Begeistern sich für Bücher: Kinderarzt Wolfgang Adam (r.), Andreas Winkelmann (Rotary Club (2. v. l.) sowie Pädagogen und Lesepaten verschiedener Schulen und Schüler der Stadtschule. - © Kirsten Tirre
Begeistern sich für Bücher: Kinderarzt Wolfgang Adam (r.), Andreas Winkelmann (Rotary Club (2. v. l.) sowie Pädagogen und Lesepaten verschiedener Schulen und Schüler der Stadtschule. | © Kirsten Tirre

Lübbecker Land Leseförderung soll im Lübbecker Land großgeschrieben werden

Gute Idee: An der Stadtschule Lübbecke fiel gestern der Startschuss für ein Bildungsprojekt. Im gesamten Altkreis Lübbecke werden Lesepaten gesucht, die Vorschul- und Schulkinder im Bereich Sprache unterstützen. Rotary Club Lübbecke übernimmt den finanziellen Part

Kirsten Tirre

Lübbecker Land. "Lesen bildet", heißt es bekanntlich. Doch immer mehr Kinder in Deutschland können beim Verlassen der Grundschule nicht richtig lesen. Besonders betroffen sind Kinder aus sozial schwächeren Familien, die dadurch schlechtere Bildung- und Berufschancen haben. Hier setzt ein Projekt an, das der Rahdener Kinder- und Jugendarzt Wolfgang Adam mit dem Rotary Club Lübbecke auf den Weg gebracht hat. Das sieht Leseförderung durch ehrenamtliche Lesepaten im gesamten Altkreis Lübbecke vor. Im Rahdener Raum sind bereits seit vielen Jahren Lesepaten an Schulen und Kindergärten über den Präventionsrat Rahden aktiv. Zu dem gehört auch Adam. Während der Früherkennungsuntersuchungen seien ihm seit längerer Zeit immer mehr die gravierenden Leistungsunterschiede im Sprachbereich bei den Vorschul- und Schulkindern aufgefallen. Beobachtungen, die die Neuauflage der internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) 2016 bestätigt. Seit 2001 ist der Anteil der Viertklässler mit nur rudimentären Lesefähigkeiten von 16,9 Prozent auf 18,9 Prozent gestiegen. Politik in der Pflicht Wolfgang Adam sieht die Politik in der Pflicht, mehr in die Schulen zu investieren und Klassen generell mit zwei Lehrern auszustatten. Denn bei wachsenden Aufgaben durch Inklusion und Integration seien die Schulen aufgrund fehlender personeller Ressourcen überfordert. In den Metropolen noch stärker als im ländlichen Raum. Zudem werde in Elternhäusern weniger vorgelesen. Der Kinderarzt ist Realist genug, um zu wissen, dass sich in puncto Ausstattung der Schulen kurzfristig nicht viel ändern wird. "Aber auch viele gebildete Menschen können das Land unterstützen" , sagt Adam, und so für mehr Bildungsgerechtigkeit sorgen. Deshalb schlug er dem Präsidenten des Rotary Clubs Lübbecke, Andreas Winkelmann, die Leseförderung durch Lesepaten vor, als dieser nach einem sozialen Projekt suchte. Denn traditionell spenden die Rotarier immer den Erlös aus dem Benefizkonzert "Solista" für einen guten Zweck. Andreas Winkelmann zeigte sich von der Idee, altkreisweit Lesepatenschaften zu forcieren, begeistert. An vielen Schulen gibt es bereits Patenschaften. An der Stadtschule Lübbecke beispielsweise, an der Grundschule Pr. Oldendorf oder auch im Grundschulverbund Gehlenbeck-Nettelstedt. Älteste Lesepatin ist 88 Jahre alt In Rahden sind Lesepaten seit vielen Jahren über den Präventionsrat aktiv. "Die älteste Lesepatin ist 88 Jahre alt", erzählt Helga Filbert, Mitglied im Präventionsrat. Lesepate könne jeder werden, der Freude am Lesen und Spaß am Umgang mit Kindern hat. Ein- bis zweimal die Woche kommen die Lesepaten in Absprache mit den Lehrern in die Schule, lesen etwas vor oder arbeiten gemeinsam mit dem Kind an einem Buch. Dank der finanziellen Hilfe durch den Rotary Club konnte beispielsweise in Gehlenbeck eine Bücherbox mit ausgewählter Literatur und Lernmaterialien angeschafft werden, auf die die Paten zurückgreifen können. Dabei sollen die Kinder in ganz entspannter Atmosphäre und ohne Leistungsdruck erfahren, das Lesen spannend, witzig und abenteuerlich sein kann. Wie gut das Prinzip funktioniert, berichtete gestern bei der Pressekonferenz in der Stadtschule Lübbecke Helga Filbert, die in Rahden-Tonnenheide auch Lesepatin ist. Ein Viertklässler, der anfangs keinen Spaß an Büchern hatte, wünschte sich am Ende des Schuljahres ein Harry-Potter-Buch. "Die Kinder erfahren, dass es ein Genuss sein kann, etwas vorgelesen zu bekommen", sagt Silke Gillar Schulleiterin in Gehlenbeck. Und die Lesepatenschaften sind häufig nicht nur Hilfe zum Lesen, sondern auch Hilfe zum Leben. Durch die persönliche Zuwendung erfahre das Kind eine Wertschätzung, die dem Aufbau des Selbstwertgefühls zugutekomme. "Wenn es an jeder Grundschule drei bis vier Lesepaten gibt, dann bin ich schon zufrieden", so Kinderarzt Wolfgang Adam. Für Interessierte findet am Samstag, 10. Februar, von 9.30 Uhr bis 13 Uhr in der Stadtbücherei Rahden eine unentgeltliche Lesepatenschulung statt. Anmeldung unter: Stadtbücherei Rahden, Tel. (0 57 71) 69 46; Helga Filbert, Tel. (0 57 75) 15 13 oder Wolfgang Adam, Mobil 01 71 47 02 27 6 oder unter www.praeventionsrat-rahden.de

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