Lehrer gesucht: Wenn sich zwei Lehrkräfte um eine Klasse kümmern können, ist das keine Selbstverständlichkeit. Aktuell gibt es bereits zu wenig Lehrer, um alle Stellen zu besetzen. Und die Situation droht sich noch weiter zu verschlechtern. - © Foto: dpa/Hendrik Schmidt||
Lehrer gesucht: Wenn sich zwei Lehrkräfte um eine Klasse kümmern können, ist das keine Selbstverständlichkeit. Aktuell gibt es bereits zu wenig Lehrer, um alle Stellen zu besetzen. Und die Situation droht sich noch weiter zu verschlechtern. | © Foto: dpa/Hendrik Schmidt||

Lübbecke Lehrermangel: Schulplaner müssen nachsitzen

Schon jetzt werden Lehrer für die Klassen eins bis vier gesucht. Betroffen ist auch die Lübbecker Grundschule Regenbogen. Auch die Rektorenstelle kann hier nicht besetzt werden

Frank Hartmann

Lübbecke. Für viele Grundschulen werden jetzt schon dringend Lehrer gesucht. In Zukunft sogar noch deutlich mehr. In einer von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichten Prognose heißt es, dass bis 2025 rund 35.000 Grundschullehrer fehlen könnten, falls nicht gegengesteuert werde. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) bezeichnet die Bertelsmann-Analyse als zutreffend; die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) nennt die Situation dramatisch. Und wie sieht es in Lübbecke aus? "Natürlich verfolgen auch wir die aktuelle Bertelsmann-Studie mit großem Interesse, und natürlich wird Lübbecke genauso wie alle anderen Kommunen von den Entwicklungen betroffen sein", sagt Rolf Kleffmann, Dezernent und Bereichsleiter Schule und Freizeit im Rathaus. Auch als Schulträger sei die Stadt allerdings nicht in die Personalplanung des Landes Nordrhein-Westfalen eingebunden. "Somit kann ich weder zur Planstellensituation oder zu konkreten Stellenbesetzungsverfahren Auskünfte geben." Das könnten das Schulamt des Kreises Minden-Lübbecke oder die Bezirksregierung Detmold. Das Kreis-Schulamt in Minden sah sich außerstande zu sagen, wie viele Planstellen für die Lübbecker Grundschulen vorgesehen und wie viele davon besetzt sind. Auch Fragen nach den Hauptgründen für Lehrermangel, warum fast ausschließlich Frauen an Grundschulen unterrichten und warum Karl-Friedrich Rahe die Grundschule Regenbogen seit Längerem kommissarisch leiten muss, blieben unbeantwortet. Kreisweit fehlen laut Statistik sechs Grundschullehrer Selbst Andreas Moseke, Sprecher der Bezirksregierung Detmold, tut sich schwer: Eine Auswertung der Schuldaten bis auf die kommunale Ebene sei "leider nicht ohne Weiteres möglich", nur Angaben zum Stellenplan für den gesamten Kreis Minden-Lübbecke: Demnach sind an den öffentlichen Grundschulen im Mühlenkreis derzeit 661,7 Stellen eingerichtet. Davon sind aktuell 655,4 Stellen durch 827 Lehrkräfte besetzt. Kreisweit beträgt die Lücke laut dieser Aussage also aktuell 6,3 Lehrerstellen an Grundschulen. Davon betroffen ist beispielsweise die Lübbecker Grundschule Regenbogen, wo Konrektor Karl-Friedrich Rahe zufolge "nur eine halbe Stelle unbesetzt" ist. In einem weiteren Punkt fällt diese Grundschule ebenfalls auf. "Für die Schulleiterstelle hat sich bisher noch niemand beworben", so Rahe gegenüber der NW, der die Regenbogenschule kommissarisch leitet. Er selbst werde sich aus Altersgründen nicht mehr bewerben, "da ich nur noch zweieinhalb Jahre im Schuldienst bin". Dass auch sonst keine weiteren Bewerbungen vorliegen, bestätigt der Sprecher der Bezirksregierung. Andreas Moseke: "Die Bezirksregierung Detmold hat die Schulleitungsstelle zwischen Dezember 2016 und Dezember 2017 dreimal ausgeschrieben. Auch die jüngste Ausschreibung hat keine Resonanz hervor gerufen." Als Gründe für den sich abzeichnenden Lehrermangel finden sich in der Bertelsmann-Prognose unter anderem diese: steigende Geburten- beziehungsweise Schülerzahlen und der Ausbau von offenen Ganztagsangeboten. Dazu Rolf Kleffmann: Laut Schulentwicklungsplanung für den Grundschulbereich in Lübbecke kann bis zum Einschulungsjahr 2023/24 die befürchtete Entwicklung nicht erkannt werden. Die Zahl der zu bildenden Eingangsklassen bleibe bis dahin "annähernd gleich". Bei den Geburten sei aber "eine deutliche Steigerung" in den Jahren 2016 (245) und 2017 (221) zu beobachten. Davor hätten die Zahlen bei rund 200 gelegen. Offener Ganztag bindet weitere Lehrerstellen Die Betreuung in einer Offenen Ganztagsschule erfolgt Kleffmann zufolge in erster Linie durch die Träger der OGS: Für die Grundschulen Im Kleinen Feld, Astrid Lindgren und Regenbogen ist das die Parität für Kinder e.V., für den Grundschulverbund Gehlenbeck-Nettelstedt der evangelische Kirchenkreis Lübbecke und für die Grundschule Blasheim die Arbeiterwohlfahrt. Lehrkräfte der Grundschule sind zum Teil aber auch gefordert: "Je 25 Kinder in der OGS werden 0,2 Lehrerstellen angerechnet, wovon dann wiederum 0,1 Stellen in Zuschussmittel des Landes umgewandelt werden", so Kleffmann. Im Ergebnis würden also bei 400 Teilnehmern in der OGS 1,6 Lehrerstellen "gebunden". Unabhängig von der Stellenbesetzung fällt auf, dass in Lübbecke und anderswo fast nur Frauen als Grundschullehrer arbeiten. Von den genannten 827 Lehrkräften im Mühlenkreis sind 755 Frauen - das entspricht einem Anteil von mehr als 91 Prozent. Zu den Gründen macht die Bezirksregierung keine Angaben.Von Dezernent Rolf Kleffmann heißt es dazu immerhin: "Das zu beobachtende Missverhältnis zwischen den Geschlechtern bei Grundschullehrern ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, also keine spezielle Lübbecker Situation."

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