Unberechenbar: Die neue Wirtschaftspolitik der Trump?schen Administration bewerten nicht alle heimischen Unternehmen schlecht. - © Foto: Kevin Lamarque/DPA||
Unberechenbar: Die neue Wirtschaftspolitik der Trump?schen Administration bewerten nicht alle heimischen Unternehmen schlecht. | © Foto: Kevin Lamarque/DPA||

Lübbecker Land Nicht alle schimpfen über Trump: Das sagen heimische Unternehmen zu Strafzöllen und Co.

Handel: Heimische Firmen sehen die neue Wirtschaftspolitik durchaus auch positiv. Insbesondere die geringeren Unternehmenssteuern in den USA kommen an

Karsten Schulz

Lübbecker Land. Eins ist klar, wenn man die aktuelle Wirtschafts- und vor allem Handelspolitik der USA betrachtet: Es ist nichts klar. Die USA als mächtigste westliche Nation gehört zu den wichtigsten Handelspartnern der EU und damit auch Deutschlands. Doch seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump ist es vorbei mit der Verlässlichkeit. Das spüren auch die heimischen Unternehmen. Denn Firmen möchten vor allem eins: Ruhe, Sicherheit und klare wirtschaftspolitische Vorgaben in einem Land, um ihren Geschäften nachgehen zu können. Bisher gehörten die USA zu den sicheren Ländern, was jedoch spätestens seit Verhängung der Strafzölle auf Stahlprodukte und auf Aluminium vorbei sein dürfte. Auch die G7-Konferenz, die jetzt erst mit einer gemeinsamen Abschlusserklärung endete und dann vom Präsidenten Donald Trump per Twitter aus der Air Force 1 wieder zunichte gemacht wurde, lässt für die Zukunft nichts Gutes erahnen. Beunruhigung bei Stahlgroßhändler Lingemann Das lässt auch heimische Unternehmen im Lübbecker Land nicht kalt, obwohl die ganz großen Auswirkungen bisher nicht zu spüren sind. Im Gegensatz zur Politik, die bereits von einem Handelskrieg mit dem westlichen Partner spricht, bleiben die Unternehmer gelassen und abwartend. Einige können der gesamten Entwicklung sogar etwas Positives abgewinnen. Die NW befragte einige heimische Firmen zur aktuellen Lage. Beunruhigung gibt es beim alteingesessenen Stahlgroßhändler Lingemann aus Bad Oeynhausen. Geschäftsführer Mike Schrader hat die Situation im Bereich Aluminium "ganz genau im Auge". Das Unternehmen verfügt über große Lagerbestände und werde durch die Strafzölle schon getroffen. Dennoch seien konkrete Auswirkungen nicht spürbar. "Wir müssen die Märkte beobachten. Es geht allerdings nicht nur uns so, sondern der gesamten Branche". Schrader setzt sich für eine "Insellösung" in der Branche ein. In einem Schreiben an die Kunden und Partner des Hauses heißt es dort unter anderem: "Es darf erwartet werden, dass zuvor exportierte Mengen zu einem nicht unerheblichen Teil in europäische Märkte umgelenkt werden". Aktuelle Lagerbestände hätten sich in Zeiten steigender Einkaufspreise entwickelt. Fest dürfe stehen, dass sich infolge Materialzulaufes in Europa Veränderungen in den Märkten ergeben werden. Dabei sei nicht auszuschließen, dass auch ein Abwertungsbedarf der Lagerbestände entstehen könne. In diesem Fall würde bares Geld vernichtet werden, über dessen Folgen sich in viele Richtungen spekulieren lasse. Man gehe sicherlich gemeinsam mit den Kunden bewegten "Stahl-Markt-Zeiten" entgegen. Ganz anders beim heimischen, familiengeführten Global Player Harting aus Espelkamp. "Die Vereinigten Staaten sind für das Wachstum von Harting jetzt und auch in Zukunft ein sehr wichtiger Markt. Die Vorhaben des amerikanischen Präsidenten werden unsere unternehmerischen Entscheidungen hinsichtlich Investitionen in den USA beschleunigen", sagt Vorstandsvorsitzender Philip Harting im Gespräch mit der NW. Produziert wird direkt in den USA im Ort Elgin. Es gibt verschiedenste Kooperationen mit namhaften IT-Unternehmen oder Forschungs- und Bildungseinrichtungen. Die USA seien für das weitere Wachstum der Technologiegruppe von großer Bedeutung. Dazu gehöre auch die Erweiterung der Produktionsbasis in Silao (Mexiko). Das Steuerthema sei sicherlich von positiver Natur für Harting, denn hier hat Trump Steuerermäßigung für die Unternehmen angekündigt, die in den USA produzieren. Darauf weist Unternehmenssprecher Detlef Sieverdingbeck hin. Ebenfalls eher positiv sieht die Gauselmann-Gruppe die Entwicklung durch die Trump?sche Wirtschaftspolitik. Man beobachte die Wirtschafts- und Steuerpolitik der Vereinigten Staaten "sehr genau", sagt Nils Rullkötter von der Unternehmenskommunikation. Die Absenkung des Unternehmenssteuersatzes von 35 auf 21 Prozent in Verbindung mit der Tatsache, dass die USA einen der größten Wirtschaftsmärkte der Welt vorweisen können, mache weitere Investitionen deutlich attraktiver. Die Entwicklungen im Freihandel verfolge man dagegen mit kritischem Blick, da Handelsbeschränkungen die international vernetzte Wirtschaft grundsätzlich belasteten. Bisher spüre man jedoch von Seiten des Vertriebs keine Veränderungen. In den USA ist die Gauselmann-Gruppe mit einem Vertriebsstützpunkt in Miami vertreten. Von dort aus wird der Vertrieb für Nord-, Mittel- und Südamerika koordiniert. Darüber hinaus gibt es ein Entwicklungsteam in Las Vegas, das Spiele für den US-Markt entwickelt. Mit der Marke Merkur Gaming sei man seit einigen Jahren "sehr erfolgreich" in Mittel-und Südamerika tätig. Aktuell bereitet sich der Global Player darauf vor, wie man auch an der Gründung des Entwicklungsstudios in Las Vergas sieht, um auch in den USA wieder flächendeckend aktiv zu werden. »Sehen die isolationistische Politik gelassen« "Wir sehen die isolationistische Politik der Trump-Administration gelassen und erwarten keine negativen Auswirkungen für das Unternehmen. Im Moment sind für unsere Produkte keine Erhöhungen der bereits bestehenden Zollsätze durch die USA geplant oder angekündigt. Selbst wenn es zu einer Erhöhung kommen sollte, sehen wir der Situation weiterhin entspannt entgegen, da es in den USA keinen Maschinenbauer gibt, der vergleichbare Maschinen und Anlagen anbietet. Es ist auch nicht zu befürchten, dass ein lokaler Anbieter heranwächst, da die technologische Hürde einfach zu groß ist", sagt Managing Direktor Sven-David Plate von Plümat aus Espelkamp, weltweit erfolgreicher mit der Entwicklung und Herstellung von Spezialmaschinen für die Gesundheitsbranche. Plümat hat seit Jahrzehnten ein Vertriebsbüro in den USA. Natürlich werde, so Plate, in der strategischen Planung die Entwicklung des Büros regelmäßig überprüft. Die Überprüfung finde routinemäßig statt und sei losgelöst von der Regierung der USA und deren Wirtschaftspolitik zu sehen.

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