Stolperfalle: Seit Jahren heißt es in der Langen Straße für Fußgänger – Augen auf. Immer wieder stehen Pflastersteine deutlich über. - © Heike von Schulz
Stolperfalle: Seit Jahren heißt es in der Langen Straße für Fußgänger – Augen auf. Immer wieder stehen Pflastersteine deutlich über. | © Heike von Schulz

Lübbecke Dem Wackelpflaster auf der Spur

Fußgängerzone: Passanten in der Langen Straße laufen Gefahr, über überstehende Steinkanten zu stolpern. Eine erneute Untersuchung des Untergrunds soll helfen, die Schuldfrage zu klären

Frank Hartmann

Lübbecke. Auch wenn die konkrete Summe noch ungenannt ist: Es geht um viel Geld. Schon deshalb war die Stimmung angespannt, als sich am Dienstagvormittag eine Gruppe von Männern am Platz der Synagoge in der Bäckerstraße traf. Unter ihnen der wichtigste: ein vom Gericht bestellter Gutachter. Insbesondere von seinen Ausführungen hängt ab, wie der Rechtsstreit zwischen der Stadt Lübbecke, dem Planungsbüro und der Baufirma ausgehen wird, die 2009 die Pflastersteine in der für gut zwei Millionen Euro erneuerten Fußgängerzone verlegt hat. Denn von den Pflastersteinen wackeln viele und stehen über - seit Jahren. Schotterproben an belasteten und unbelasteten Stellen Die Gruppe, die auf Betreiben des Verfahrensgegners zu einer erneuten Beprobung der Bettung und der Schotterschicht unter den Pflastersteinen zusammentraf, bestand aus dem vom Gericht bestellten Gutachter, Vertretern des Baudezernats der Stadt Lübbecke und den Antragsgegnern sowie deren Anwalt. Als klar wurde, dass die Neue Westfälische das Treffen exklusiv begleitet, reagierten die Verfahrensgegner der Stadt gereizt: "Keine Fotos" und "Abstand halten" waren noch die freundlichsten Aufforderungen. Auch der Gutachter wollte weder namentlich erwähnt, noch zitiert oder gar fotografiert werden. Insgesamt sechs Stellen für die Bodenproben durften sich die Streitparteien aussuchen: drei belastete, drei unbelastete. Sie entschieden sich für zwei Standorte in der Langen Straße sowie einen im Kreuzungsbereich Lange Straße/Bäckerstraße. An allen drei Standorten wurde jeweils eine Probe aus der Straßenmitte sowie aus dem Randbereich entnommen. Denn aus dem ersten Gutachten hatten sich aus Sicht der städtischen Verfahrensgegner Nachfragen ergeben - "kein ungewöhnlicher Vorgang", urteilt die Lübbecker Bauverwaltung auf NW-Nachfrage. Das Ergebnis der ersten Beprobung an sieben Stellen ist nur den Streitparteien bekannt. Und das soll auch so bleiben: "Der Inhalt des Gutachtens bleibt bis zum Vortrag in öffentlicher Verhandlung Sache der Verfahrensbeteiligten", teilt die Verwaltung dazu mit und betont: "Das Verfahren aus Sicht der Stadt Lübbecke dient unter anderem dazu, Umfang und Form der erforderlichen Sanierung zu klären." Das diese notwendig ist, zeigen die inzwischen nahezu täglichen Einsätze der Mitarbeiter des örtlichen Bauhofs. Seit 2012 sind nach Angaben der Stadtverwaltung rund 700 einzelne Steine bearbeitet worden. Noch liegt kein konkretes Angebot einer Einigung vor Vor einigen Wochen gab es nach Darstellung der Stadt Signale der Antragsgegner in Richtung einer außergerichtlichen Einigung. "Bisher hat es ein konkretes Angebot in diesem Verfahren jedoch nicht gegeben", stellt das Baudezernat Lübbecke klar. Sollten die Antragsgegner einen solchen Schritt unternehmen, werde man das Angebot prüfen. Was eine mögliche außergerichtliche Einigung bringen würde, ist bislang genau so unklar wie der Streitwert: "Es gibt eine vorläufige Streitwertfestsetzung durch das Gericht, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht öffentlich ist", teilt die Verwaltung dazu mit. Zurückhaltend äußert sich die Bauverwaltung auch zum Zeithorizont: "Das Ende des Beweisverfahrens ist weiterhin nicht seriös absehbar." Allerdings will der Bürgermeister die Fußgängerzone schnellstmöglich in einen mangelfreien Zustand versetzt sehen.

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