Marode: Nicht gerade ein attraktives Bild gibt die Treppe zum Haupteingang der Lübbecker Stadthalle derzeit ab. Damit niemand auf den unebenen Stufen stürzt, wurde ein Bereich abgesperrt. Fotos: Heike von Schulz - © Heike von Schulz
Marode: Nicht gerade ein attraktives Bild gibt die Treppe zum Haupteingang der Lübbecker Stadthalle derzeit ab. Damit niemand auf den unebenen Stufen stürzt, wurde ein Bereich abgesperrt. Fotos: Heike von Schulz | © Heike von Schulz

Lübbecke Stadthalle Lübbecke: Eine "gute Stube", die viel kostet

Investition: Im Bauausschuss am 21. März sollen die Pläne vorgestellt werden. FDP bemängelt, dass die Stadthalle nur wenig Erlös abwerfe und hält ein Nutzungskonzept für erforderlich

Kirsten Tirre

Lübbecke. Die Lübbecker Stadthalle ist in die Jahre gekommen. "Innen sieht sie immer noch gut und präsentabel aus", sagt Rolf Kleffmann, Leiter des Dezernats Bürgerdienste, zuständig für die Betreuung der Stadthalle. In der Vergangenheit wurde in vielen Einzelmaßnahmen immer wieder in die Stadthalle investiert: in die Technik, die sanitären Anlagen, Türen oder auch laufende Brandschutzmaßnahmen. Jetzt bekommt die Stadthalle eine neue Treppe. Kosten: 200.000 Euro. Die Treppe vor dem Haupteingang ist marode und eine Dauerbaustelle. Die roten Steine sind beschädigt und die Treppe, die noch aus den 70er Jahren stammt, dadurch stellenweise uneben. Damit es nicht zu Stürzen kommt, hat die Stadt einen Teil vorsorglich abgesperrt. Im östlichen Bereich wurde die Steintreppe für 25.000 Euro durch einen Aufgang aus Beton ersetzt. Für den zentralen Eingangsbereich gibt es aber nach Auskunft von Kämmerer Dirk Raddy, in dessen Dezernat die Gebäudeunterhaltung fällt, eine andere Idee. Im Haushalt wurde eine Instandhaltungsrückstellung von 200.000 Euro für die Treppe gebildet. Ein Architekt aus Büttendorf wurde beauftragt, eine stimmige Lösung zu finden. Die Entwürfe sollen im Bauausschuss am 21. März vorgestellt werden. Aus der Politik gab es unlängst auch Kritik an den Unterhaltungskosten für die Stadthalle. Defizit von 800.000 Euro Dieter Fette (FDP) führte an, dass den geschätzten Einnahmen von 50.000 Euro 2018 ein Defizit von rund 800.000 Euro gegenüber stünde. Er forderte daher die Erstellung eines langfristigen Nutzungskonzeptes. Das sei längst überfällig. "Ein merkbarer Erlös fehlt. Es gibt leere Räume, die Küche und das Restaurant werden nicht mehr genutzt." Da gäbe es sicher Ansätze wie die Zusammenarbeit mit einem Veranstalter. Auch 2016 war die Stadthalle mit einem Minus von 804.000 ein Verlustgeschäft. Die kalkulierten Zahlen für die Jahre 2019 bis 2021 sehen nicht viel besser aus. Nach Auskunft von Dirk Raddy wird mit einem Defizit von 720.000 bis 740.000 Euro gerechnet. "Es wird grundsätzlich nicht besser", sagt er. In den Haushaltsansatz für die Unterhaltung fließen neben den Kosten für Instandhaltung, Ausstattung, Pflege der Grünanlagen und Energie auch die Personalkosten für Hallenwarte und Helfer mit ein. Raddy hatte sich bereits 2015 im Rahmen von bereichsübergreifenden Überlegungen zur Haushaltskonsolidierung dafür ausgesprochen, dass die Stadthalle nachhaltiger und effektiver betrieben werden müsste. "Es ist sicherlich nicht verkehrt, sich grundsätzlich Gedanken darüber zu machen, wo man mit der Einrichtung hin will", sagt er. Aber eine Stadthalle sei immer auch ein Zuschussgeschäft, so wie Schwimmbäder und andere Angebote im Bereich Kultur, Sport und Freizeit, die aber für die Lebensqualität wichtig seien. "Die Diskussion um die Stadthalle ist ja nicht neu" Ein Blick in die Nachbarkommune Espelkamp zeigt, dass auch hier die Unterhaltung des Bürgerhauses defizitär ist. Dabei setzt Espelkamp auf einen privaten Betreiber, der das Haus gepachtet hat und sich auch für die Gastronomie verantwortlich zeigt. Stadt und Pächter können auf ein gemeinsames Buchungssystem zurückgreifen. