Kritischer Blick: Eberhard Reis (58) ist einer von zwei Mitarbeitern des Bielefelder Sicherheitsunternehmens "Be Sure", die verschiedene Objekte in Lübbecke im Auge behalten. Dazu zählen auch die städtischen Stellplätze wie hier im Parkhaus West. - © Frank Hartmann
Kritischer Blick: Eberhard Reis (58) ist einer von zwei Mitarbeitern des Bielefelder Sicherheitsunternehmens "Be Sure", die verschiedene Objekte in Lübbecke im Auge behalten. Dazu zählen auch die städtischen Stellplätze wie hier im Parkhaus West. | © Frank Hartmann

Lübbecke WBL will gegen Vandalismus in Lübbecker Parkhäusern vorgehen

Vandalismusschäden: Die Wirtschaftsbetriebe Lübbecke planen die Überwachung der Tiefgarage mit Kameras und den verstärkten Einsatz von Sicherheitsleuten - zum Beispiel während des Bierbrunnenfestes.

Frank Hartmann

Lübbecke. Parkhaus West, 19 Uhr. Eberhard Reis, Mitarbeiter des Bielefelder Sicherheitsdienstes "Be Sure" ("Sei sicher") reibt sich die klammen Finger. Hinter ihm liegt die letzte Patrouillenfahrt für heute. Im Parkhaus West ist der 58-Jährige vor einer Stunde gestartet, hat zu Fuß alle Etagen abgeschritten und überall nach dem Rechten gesehen. Dann setzt er sich in den Dienstwagen und steuert die nächsten Ziele an: den Parkplatz am Gänsemarkt, das Parkhaus Ost, die Tiefgarage am Markt und den Parkplatz Königsmühle. Seine letzte Station, bevor er den Dienstwagen und das Diensthandy seinem Kollegen Stefan Schulz im Parkhaus West für die Nachtschicht übergibt, ist der Parkplatz am Weingarten. Seit sechs Jahren arbeitet der Lübbecker Reis für den Sicherheitsdienst, und es gibt wenig, das er bei seinen Kontrollgängen in den Lübbecker Parkhäusern noch nicht gesehen hat: Schmierereien an den Wänden, leere Bierflaschen auf Mauern, vermüllte Ecken, eine gebrauchte Heroinspritze, ein Kondom im Kassenautomat, menschliche Notdurft im Treppenhaus. Noch mehr ärgert er sich über die Spuren von Zerstörung, über zerbrochene Schranken, abgeschlagene Deckenlampen, zertrümmerte Urinale, abgerissene Feuerlöscher, verbrannte Absperrketten aus Kunststoff. 5.000 Euro Schaden allein rund um das Oktoberfest Im zweiten Halbjahr 2017 hätten die Vandalismusschäden in Lübbecke "extrem zugenommen", sagt Reis? Chef, Be-Sure-Geschäftsführer Kai Deliomini. So sehr, dass Frank Meyer, Leiter der Polizeiwache Lübbecke, und seine Kollegen unter anderem in der Tiefgarage am Markt mehr Präsenz zeigten. Obwohl auch das Parkhaus West betroffen ist - dort kippten Unbekannte beispielsweise 2016 den Inhalt einer Streusalzbox über einem geparkten Pkw aus -, spielen sich die meisten Vorfälle im Parkhaus Ost und in der Tiefgarage ab, sagt Dirk Raddy. Der Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe Lübbecke denkt schon eine ganze Weile darüber nach, wie die Sicherheit in den Parkhäusern und in der Tiefgarage sich verbessern lässt. 5.000 Euro Schaden allein rund um das Oktoberfest im vergangenen Jahr sind einfach zu viel. Auch wenn es sich bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die in Verdacht stehen, Raddy zufolge wahrscheinlich um "Gelegenheits-Täter" handelt, will er mit Zustimmung der WBL-Gesellschafterversammlung in diesem Jahr einiges ändern. Denn: "Wir haben regelmäßig Vandalismusschäden." Doppelbesetzung möglich Informiert hat er das Aufsichtsgremium bereits darüber, dass während der Kneipennacht des Bierbrunnenfestes und des Oktoberfestes durchgehend zwei Sicherheitsleute kontrollieren sollen. Zur Zeit haben Eberhard Reis und sein Kollege jeweils zwölf Stunden Bereitschaft, sind aber allein unterwegs und auch nicht ununterbrochen. "In Doppelbesetzung könnten wir uns länger als sonst in einem Objekt aufhalten", sagt Reis. Dann würde er vielleicht mal einen der potenziellen Täter erwischen, die sich bislang nach Aufforderung zwar kurz entfernen, aber sofort wieder da sind, sobald Reis weiterfährt. Doch Raddys Pläne gehen noch weiter: "Überwachungskameras und Notrufmelder sind im WBL-Etat für dieses Jahr bereits enthalten" sagt er. Am liebsten würde er auch die Einfahrt des Parkhauses Ost mit Rolltoren sichern und Türen installieren lassen, die sich nur mit Berechtigungskarte öffnen lassen. 17 junge Leute auf einmal des (Park-)Hauses verwiesen Dem ehemaligen Berufssoldaten und kampfsporterprobten Eberhard Reis und seinem Kollegen käme das entgegen, dann hätten Verdächtige weniger Zugangs-, aber auch weniger Fluchtmöglichkeiten. Stellen die Sicherheitsleute jemanden, müssen sie die Polizei rufen, denn Personalien aufnehmen dürfen sie nicht. "Leider", bedauert Reis, der noch nie in Handgreiflichkeiten verwickelt wurde und sich gern daran erinnert, wie die Polizei 17 junge Leute auf einmal "des Hauses verwiesen" hat, wie Raddy es formuliert. Zum Weihnachtsmarkt in diesem Jahr möchte der WBL-Geschäftsführer eine weitere Änderung ausprobieren. Da die Toiletten am Parkhaus Ost 2017 "verstopft und versaut" gewesen seien, soll dieses Mal durchgängig ein Toilettendienst anwesend sein - auch, wenn dafür ein "kleines Entgelt" von den Benutzern verlangt werden müsse. Autobesitzer sind vom Betreiber nicht versichert Gestern saßen Vertreter von Polizei, Be Sure, Ordnungsamt und WBL erstmals zusammen an einem runden Tisch, um sich kennenzulernen. Und um die verstärkten Kontrollen von Sicherheitsdienst und Polizei, vor allem in der Tiefgarage, aufeinander abzustimmen. Wer sich unberechtigt in den Parkhäusern aufhalte, "wird des Platzes verwiesen", kündigt Raddy an. An einer Tatsache wird sich trotz aller geplanten Neuerungen in diesem Jahr aber nichts ändern: "Alle Parkangebote der WBL zählen zum öffentlichen Verkehrsraum", sagt Raddy. Das heißt, die Autobesitzer müssen für zerstochene Reifen, Blech- und andere Schäden an ihren Fahrzeugen weiterhin selbst aufkommen beziehungsweise ihre eigene Versicherung einschalten.

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