Packend: Der Dresdener Krimiautor Frank Goldammer las aus seinem Roman "Tausend Teufel". - © Foto: Imme Lohmeyer-Lorek
Packend: Der Dresdener Krimiautor Frank Goldammer las aus seinem Roman "Tausend Teufel". | © Foto: Imme Lohmeyer-Lorek

Lübbecke Spannung: Frank Goldammer eröffnet die Lübbecker Krimitage

Autor liest aus seinem neuesten Roman "Tausend Teufel". Sechs weitere Lesungen folgen.

Imme Lohmeyer-Lorek

Lübbecke. Lübbecke liebt Krimis. Der eindeutige Beweis dafür liegt auf der Hand, denn die Lübbecker Krimitage gehen in diesem Jahr in die dritte Runde. Zur Eröffnungsveranstaltung, die erste von sieben Lesungen, begrüßte Andreas Ölschläger die Zuhörer in der Bücherstube. Die Krimitage "Mord am Wiehen" seien einerseits natürlich für Krimifans gedacht, andererseits aber auch für Leute, die es noch werden könnten. Einer der aufstrebenden Krimiautoren der Gegenwart las vor einem interessierten Publikum: Frank Goldammer. Aus seinem zweiten historischen Kriminalroman "Tausend Teufel" gab er einige Kostproben. Lesung in breitem Sächsisch Der Dresdener Autor kam sehr leger daher im kurzärmligen T-Shirt, das den Blick auf tätowierte Arme freigab. Das freie Erzählen in seinem breiten Sächsisch lag ihm im Blut, daher war die Zeit des Lesens eindeutig kürzer. So plauderte der gelernte Maler und Lackierer über seine Vergangenheit und sein Leben in Dresden. Bereits mit 20 sei er zum Schreiben gekommen, arbeite aber noch immer im Familienunternehmen. Für seinen ersten Roman "Der Angstmann", in dem er die Bombardierung Dresdens eindrücklich schilderte, habe er gute Rezensionen erhalten, so Goldammer. In seinem Erzählrausch kam er auf die historischen Hintergründe von "Tausend Teufel" zu sprechen. Auf den Tag genau vor 75 Jahren spiele die Handlung, bei der Inspektor Max Heller eine Leiche in der Dresdener Neustadt zu identifizieren hatte. Über beißende Kälte, Hungersnot, Mord sprach der Autor so lebendig, als ob er die Zeit mit erlebt hätte. Ein Ergebnis gründlicher Recherchen und glühenden Interesses, das wohl auch darin begründet lag, das sein Großonkel einen Großteil der Information für den Roman geliefert hatte. Goldammer verlieh dem Grauen ein Gesicht. Den abgetrennten Kopf der Leiche, der in einem Rucksack gefunden wurde, schilderte er so plastisch, dass sich kein Zuhörer dem Ekel entziehen konnte. Zuhörer bekamen lebhaften Einblick in die Charaktere Seine Figuren waren lebensnah. Er bediente sich des Inneren Monologs, einer modernen Erzählweise, die Einblicke in die Gedankenwelt der Charaktere gibt, so dass die Zuhörer die Motivation der Figuren leicht erfassen konnten. Goldammer arbeitete darüber hinaus viel mit gegensätzlichen Stimmungen. Der junge Heinz Seipling, der Heller über die Kneipe "Schwarzer Peter" erzählte und schließlich den Kopf der Leiche identifizierte, bot Heller zwischendrin eingeweckte Erdbeeren an. Mörderischer Kriegsalltag und Essensgenuss wurden also verquickt und steigerten so die Stimmung einer Darstellung des gebeutelten Dresden im Jahr 1943. Nicht minder stimmungsaufgeladen war die Schilderung der Vermieterin Marquart, die Heller im Nebenzimmer furchtbar husten hörte und die Angst vor dem Sterben hatte. Gerade die Mischung aus freiem Erzählen und Lesung machte den Abend sehr reizvoll und hielt die Zuhörer bis zur letzten Minute gefangen, bevor sie begeistert applaudierten.

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