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Auf rund 700 Veranstaltungen im Jahr bringt es das Bürgerhaus nach Auskunft von Torsten Siemon, Leiter des Espelkamper Kulturamtes. In der Zahl befinden sich allerdings auch regelmäßige Nutzungen wie beispielsweise durch den Seniorentreffpunkt "Stövchen" an fünf Tagen die Woche, das macht alleine rund 250 Buchungen aus. In Espelkamp stehen 187.000 Euro Bewirtschaftungskosten (ohne Personalkosten) rund 115.000 Euro Einnahmen gegenüber. Rolf Kleffmann und sein Team haben sich auch durchaus Gedanken gemacht, was sich noch verbessern ließe. Die Diskussion sei ja nicht neu, sagt Kleffmann, seit 1988 für die Stadthalle zuständig. So habe die Stadt schon vor Jahren einen externen Berater hinzugezogen. Der sei aber zu dem Ergebnis gekommen, "dass das was wir hier haben und mit der Stadthalle anbieten für eine Kommune der Größenordnung Lübbeckes genau richtig ist." 391 Nutzungen im Jahr 2017 Rund zehn Wochen im Jahr hat die Stadthalle wegen Instandhaltungsarbeiten und Ferien geschlossen. Auf rund 300 Öffnungstage kamen im Jahr 2016 nach Auskunft Kleffmanns 305 Veranstaltungen. 2017 waren es sogar 391 Nutzungen. Von den 42 Wochenenden, die zur Verfügung stehen, war die Stadthalle 2017 an 39 Samstagen und 35 Sonntagen gebucht. Viel mehr gehe nicht und Anfragen gebe es schon bis 2020. Denn die Stadthalle ist Bühne vieler lokaler Akteure wie beispielsweise Kulturring, Schützen-Musik-Corps oder auch Sinfonieorchester. Rund 25 Prozent der Buchungen seien Kulturveranstaltungen, 30 Prozent Firmen- und kommerzielle Nutzungen(auswärtige Bühnen), 15 Prozent Privatnutzungen (Feiern etc.) und 30 Prozent Nutzungen von Verbänden, Vereinen und Parteien. "Unter der Woche könnten wir uns noch etwas mehr vorstellen." Als Tagungshaus beispielsweise scheide die Stadthalle aber eigentlich aus, weil kein fußläufig zu erreichendes Hotel in der Nähe sei. Zudem fehlt es der Stadthalle an der nötigen Multifunktionalität zur Mehrfachnutzung. Bei dem Versuch, noch mehr Gruppen und Vereine für die Stadthalle unter der Woche zu gewinnen, müsse auch über die moderate Preisgestaltung gesprochen werden. Wieder einen Gastronomen für die Stadthalle zu finden, der die Küche und das Restaurant betreibt, hält er für äußerst schwierig. "Wir haben schon vor Jahren erfolglos nach einem Gastronom gesucht. "Gastronomie ist ein schwieriges Geschäft." Für das Catering gibt es daher einen Vertragt mit dem "GOP" und für Veranstaltungen ohne großes Menü mit einem heimischen Wirt, Andreas Bautz. Mit dem GOP könnte sich Kleffmann auch noch eine engere Zusammenarbeit im Veranstaltungsbereich vorstellen. Die Stadthalle verfüge über einen guten Standard für Veranstaltungen von 30 bis 700 Personen, bei Partys auch mehr. Mit ihrem Kulturangebot sei die Stadthalle ein wichtiger Standortfaktor für Lübbecke. Und an Verbesserungen werde laufend gestrickt. Demnächst sollen eine Anlage mit Wechselwerbung für Veranstaltungen installiert werden und auch die Kegelbahn in der Stadthalle wurde kürzlich wiederbelebt.

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