Eine der Filialen, die geschlossen werden: Die Geschäftsstelle in Blasheim, an der Bundesstraße 65. - © Joern Spreen-Ledebur
Eine der Filialen, die geschlossen werden: Die Geschäftsstelle in Blasheim, an der Bundesstraße 65. | © Joern Spreen-Ledebur

Kreis Minden-Lübbecke Sparkasse Minden-Lübbecke schließt fast jede zweite Filiale

Geldinstitut veröffentlicht Liste mit den Standorten, die wegfallen

Kirsten Tirre
Joern Spreen-Ledebur

Sandra Spieker-Beutler

Lübbecker Land. Die Sparkasse Minden-Lübbecke dünnt ihr Filialnetz aus. 19 von 40 derzeit noch mit Mitarbeitern besetzte Geschäftsstellen werden zum 30. September geschlossen. Das sind im Altkreis Lübbecke: Alswede, Blasheim, Nettelstedt, Altgemeinde Espelkamp, Gestringen, Oberbauerschaft, Schnathorst, Bad Holzhausen, Börninghausen (nur SB), Haldem und Oppenwehe. In Bad Holzhausen, Schnathorst, Nettelstedt und Alswede sollen SB-Schalter vor Ort bleiben. Auch im Altkreis Minden fallen Geschäftsstellen weg: in Minden Forststraße, Hahlen, Kutenhausen, Stiftsallee und Bärenkämpen (nur SB) sowie die Filiale Hartum in Hille und in Petershagen die Geschäftsstellen Friedewalde, Ovenstädt, Wasserstraße und Windheim. In Kutenhausen, Hartum, Friedewalde und Windheim seien SB-Stellen vorgesehen. „Vor dem Hintergrund der absehbaren demografischen Entwicklungen im Kreis Minden-Lübbecke sowie der weiter zunehmenden Digitalisierung und des sich damit verändernden Nutzungsverhaltens der Kunden in Bezug auf alle Bankdienstleistungen muss auch die Sparkasse Minden-Lübbecke ihre Kundenbetreuungskonzepte überprüfen und an die Marktveränderungen anpassen", heißt es vom Kreditinstitut. Die NW hatte bereits über derartige Überlegungen berichtet. Verstärkt werde dieser Anpassungsdruck durch die Auswirkungen der anhaltenden Niedrigzinsphase auf die Ertragslage. Denn es sei absehbar, dass der Zinsüberschuss als Haupteinnahmequelle auch in den nächsten Jahren weiter rückläufig sein wird. Ferner zeichne sich ab, dass die Onlinebanking-Quote bei den Sparkassenkunden in diesem Jahr die 50-Prozent-Marke übersteigen wird. Dieser Trend zeige sich auch in der stark zunehmenden Nutzung der Telefonberatung, in der zehn Bankkaufleute tätig seien. In der vor zweieinhalb Jahren geschaffenen Internet-Geschäftsstelle würden derzeit rund 5.500 Kunden betreut. Mitarbeiter wechseln in andere Filialen Die Sparkasse Minden-Lübbecke ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts, Träger ist ein vom Kreis Minden-Lübbecke und den Städten Minden und Petershagen gegründeter Sparkassenzweckverband. Arbeitsplätze fallen laut Sparkasse durch die Umstrukturierung nicht weg. Alle Mitarbeiter der betroffenen Filialen sollen in Standorten in unmittelbarer Nähe weiter beschäftigt werden, heißt es. Bei der Überprüfung der Standorte seien neben der Kundenanzahl die baulichen Gegebenheiten vor Ort, aber auch die Entfernung der weiter betriebenen Geschäftsstellen zueinander berücksichtigt worden. Auch künftig solle der überwiegende Teil der Kunden in nicht mehr als sechs Kilometern Entfernung eine Geschäftsstelle oder SB-Einrichtung nutzen können. Bei den 21 verbleibenden Geschäftsstellen würden die Öffnungszeiten um eine Stunde verlängert, heißt es. So werde morgens eine halbe Stunde früher geöffnet (9.30 Uhr), am Nachmittag eine halbe Stunde später geschlossen (montags, dienstags, freitags bis 17 Uhr). Donnerstags bleibe es bei der Öffnung bis 18 Uhr. Gleichzeitig würden alle Aktivitäten rund um das Thema Online- und Mobil-Banking, Telefonservice oder Internetfiliale „stark ausgebaut". „Wir gehen davon aus, dass bereits Ende 2018 annähernd zwei Drittel unserer Kunden bei der Abwicklung von Standardbankgeschäften im Wesentlichen nur noch auf digitalem Weg mit uns kommunizieren werden beziehungsweise ihre Standardgeschäfte im Onlinebanking abwickeln," so der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Kirschbaum. »Sind glimpflich 
davongekommen« Zu den Schließungen in Hüllhorst sagt Bürgermeister Bernd Rührup: „Es ist eine bedauerliche Entwicklung, dass die Infrastruktur in den Ortsteilen Stück für Stück verloren geht. Unsere Einflussmöglichkeiten als Gemeinde sind da aber leider sehr begrenzt." Aus Sicht der Bürgerschaft sei das sicherlich schade, merkte Espelkamps Bürgermeister Heinrich Vieker mit Blick auf die Schließungen in Gestringen und der Altgemeinde an. Natürlich laste ein Kostendruck auf Sparkassen und Banken, die vor Ort Serviceleistungen erbrächten, und an rückläufigen Kundenzahlen könne eine Sparkasse auch nicht vorbeischauen. Angesichts von reduzierten Öffnungszeiten habe es schon Befürchtungen gegeben, dass es dabei allein nicht bleibe. „Es ist bedauerlich für die Stadt, aber den technischen Wandel werden wir nicht aufhalten können", so Vieker. Für Fachberatungen habe man ohnehin in die Hauptstellen gehen müssen. „Wir können jetzt nicht in Jubel ausbrechen. Aber großartiger Protest hilft uns auch nicht." Er habe sich eine andere, großzügigere Lösung gewünscht mit drei Anlaufstellen im Stadtgebiet. Leider sei zu befürchten, dass „mit dieser Regelung das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist", meinte er. Schließungen seien immer sehr schade für die Kunden, sagte auch Lübbeckes Bürgermeister Frank Haberbosch. Die Sparkasse habe aber wohl ihre Gründe, daher wolle er diese unternehmerische Entscheidung nicht weiter kommentieren. Sein Stemweder Amtskollege Kai Abruszat will sich nun um eine sinnvolle Folgenutzung für die Noch-Geschäftsstellen Haldem und Oppenwehe kümmern. Weiteren Leerstand könne man in beiden Orten nicht gebrauchen. Die Schließung in Haldem und Oppenwehe sei „sehr bedauerlich und ein Einschnitt in das örtliche Dienstleistungsangebot". Die Sparkasse müsse einem geänderten Kunden-Verhalten Tribut zollen. Erfreulich sei, dass Levern, Wehdem und Dielingen erhalten blieben, so Abruszat. „Damit sind wir trotz der schmerzlichen Einschnitte noch glimpflich davon gekommen".⋌

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