Digital-Stratege: Frank Müller, Ravensberger Matratzen. - © Angelina Kuhlmann
Digital-Stratege: Frank Müller, Ravensberger Matratzen. | © Angelina Kuhlmann

Lübbecke Fitzebohnen-Essen: Digitalisierung wichtig für Wirtschaft

Zum 31. Mal folgten Vertreter aus allen gesellschaftlichen Bereichen der Einladung des Gehlenbecker Vereins. Referenten verdeutlichten die große Bedeutung der Digitalisierung und des Online-Handels für die Wirtschaft

Frank Hartmann

Lübbecke. 165 persönliche Einladungen hatte der Gehlenbecker Verein zum 31. Fitzebohnen-Essen verschickt. Und doch blieben am Mittwochabend einige Plätze frei - zumeist aus Krankheitsgründen, wie der Vereinsvorsitzende Gerhard Bösch - selbst etwas heiser - während der Begrüßung erklärte. Zugleich machte Bösch deutlich, warum der Verein die Veranstaltung nach Gasthaus Blase und Stadthalle weiterhin in Barres Brauwelt ausrichten möchte: "Wir fühlen uns hier ausgesprochen wohl." Online-Handel und Digitalisierung Bevor die Gäste gegen 19.45 Uhr zu Messer, Gabel und Löffel griffen, um sich dem Fitzebohneneintopf plus Fleischbeilagen zu widmen, befassten sich drei Referenten mit den Themen Internet, Digitalisierung und Online-Handel. Den Anfang machte Lübbeckes Wirtschaftsförderer Claus Buschmann, der seine Arbeit vorstellte und von einem Netzwerk der örtlichen Internet-Händler berichtete, deren Treffen stets bereichernd seien. Konkreter wurde Tobias Eismann von der Metacrew Group Osnabrück-Berlin. Er sei seit 1999 Digital-Unternehmer und werde sich auf die Business-Sicht konzentrieren, versprach Eismann und nannte einige erstaunliche Fakten. So sagte er beispielsweise: "Zehn Millionen Senioren in Deutschland haben noch nie das Internet genutzt, obwohl es Alltag ist" und sich durch die Digitalisierung "dramatische Veränderungen in unglaublicher Veränderung ergeben". Auf der anderen Seite stünden die Smartphone-Nutzer, die 170 Mal am Tag online gingen. "Überlebt das eigene Geschäftsmodell?" Seine Empfehlung an die Unternehmer unter den Gästen hatte Eismann in acht Fragen zusammengefasst. Diese reichten von "Ist mein Geschäftsmodell in fünf Jahren noch überlebensfähig?" über "Welche Trends beeinflussen den Markt, in dem ich mich bewege?" bis "Habe ich die richtigen Mitarbeiter und die richtige Organisationsform?" Tagesaktuell war das Statement des Referenten, als er auf ein bekannt gewordenes Detail des Koalitionsvertrages von Union und SPD einging. Darin sei von einem Recht auf schnelles Internet bis 2025 die Rede: "Das sind acht Jahre", kommentierte Eismann kritisch die aus Sicht des Online-Handels sehr lange Wartezeit. Ein Pionier: Ravensberger Es war ein perfekter Übergang zum Hauptredner und Mit-Gastgeber des Abends: Frank Müller, seit August 2017 neben Katja Brockmeier und Frank Bollhorst Geschäftsführer der Ravensberger Matratzen aus Espelkamp. Seinen Vorgänger Dieter Wüllner bezeichnete Müller als "Pionier", weil dieser den Vertrieb der Schlafsysteme bereits sehr früh auf Online ausgerichtet habe. Wüllner habe bereits vor 15 Jahren die Bedeutung des Internets als Vertriebsweg erkannt und für das Unternehmen mit einem Mix aus Internethandel und Alter Schule, sprich: stationärem Handel, "das Beste aus beiden Welten" zusammengebracht. Viele Unternehmer, gerade auch Mittelständler, haben Müller zufolge den Veränderungsprozess unterschätzt "und sind vom Markt verschwunden". Dabei biete gerade der Online-Handel sehr gute, neue Möglichkeiten, und "ein Ende der Dynamik ist nicht in Sicht". Wie positiv sich im Gegensatz dazu Ravensberger Matratzen entwickelt hat, verdeutlichte Müller anhand einiger Jahres- und Umsatzzahlen. Bei Gründung des Unternehmens im Jahr 2004 habe der Jahresumsatz gerade bei 500.000 Euro gelegen und sei bis 2016 auf mehr als 22 Millionen Euro gestiegen. Wichtige Kanäle Maßgeblich dazu beigetragen haben laut Müller Online-Kanäle wie Amazon, Ebay, Karstadt.de sowie der eigene Online-Shop, den Vorredner Tobias Eismann 2016 überarbeitet habe: "Sonst wären wir nicht mehr da." Zugleich warnte er davor, sich allzu abhängig von Amazon zu machen, sonst könne "die Existenz über Nacht zerstört" werden. Für Ravensberger ist der Weg aber noch nicht zu Ende. Einer Dependance in den Niederlanden seit vergangenem Jahr sollen bis 2019 weitere folgen: In Belgien, Luxemburg, Spanien, Österreich, Schweiz, Polen - und in den USA.

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