„Kundenbetreuungskonzepte anpassen": Die Sparkasse Minden-Lübbecke dünnt aufgrund des demografischen Wandelns und dem zunehmenden Online-Banking ihr Filialnetz aus. Die Lübbecker Niederlassung an der Osnabrücker Straße bleibt erhalten. - © Tyler Larkin
„Kundenbetreuungskonzepte anpassen": Die Sparkasse Minden-Lübbecke dünnt aufgrund des demografischen Wandelns und dem zunehmenden Online-Banking ihr Filialnetz aus. Die Lübbecker Niederlassung an der Osnabrücker Straße bleibt erhalten. | © Tyler Larkin

Lübbecker Land Bürger bedauern Sparkassen-Schließung

Der Wegfall von fast der Hälfte der Geschäftsstellen löst im Lübbecker Land großes Bedauern aus. Wegen der geänderten Öffnungszeiten jetzt gebe es schon „lange Wartezeiten“

Kirsten Tirre
Frank Hartmann

Sandra Spieker-Beutler

Lübbecker Land. Dass die Sparkasse Minden-Lübbecke knapp die Hälfte ihrer Filialen schließt (die NW berichtete), stößt vielfach auf Unverständnis: „Schockiert und traurig" zeigt sich der Nettelstedter Ortsvorsteher Hartmut Ende. Seit die Filiale nur zwei Mal wöchentlich geöffnet habe, gebe es „Unmut wegen der langen Wartezeiten". Jetzt, wo nur noch ein Selbstbedienungsschalter bleiben soll, erhalte er Protestanrufe von Kunden selbst aus Nachbarorten wie Eickhorst und Unterlübbe. In Alswede fehlten ohnehin Geschäfte: „Die Kinder können sich hier nicht mal ein Eis kaufen", so der stellvertretende Vorsitzende der Dorfgemeinschaft, Klaus Torno. Die Schließung der Filiale bedeute einen „weiteren Verlust" für die Attraktivität des Ortes. Seit die Sparkasse 2014 ihre Öffnungszeiten auf zwei Tage pro Woche reduziert hat, ist Torno Kunde der Volksbank. Schmerzlich ist der Verlust auch in Börninghausen. Nach der Schule in dem 2.200-Einwohner-Ort schließt hier auch die Sparkasse ihren SB-Schalter. Die personell besetzte Geschäftsstelle war schon 2003 weggefallen, nachdem sie mehrfach überfallen worden war. „Es ist sehr bedauerlich, dass sich wieder eine öffentliche Einrichtung aus dem Dorf zurückzieht. Wir werden in der kommenden Woche mit Vertretern der Sparkasse sprechen. Vielleicht gibt es ja doch noch eine Option, die Filiale im Tal zu halten", sagt Matthias Wessel von der Dorfgemeinschaft „Wir im Eggetal". „Außerdem möchten wir gerne wissen, was im Falle einer endgültigen Schließung mit dem Gebäude geschehen soll. Schließlich stehen dort auf dem Grundstück die Holzfiguren, die wir 2013 im Rahmen des Dorfkonzeptes aufgestellt haben. Vielleicht bietet sich ja die Möglichkeit, hier einen zentralen Dorftreffpunkt zu installieren", sagt Wessel. Auch in Oberbauerschaft gibt es Unmut: „Wir bedauern es sehr, dass sich die Sparkasse aus Oberbauerschaft zurückzieht", sagt Günter Obermeier, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft. Insbesondere für die älteren Menschen am Ort, die nicht mobil sind, sei das sehr schade. Der Hüllhorster Ortsteil Oberbauerschaft zählt um die 3.000 Einwohner. Rund 600 Menschen sind über 60 Jahre alt, 371 davon sogar über 70 Jahre. Besonders überrascht habe ihn die Entscheidung der Sparkasse Minden-Lübbecke, nicht einmal mehr einen SB-Schalter wie in Schnathorst anzubieten. Wer Geld abheben möchte, muss künftig entweder nach Lübbecke oder nach Hüllhorst fahren. Ein Problem für Menschen, die nicht mobil sind. Denn in Richtung Hüllhorst beispielsweise gibt es keine direkte Busverbindung. Die Sparkasse hatte ihre Beratungszeiten in Oberbauerschaft bereits auf zwei Tage reduziert. „Da war aber immer viel Kundenandrang", so Obermeier. Er geht davon aus, dass die Entscheidung der Sparkasse, sich aus Oberbauerschaft zurückzuziehen, zu einem Strukturwandel führen wird. „Wir haben das große Glück, dass wir mit der Filiale der Volksbank Schnathorst noch ein Geldinstitut vor Ort haben und das bekennt sich zur Regionalität. Wer keine langen Wege machen möchte, hat noch eine Alternative." Dass das Gebäude der Sparkasse Minden-Lübbecke nach der Schließung zum 30. September lange leer stehen bleibt, glaubt er nicht. Vom Zuschnitt sei das Gebäude so angelegt worden, dass es auch als normales Wohnhaus genutzt werden könne. Umfrage in der Lübbecker Innenstadt Sparkassen-Schließungen: Praktikant Finn Beckmann fragte nach, wie Bürger zu der Entscheidung stehen. Rita Rüter »Ich finde es nicht besondersbürgerfreundlich und schade, da es 
besonders den ländlichenBereich trifft.« Stephan Markovic »Es passt nicht 
zusammen, dass immer mehr 
Gebühren erhoben werden, aber die Bürger vernachlässigt werden.« Viktor Wilms »Ich sehe es kritisch, da Arbeitsplätze wegfallen. Der Kunde möchte aber trotzdem weiterhin von der Bank 
beraten werden.« Ingrid Hagemeister »Für ältere Menschen ist diese Maßnahme der Sparkasse nicht gut, da sie nicht 
unbedingt online und mobil sind.«

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