Praxis entfernt. | © Sandra Spieker-Beutler

Lübbecke Ein junger Arzt für Lübbecke

Nachfolger gefunden: Ulf Gerhardt übernimmt die Hausarztpraxis von Dietrich und Ulrike Schäfer. Im NW-Exklusivgespräch erzählt er, warum für ihn schon im Studium klar war, Landarzt zu werden

Sandra Spieker-Beutler

Lübbecke. Eine Vorabendserie zeigte ihn bei seiner täglichen Arbeit im ländlichen Idyll: den Landarzt. Jederzeit bereit, Heldentaten zu vollbringen. Zu seiner Arbeit gehören auch Hausbesuche, Notdienste und eine 60-Stunden-Woche. Viele Mediziner schreckt das heute ab. Sie arbeiten lieber als Facharzt in Großstädten. Ulf Gerhardt nicht. Zum 1. Juli übernimmt er die Hausarztpraxis von Ulrike und Dietrich Schäfer. Die Räume an der Wittekindstraße mit einem Stamm von rund 1.000 Patienten sind für ihn eine „Traumpraxis". Das hört Dietrich Schäfer, der hier mehr als 30 Jahre lang zusammen mit seiner Frau Menschen aus Lübbecke und Umgebung versorgte, gern. Eine solche Nachfolgeregelung ist heute eher eine Ausnahme. „Eine glückliche Fügung" nennen es auch die Eheleute Schäfer, die zum 30. Juni in den Ruhestand gehen und an Ulf Gerhardt übergeben. „Er hat uns gefunden", so Schäfer. Doch zunächst hatte er etwas andere Wege eingeschlagen. Beim Arztbesuch der Kinder aufmerksam geworden Bei den Schäfers seien seine beiden Kinder (8 und 3 Jahre) in Behandlung gewesen, erzählt Ulf Gerhardt, und so habe er gehört, dass die beiden Mediziner einen Nachfolger suchten. Nach dem Staatsexamen 1998 arbeitete der heute 45-Jährige elf Jahre lang als Stationsarzt, machte an der Uniklinik Münster den Facharzt für Innere Medizin und in Emden den Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Anschließend war er von 2011 bis jetzt Ober- und Chefarzt an der Paracelsus-Wiehengebirgsklinik Bad Essen. Irgendwie sei er in der Klinik „hängengeblieben", obwohl er eigentlich aus einem anderen Grund Medizin studiert habe: Landarzt zu werden wie sein Großvater – und damit die Familientradition weiterzuführen. Großes Spektrum des Landarztes reizt Viele Medizinstudenten wollten, wenn sie eine Partnerin oder einen Partner gefunden hätten, in der Unistadt bleiben und nicht aufs Land. Was reizt ihn also am Beruf des Landarztes? „Das große Spektrum." Er habe sich schon immer als Generalist gesehen, sagt Gerhardt. „Und der langfristige Kontakt mit den Menschen", sagt er. Der Hausarzt begleite Patienten über einen großen Zeitraum, „manchmal mehr als 30 Jahre". Und genau das sei sein Vorteil: Die Erfahrung, die in die Diagnosen mit einfließen könnte. Angesichts von Praxisschließungen und fehlenden Nachfolgern würden die übrigen Praxen – auch in Lübbecke – kaum mehr Neupatienten aufnehmen. Die Hausarztpraxis an der Wittekindstraße, in der sieben Arzthelferinnen tätig sind, schon. „Er sollte sich jemanden dazu holen", sagt Dietrich Schäfer. Für einen zweiten Arzt – sowie zuvor – wären in der 130 Quadratmeter großen Praxis natürlich noch Räume frei. Den müsse man aber erst einmal finden. Ärztehäusern kann Ulf Gerhardt keinen großen Vorteil abgewinnen. Zwar seien die Mieten meist günstiger, aber ein solches Haus allein sei kein Garant dafür, dass die Ärzte dort besser zusammenarbeiten. Kleine chirurgische Eingriffe kommen hinzu Das Spektrum der Hausarztpraxis will Ulf Gerhardt beibehalten, dazu zählen etwa auch die Hausbesuche und die Substitutions-Patienten. Kleine chirurgische Eingriffe etwa werden noch hinzukommen. Er freut sich auf die Kennenlern-Phase mit den Patienten. „Bis man alle einmal gesehen hat, kann natürlich ein Jahr oder mehr vergehen." Auch Dietrich Schäfer blickt zufrieden zurück. „Ich würde es immer wieder so machen." Und zum Schluss räumen die beiden noch mit einem Vorurteil auf: Dass Ärzte nicht gern zum Arzt gehen, stimme nicht unbedingt. „Die meisten Dinge können wir ja selber", gibt Gerhardt schmunzelnd zu. Ansonsten vertraue man aber natürlich den Kollegen. Vertrauen stehe schließlich ganz oben bei der Arztwahl.

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