Bedarf: Für Kinder gibt es in Hüllhorst keinen Facharzt. Eltern müssen daher teils weite Wege in Kauf nehmen, wenn ihr Kind erkrankt ist oder eine Vorsorgeuntersuchung ansteht. - © Foto: Bernd Wüstneck/DPA
Bedarf: Für Kinder gibt es in Hüllhorst keinen Facharzt. Eltern müssen daher teils weite Wege in Kauf nehmen, wenn ihr Kind erkrankt ist oder eine Vorsorgeuntersuchung ansteht. | © Foto: Bernd Wüstneck/DPA

Hüllhorst Rezept gegen den Ärztemangel

Ratssitzung: Politik will sich gemeinsam mit der Verwaltung für Ansiedlung von Medizinern stark machen, um die Versorgung der Kommune langfristig zu sichern. Gesundheitszentrum könnte helfen

Kirsten Tirre

Hüllhorst. Immer weniger Mediziner sind bereit, sich als Vertragsarzt, vor allem in ländlichen Gebieten, niederzulassen. Budgetierung, zunehmende Bürokratisierung und eine schwache Infrastruktur auf dem Land nennt die Kassenärztliche Vereinigung als Gründe. "Auch Hüllhorst zählt zu den Kommunen, in denen der Verlust der ärztlichen Versorgung droht", so Frank Picker (SPD). Seine Fraktion stellte daher den Antrag, dass die Gemeindeverwaltung prüfen möge, wie die Realisierung eines Ärztehauses in der Gemeinde aussehen könnte. Der Antrag der SPD fand in der jüngsten Ratssitzung Unterstützung von allen Fraktionen. Die CDU hatte sich ebenfalls mit dem Thema beschäftigt und bereits im Sommer beantragt, die Landesförderung für die Niederlassung von Ärzten um 10.000 Euro aufzustocken. Denn wie in vielen ländlichen Kommunen ist auch in Hüllhorst der Altersdurchschnitt der meisten hier praktizierenden Ärzte sehr hoch, Nachfolger aber nicht in Sicht. "Junge Ärzte scheuen oftmals da finanzielle Risiko einer eigenen Praxis und die damit verbundene hohe Arbeitsbelastung", heißt es in dem Antrag der SPD. Es habe sich in vielen Städten und Gemeinden Deutschlands gezeigt, dass zentral gelegene Ärztehäuser die Versorgung erfolgreich sichern könnten. "Ergänzt durch Modelle, die auch jungen Ärzten den Einstieg in die eigene Praxis erleichtern und hohe Arbeitsbelastungen abfedern, sind sie für die Kommunen eine Chance, die Versorgung zu sichern, und für Ärzte eine attraktive Arbeitsmöglichkeit", heißt es in dem SPD-Antrag. Auch Pr. Oldendorf und Rahden gehen diesen Weg. In einem ersten Schritt sollte daher ein Konzept für Hüllhorst erstellt werden und nach einem geeigneten Grundstück gesucht werden. Es sollten zudem Gespräche mit Investoren geführt werden. Eine Realisierung bis 2020 sei anzustreben. Zu der Idee eines Ärztehauses passt der Projektentwurf "Hüllhorst-Mitte" der Volksbank. Bürgermeister Bernd Rührup verlas dazu in der Sitzung eine E-Mail, die das Projekt skizziert. Die Ev. Kirchengemeinde Hüllhorst-Oberbauerschaft ist Eigentümerin des ehemaligen Pfarrhauses und umliegender Flächen. Die Volksbank Schnathorst eG wiederum Eigentümerin unbebauter Nachbargrundstücke der Geschäftsstelle in Hüllhorst. Dazu gehört auch das Grundstück Hauptstraße 21 (vormals Zierke), bebaut mit einem abrissreifen Wohnhaus. Nach Abriss der beiden Gebäude sollen die Flächen neu überplant werden. »Wir sind hocherfreut über die Pläne der Volksbank« Sowohl die Kirchengemeinde als auch die Volksbank könnten sich eine Kooperation in dieser Angelegenheit sehr gut vorstellen, um die Versorgungslage und die Attraktivität Hüllhorsts zu verbessern. Neue Nutzungsmöglichkeiten der Grundstücke könnten nach der Überbauung Betreutes Wohnen, barrierefreie Wohnungen, Sanitätsfachbedarf aber eben auch Arztpraxen sein. Die planungsrechtliche Abklärung steht allerdings noch aus. Entscheidungen seien noch nicht getroffen, heißt es in dem Schreiben. "Wir sind hoch erfreut von den Plänen der Volksbank", sagte Frank Picker. Das Areal sei ein Filetstück in Hüllhorst und verfüge über eine gute Anbindung an den Nahverkehr und ausreichend Parkplätze. Wenn das umgesetzt würde, wäre das ein echter "Big Point". Jutta Klare-Steinbrink (Grüne) schlug vor, das Bestreben Ärzte auf das Land zu bekommen auch im Zusammenhang mit der Projektentwicklung "Regionale" einer Strukturfördermaßnahme in NRW zu sehen. "Bei der Ärzteversorgung müssen wir alle an einem Strang ziehen", so Klaus Kuhlmann (CDU). Zu der Thematik der ärztlichen Versorgung passte ein Antrag von Bündnis 90/Die Grünen auf Schaffung einer Kinderarztpraxis. In Hüllhorst würden rund 1.500 Kinder bis 14 Jahre leben, führte Jürgen Friese aus. Eine Kinderarztpraxis gibt es nicht. Deswegen seien Eltern gezwungen umliegende Praxen in Lübbecke, Löhne oder Bünde aufzusuchen. Praxen seien überlaufen, teilweise herrsche ein Aufnahmestopp. Habe die Praxis in Bünde oder Löhne geschlossen, müssten Eltern bis zum Vertretungsarzt nach Herford fahren. "Ein sehr unbefriedigender Zustand". Die Ärztliche Vereinigung müsse einsehen, dass auch Hüllhorst einen Kinderarzt braucht. Die Verwaltung möge daher prüfen, ob es eine Möglichkeit für die Ansiedlung eines Kinderarztes gibt. Der Antrag fand wie der vorhergehende ein einstimmiges Votum.

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