So sehen glückliche Majestäten aus: Der neue Erntekönig Klaus Bohlmeier mit seiner Königin Birgit Bohlmeier. Klaus Bohlmeier hatte mit 95 die meisten Körner in der Roggenähre. - © Stephan Pfeiffer
So sehen glückliche Majestäten aus: Der neue Erntekönig Klaus Bohlmeier mit seiner Königin Birgit Bohlmeier. Klaus Bohlmeier hatte mit 95 die meisten Körner in der Roggenähre. | © Stephan Pfeiffer

Hüllhorst Oberbauerschaft hat ein strahlendes neues Erntekönigspaar

Das ganze Dorf verabschiedete die alten Majestäten und begrüßte die neuen - Klaus und Birgit Bohlmeier

Stephan Pfeiffer

Hüllhorst-Oberbauerschaft. Feiert man die jährliche Wiederkehr einer allseits beliebten Traditionsveranstaltung, ist das immer ein Grund zur Freude. Das 75. Erntefest allerdings ist vielen Menschen in der Region ein ganz besonderer Jahrestag, steht diese Zahl doch für ein dreiviertel Jahrhundert gelebte Geschichte innerhalb einer funktionierenden Dorfgemeinschaft, besondere Heimatverbundenheit und ein Leben in und mit der Natur. Kein Wunder also, dass die Vorbereitungen für das Jubiläumswochenende des 16. und 17. September 2017 schon längere Zeit auf Hochtouren liefen: Da wurde Getreide gemäht, um die Königsbühne zu schmücken, Fest- und Erntewagen feierlich ausstaffiert, Blumenschmuck angebracht. Die Dorfkapelle hat ihr Programm geprobt, Grundschule, Volkstanz- und Folkloregruppen Tänze einstudiert und die Redner Reden geschrieben. Endlich war es am Samstag so weit. Hundertfach traf sich das zufriedene Volk in der Residenz von König Kervin und Königin Alexandra an der Oberbauerschafter Straße 220, um das scheidenden Erntekönigspaar Niermann gebührend zu verabschieden und den Majestäten Lebewohl zu sagen. In bekannter schwarz-weiß-roter Tracht eröffnete die Dorfkapelle unter der Leitung von Daniel Struckmeyer mit dem flotten Marsch "Opening" das traditionsreiche Wochenende, dessen Samstag sowohl fröhliches Abschiedsfest für Alexandra und Kervin als auch heiterer Beginn des 75. Erntefestes war. Nach der Begrüßung durch Günter Obermeier, der das Festkomitee im 38. Jahr leitete, spielte das Orchester mit "Wir Musikanten" eine stimmungsvolle Polka. Im Anschluss führte die erste bis vierte Klasse der Grundschule einen eindrucksvollen Tanz mit dem Titel "Teppich-knüpfen" auf. Das bunte Programm freute die Majestäten, die oben auf ihrem Podium standen, das eigens zum Fest aus dem ehemaligen Vordach des Hotel-Saaleingangs gezimmert wurde. König und Königin strahlten, winkten und prosteten ihrem Volk auch mal mit einem ordentlichen Glas Bier zu. Nachdem die Volkstanzgruppe des Heimatvereins die "Mühlenpolka" und ein "Potpourri" getanzt hatte, gab es weitere beeindruckende Vorführungen der eigens aus Hessen angereisten Volkstanzgruppe der Landjugend Haubern und der Folkloregruppe aus Linsengericht. Bevor der schöne Abend mit dem Laternenumzug zum Festplatz endete, gab Günter Obermeier in seinem lebendigen Gedicht einen launigen Rückblick und würdigte die Majestäten. Gegen Ende des Gedichtes hieß es: "Drum Bürger haltet einmal inne und ruft kräftig mit mir mit: Dieses Königspaar ist spitze! Diese beiden sind ein Hit!" Am Samstagabend hieß das Motto „Tanz oder gar nicht" – und alle machten alles mit Mit den Liedern „Du kannst nicht immer 17 sein", „Über den Wolken" und „Ein bisschen Spaß muss sein" stimmte die Dorfkapelle Oberbauerschaft den Abend zum Ernteball ein, während die Schlange an Gratulanten zum noch amtierenden Erntekönigspaar Alex und Kervin Niermann nicht abzureißen schien. „Unser letzter Abend als Amtierende! Das war ein tolles Jahr, ein wunderbarer Abend! Wir sind glücklich, nein, sehr, sehr glücklich!", beschrieben die beiden die Situation. Denn standesgemäß wurden sie wieder von zu Hause abgeholt, wo zu vor noch eine Überraschung auf sie wartete: „Unsere Mitarbeiter haben verschiedene Lieder für uns umgetextet und uns damit eben zu Tränen gerührt." Im Festzelt schienen hunderte Oberbauerschafter dem Paar noch einmal persönlich huldigen zu wollen, das freudestrahlend auf dem Thron Platz nahm und sich über eine fünfköpfige Delegation des Heimatvereins Lashorst begeistert zeigte. „Wir freuen uns so sehr über die beiden und sind der Einladung sehr gerne gefolgt. Immerhin ist Kervin gebürtiger Lashorster", formulierte die 1. Vorsitzende Andrea Meier. Wilhelm Sandmeyer (76) fügte hinzu: „Schon als wir jung waren, sind wir regelmäßig zum Holzschuhball nach Oberbauerschaft gekommen."  Das Königspaar hatte bis 21.30 Uhr alle Hände voll zu tun, den unzähligen Gratulanten gerecht zu werden: Umarmungen, Schunkeln, einen ausgeben. „Als Nachbarn und Freunde sind wir hier mit gut 30 Leuten, die zum Gefolge gehören und beim Ausschenken helfen. Ganz neu ist, dass wir auch eigene Schärpen haben.", erzählte Annika Kreimeier, die ebenfalls zum engen Gefolge gehörte. Unterdessen spielte die Dorfkapelle einen Song nach dem anderen, der die feierlustige Gesellschaft zum Tanzen animierte. Beim „griechischen Wein" füllte sich die Tanzfläche zunehmend: „Volkstanz mal anders", formulierte ein älteres Ehepaar. Mit dem Lied der Europeade mischten sich die Musiker musizierend dann abschließend unter die tanzenden Besucher. „Das ist hier der Hammer", war das Königspaar Niermann begeistert. Ihren Ehrentanz machten sie dann nach dem Lied „Que sera", mit dem die Band Nightlife ihren Auftritt begann. Los ging es mit Songs von Pur und anderen. Ob Einzel-, Paartanz oder Gruppenformation – die Oberbauerschafter ließen sich gemäß des Mottos „Tanz oder gar nicht" zu allem mitreißen.

realisiert durch evolver group