Viel drin im Inneren eines Feuerwehrautos - und deutlich mehr als "nur" Löschwasser. - © Jan Ahlers
Viel drin im Inneren eines Feuerwehrautos - und deutlich mehr als "nur" Löschwasser. | © Jan Ahlers

Lübbecke Feuerwehr-Serie (5): Im Tanklöschfahrzeug ist mehr als viel Wasser

Jan Ahlers

Feuerwehrmitglied Andreas Habbe kennt sich bestens mit dem Innen- und Außenleben seiner Einsatzautos aus. „Das hier ist ein Tanklöschfahrzeug", sagt er und deutet zunächst auf das Blaulicht. Es würde immer mit Sirene und Signallicht gefahren werden, ansonsten sei die Fahrt nicht abgesichert. Zwei Blaulichter auf dem Fahrzeug und zwei sogenannte „Wegräumer" an den Scheinwerfern signalisieren allen Verkehrsteilnehmern, schnell Platz zu machen. Die Lautstärke kann nicht beliebig verstellt werden, allerdings gibt es einen Stadt- sowie Landmodus mit jeweils unterschiedlichen Tonfrequenzen. Während der Einsatzfahrt sitzt der Leiter auf dem Beifahrerplatz, während der Fahrer in der Regel Maschinist ist und die Einsatzstelle absichert sowie den Löschvorgang und den Betrieb des Notstromaggregates in die Wege leitet. Insgesamt vier weitere Plätze gibt es im hinteren Teil des Fahrzeugs, in dem zudem zwei Pressluftatmer verbaut sind. Einsatzkräfte können diese während der Fahrt anlegen und damit vor Ort in verrauchten Gebäuden nach Personen suchen. 4000 Liter Wasser sind stetig dabei Was benötigt ein Löschfahrzeug noch? Richtig, Wasser. Viel Wasser. „4000 Liter führen wir kontinuierlich mit", sagt Habbe. Das klingt zunächst nach nicht viel. „Aber für den normalen Wohnungsbrand reicht es." Ist abzusehen, dass mehr Wasser erforderlich ist, werden Löschfahrzeuge nachgeordert und die nächsten Hydranten gesucht. In der Nähe von Gewässern kann mit einer sogenannten Feuerlöschkreiselpumpe, die fest verbaut ist, direkt Löschwasser gezogen werden. An diese werden zur Verteilung Saugschläuche angeschlossen. Gelöscht wird jedoch nicht nur mit Wasser. Für besonders heiße Brände stehen zusätzliche Schaumlöscher bereit, auch Spezialmittel etwa für Fettbrände werden stets mitgeführt. Ist es nicht möglich, bis zum Brand vorzudringen, kann mit einem sogenannten Löschnagel vorgegangen werden. Dieser wird durch Türen, Wände oder das Dach gebohrt, ehe anschließend durch die Spitze feiner Sprühnebel im Raum verteilt wird. „Das senkt die Temperatur", erklärt Habbe.„Viele Leute können nicht mehr auf Leitern klettern" Die Ausrüstung eines Wagens umfasst weiterhin verschiedene Druckschläuche sowie Strahl- und Standrohre plus Verteiler. Im Dunkeln treibt das Notstromaggregat eigenes Beleuchtungsmaterial an, ein Elektrolüfter kann stark verrauchte Gebäude von außen belüften und die Gefahr von Rauchvergiftungen reduzieren. „Dort, wo lange Wegstrecken zu überwinden sind, ist der Lüfter besonders wichtig", sagt Habbe. Dazu würden Krankenhäuser oder Seniorenheime zählen.Das Löschen ist das eine – die Personenrettung das andere. Dafür befindet sich auf dem Löschfahrzeug eine vierteilige Steckleiter, „mit der wir Personen bis zum zweiten Obergeschoss retten können", sagt Habbe. An exponierteren Orten benötigt es entweder den neuen, im ausgefahrenen Zustand 30 Meter hohen Leiterwagen oder im Notfall das Sprungpolster. Was Habbe ein wenig verdrossen macht: „Viele Leute können heutzutage nicht mehr Leitern steigen. Das müssen wir bei zeitkritischen Einsätzen immer wieder feststellen."

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