Hilfestellung: Abdullah (9) mit Krankengymnastin Sara Düsterhöft und Pflegemutter Emine Öztas (r.). Im Hintergrund die Spender (v. l.) Dietrich Goldstein, Michael Schelp, Hans-Joachim Becker und Bernd Kollmetz. Foto: Ulf hanke - © Ulf Hanke
Hilfestellung: Abdullah (9) mit Krankengymnastin Sara Düsterhöft und Pflegemutter Emine Öztas (r.). Im Hintergrund die Spender (v. l.) Dietrich Goldstein, Michael Schelp, Hans-Joachim Becker und Bernd Kollmetz. Foto: Ulf hanke | © Ulf Hanke

Löhne/Schnathorst Afghane (8) lernt in Löhne laufen

Abdullah Saba hat eine angeborene Knochenkrankheit und konnte nur krabbeln. In Bethel ist er kostenlos operiert worden

Ulf Hanke

Löhne/Schnathorst. Der entscheidende Moment in Abdullahs Leben ist für die Ewigkeit festgehalten. Seine Pflegeschwester Süheyla (19) hat ihr Handy gezückt und gefilmt, als der achtjährige Afghane in Schnathorst seine Krücken losließ und dann langsam und noch etwas wackelig, aber zum ersten Mal in seinem Leben auf eigenen Beinen stand und dann auf die geöffneten Arme seines Pflegevaters zuging. Der kleine Film rührt zu Tränen. Die deutschen Helfer des Jungen sind einen Moment ganz still. Diesen Film, erzählt dann Mirvais Karsai, der Geschäftsführer und Dolmetscher des Vereins „Kinder brauchen uns", haben die Eltern von Abdullah noch nicht gesehen. Sie haben weder Smartphone noch Internet in ihrer Wohnung 150 Kilometer vor Kabul. Abdullahs Mutter weiß nur aus Telefonaten mit Karsai, dass ihr Sohn in Deutschland Laufen gelernt hat. „Sie hat mir das nicht geglaubt", sagt Mirvais Karsai. Der Dolmetscher, der beide Amtssprachen Dari und Paschtu fließend spricht, hat Abdullah im Oktober 2016 in der Sprechstunde des Vereins in Kabul kennengelernt. Knochenentzündung hat ähnliche Auswirkungen wie die Glasknochenkrankheit Abdullah hat sieben Geschwister - drei Brüder und vier Schwestern. Sein Vater arbeitet im Iran. „Abdullah krabbelte auf allen Vieren in den Raum", erzählt Karsai. Der Achtjährige, der in wenigen Tagen Geburtstag hat, leidet an einer Knochenentzündung (Osteomyelitis), die ähnliche Auswirkungen wie die Glasknochenkrankheit hat. Seine Beine sind deshalb nicht gerade gewachsen. Abdullah hat nie Laufen können. Und in Afghanistan hatte Abdullah auch keine Chance, jemals auf eigenen Beinen zu stehen. In Bielefeld und Löhne konnte dem afghanischen Jungen geholfen werden. Abdullah wurde zweimal im evangelischen Krankenhaus Bethel operiert, die Johanniter haben seine Krankengymnastik im Gohfelder Rehazentrum „Recumed" spendiert. Der Verein „Kinder brauchen uns" hat die Weltreise für Abdullah organisiert. Ende November oder Anfang Dezember fliegt Abdullah zurück. Der Arzt mahnt zur Vorsicht, denn Abdullahs Knochen sind weich Seine beiden Krücken nimmt der Achtjährige mit, genauso wie seine orthopädischen Schuhe und die Hausaufgaben seiner Krankengymnastin Sara Düsterhöft. Sie sind ganz einfach: Üben, üben, üben. Vielleicht kann Abdullah dann in absehbarer Zeit ohne Krücken laufen. Das ist im Moment aber noch Zukunftsmusik. Die Chancen stehen jedoch nicht schlecht. „Er ist sehr motiviert", sagt Düsterhöft. Und auch Reha-Arzt Hans-Joachim Becker ist überzeugt davon, dass der kleine Afghane bald auf eigenen Beinen steht. Becker: „Ich denke, dass er das schafft." Allerdings mahnt der Arzt auch zur Vorsicht. Abdullahs Knochen sind weich. Bei der Operation wurde ein Bein geschient. Ein Sturz könnte die Heilung gefährden. Eine Physiotherapie nach deutschen Maßstäben gibt es in Kabul nicht. Allerdings hat nach Angaben von Mirvais Karsai neulich erst eine orthopädische Praxis geöffnet. Der Junge lebt bei türkischen Pflegeeltern, bis er zurück reist Bei seinen türkischen Pflegeeltern auf Zeit hat Abdullah schon mächtig geübt. Pflegemutter Emine Öztas aus Schnathorst hat ihn unter ihre Fittiche genommen und wie ihren eigenen Sohn behandelt. Sie hat von einer Freundin von dem Verein Kinder brauchen uns" gehört und der Löhner Koordinatorin Gisela Bröenhorst Hilfe angeboten. Schon im Krankenhaus hat Familie Öztas ihren Pflegesohn immer wieder besucht. Abdullah selbst ist während der vielen Erklärungen ziemlich still und schaut mit großen Augen auf die Erwachsenen. Hin und wieder lächelt er. Mirvais Karsai: „Er möchte unbedingt ohne Krücken zur Mutter gehen."

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