Verurteilt: Der Mann, der eine Spielhalle überfallen hat, musste sich vor dem Bielfelder Landgericht verantworten. - © BIELEFELD
Verurteilt: Der Mann, der eine Spielhalle überfallen hat, musste sich vor dem Bielfelder Landgericht verantworten. | © BIELEFELD

Lübbecke/Hüllhorst Spielhallen-Überfall: Lübbecker zu Freiheitsstrafe verurteilt

Prozess: 35-jähriger Täter aus Lübbecke büßt Tat mit vier Jahren Freiheitsentzug

Nils Middelhauve

Hüllhorst/Lübbecke/Bielefeld. „Vor der Tat ging es mir körperlich nicht gut und ich brauchte Geld", berichtete Peter L. (35; Namen aller Betroffenen geändert) in der Verhandlung. Der drogenabhängige Mann aus Lübbecke räumte gestern vor dem Bielefelder Landgericht ein, vor knapp drei Jahren eine Spielhalle in Hüllhorst überfallen zu haben. Mit Messer gedroht Am 20. Februar 2015 betrat gegen 23 Uhr ein schwarz gekleideter Mann eine an der Hauptstraße in Hüllhorst gelegene Spielhalle. Die Kapuze hatte er weit ins Gesicht gezogen, die Mundpartie mit einem Strickschal bedeckt. Bei dem Mann handelte es sich um Peter L., der sich seit gestern wegen des Verdachts der räuberischen Erpressung vor dem Bielefelder Landgericht verantworten muss. An jenem Abend ging L. geradewegs auf den Kassenbereich der Spielhalle zu und herrschte die dort arbeitende Veronika F. an: „Geld her oder ich komme rüber!" Dabei hielt er drohend ein Messer (Klingenlänge: 25 Zentimeter) in einer Hand. Die verängstigte Frau nahm den Stoffbeutel, den L. ihr entgegen hielt und stopfte rund 500 Euro in die Tasche. Peter L. floh sodann in Richtung Lienenkamp vom Tatort. In der Verhandlung vor der II. Großen Strafkammer des Bielefelder Landgerichts legte L. ein umfassendes Geständnis ab. Grund für die Tat sei, so der Angeklagte, seine aus seiner Drogenabhängigkeit resultierende Geldnot gewesen. „Seine Drogenkarriere war der Anfang von diesem Ende", ergänzte Verteidiger Martin Lindemann namens seines Mandanten. Bei dem Überfall habe es sich jedoch nicht um einen von langer Hand geplanten Coup, sondern um eine „relativ spontane" Tat gehandelt, so Lindemann. Vor Freiheitsstrafe: Entziehungsanstalt „Mit 14 habe ich angefangen, Cannabis zu rauchen", berichtete Peter L. vor Gericht. Im Alter von 21 Jahren sei schließlich auch Heroin hinzugekommen. Zwar habe er für die Dauer von sieben Jahren zwischenzeitlich drogenfrei gelebt, sei nach einem schweren Autounfall jedoch wieder rückfällig geworden. „Ich wollte mir nicht eingestehen, dass ich wieder abhängig bin. Wenn ich jetzt die Anklage lese, kommen mir Bilder der Tat wieder vor Augen. Aber irgendwie erscheinen sie nicht real." Das Gericht ging wegen der Drogensucht des Angeklagten von einer verminderten Steuerungsfähigkeit aus und verurteilte den 35-Jährigen zu einer vierjährigen Freiheitsstrafe. Vorweg wurde die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet, die auf die Strafe angerechnet wird.

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