Erhielt mehrfach starken Beifall: Nachdem die AfD Minden-Lübbecke den Auftritt von Alexander Gauland in Hüllhorst gerichtlich erstritten hatte, machte der AfD-Spitzenkandidat in der Ilex-Halle Stimmung: "Dies ist das Land des deutschen Volkes." - © Joern Spreen-Ledebur
Erhielt mehrfach starken Beifall: Nachdem die AfD Minden-Lübbecke den Auftritt von Alexander Gauland in Hüllhorst gerichtlich erstritten hatte, machte der AfD-Spitzenkandidat in der Ilex-Halle Stimmung: "Dies ist das Land des deutschen Volkes." | © Joern Spreen-Ledebur

Hüllhorst Protest gegen die AfD bleibt friedlich

Bundestagswahl 2017: Alexander Gauland, Spitzenkandidat der Alternative für Deutschland, spricht in der Ilex-Halle vor gut 200 Zuhörern. Draußen demonstrieren 250 Leute für "Menschenrechte, statt rechte Menschen"

Frank Hartmann

Donnerstagabend, 18.20 Uhr, Schulhof der Gesamtschule Hüllhorst: Nach Polizeiangaben haben sich etwa 250 Menschen auf dem Schulhof der Gesamtschule eingefunden. Sie sind den getrennten Aufrufen von Niklas Krusberski (SPD Hüllhorst) und Benjamin Rauer (Bündnis90/Grüne Hüllhorst) gefolgt, um gegen "rechte Hetze" zu demonstrieren: Mit Fahnen, Luftballons, Pauken, Tröten - und bunten Trillerpfeifen, die in Klarsichtbeuteln angeboten werden. Auf selbstgemalten Plakaten fordern die Protestler "AfD raus" und "Menschenrechte, statt rechte Menschen". Auf anderen steht "Die AfD ist sowas von 1933" und "Ihr seid keine Alternative für Deutschland". Der Spitzenkandidat der AfD zur Bundestagswahl befindet sich bereits in der Ilex-Halle. Sie ist durchgängig mit einem Bauzaun vom Schulgelände getrennt und wird sich in der nächsten dreiviertel Stunde bis auf den letzten Platz mit gut 200 Zuhörern füllen. Und Alexander Gauland wird voraussagen, dass die Menschen, die mit dem "Flücht-lingsstrom von 13.000 Menschen monatlich" nach Deutschland kommen, in der Sozialhilfe landen und ihr Bleiberecht einklagen werden: "Und am Ende wollen sie uns unser Land wegnehmen." »Macht keine Randale« Noch ist es nicht soweit. Während Bürgermeister Bernd Rührup mit einem Polizisten spricht, weil er "als Hausherr dafür Sorge tragen möchte, dass hier alles friedlich bleibt", stehen der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Ernst-Wilhelm Rahe und der Hüllhorster SPD-Fraktionsvorsitzende Frank Picker zusammen. "Ich hatte die Wahl zwischen Blama und hier", sagt Rahe. "Da war es keine Frage, für was ich mich entscheide."Auch für Picker "war klar, hier dabei zu sein, bei den Positionen der AfD - die haben nichts mit rechtsstaatlicher Politik zu tun". Während vor der Halle Ordner der AfD aufmerksam das Geschehen am Zaun beobachten, stehen Kreispolizisten rund um die Halle, unterstützt von voll ausgerüsteten Bereitschaftspolizisten aus Münster: "Die Kollegen haben Erfahrung, sowohl mit Demonstrationen, als auch mit der AfD", erklärt Ralf Steinmeyer, Sprecher der Kreispolizei Minden-Lübbecke.  »Nazis raus«-Schreie ertönen Organisator Niklas Krusberski ruft die Demonstranten auf, darunter eine Gruppe aus Minden: "Bleibt friedlich, macht keine Randale." Die letzten Punkte seiner kurzen Ansprache gehen unter im ohrenbetäubenden Lärm dröhnender Pauken, Tröten und schrillen Trillerpfeifen, der plötzlich losbricht. Auch erste "Nazis raus"-Schreie ertönen. Zweieinhalb Stunden werden die Sprechgesänge zu hören sein - bis es dunkel ist und Kerzen angezündet werden. Nach seiner Rede, in der Gauland immer wieder geschickt Ängste vor Muslimen und Überfremdung schürt und damit Zwischenrufe wie "Asyl-recht abschaffen" provoziert, verlassen die ersten Zuhörer die Halle. Am Lienenkamp müssen sie durch ein Polizeispalier, werden aggressiv beschimpft und mit Lärmattacken behelligt. Ein junger, schwarz gekleideter Demonstrant verliert die Kontrolle und schubst einen Besucher zu Boden geht. Sonst bleibt es friedlich. Die Kreispolizei wird am Freitag bestätigen, dass keine Anzeige eingegangen ist. Punkt 21 Uhr läuten in Hüllhorst, Oberbauerschaft und Schnathorst die Kirchenglocken das Ende eines Abends ein, den die Gemeinde Hüllhorst so schnell wohl nicht vergessen wird.

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