An der Straße Weidehorst: Vor der Kläranlage (links) im Gewerbegebiet würde die Kreisabfallverwertungsgesellschaft gerne einen Wertstoffhof bauen. Das nächste Wohnhaus läge dann in einer Entfernung von 80 Metern zu dem Betrieb. Insgesamt befinden sich sechs Wohnhäuser in der näheren Umgebung. - © Jemima Wittig
An der Straße Weidehorst: Vor der Kläranlage (links) im Gewerbegebiet würde die Kreisabfallverwertungsgesellschaft gerne einen Wertstoffhof bauen. Das nächste Wohnhaus läge dann in einer Entfernung von 80 Metern zu dem Betrieb. Insgesamt befinden sich sechs Wohnhäuser in der näheren Umgebung. | © Jemima Wittig

Hüllhorst Geplanter Wertstoffhof wirft Fragen auf

Vorhaben: Kreisabfallverwertungsgesellschaft hat einen Standort in Tengern ins Auge gefasst. Anwohner meldet sich in Sitzung des Bau- und Umweltausschusses zu Wort

Kirsten Tirre

Hüllhorst. Gleich 21 Fragen hatte ein Tengeraner mit in die Bürgerfragestunde des Bau- und Umweltausschusses mitgebracht. Durch Anrufe habe er davon erfahren, dass die Kreisabfallverwertungsgesellschaft die Errichtung eines Wertstoffhofes in Tengern plane und das Thema im Fachausschuss behandelt werde. Er wünsche sich vor einer Beschlussfassung und Einleitung des Verfahrens zur Änderung des Flächennutzungsplanes eine Information der Bürger. Kurz: „Mehr Transparenz". So hat die Kreisabfallverwertungsgesellschaft mbH (KAVG), die auch das kreiseigene Entsorgungszentrum Pohlsche Heide in Hille betreibt, eine landwirtschaftliche Fläche zwischen der Firma Jet und der Kläranlage an der Straße Weidehorst als Standort für einen Wertstoffhof ausgeguckt. Das Areal ist rund 14.000 Quadratmeter groß und müsste im Flächennutzungsplan von „Fläche für Landwirtschaft" in „Gewerbliche Baufläche" umgewandelt werden. Der Anlieger aus Tengern, der in der Nähe des Standortes wohnt, wollte wissen, von wem die Initiative ausging, was dort gelagert werden soll, wie es um Belästigungen durch Verkehr, Lärm und Geruch bestellt sei und ob es nicht auch andere Standorte gebe. Auf all diese Fragen hätte er gerne Antworten. Die Verwaltung sagte ihm diese zu – auch in schriftlicher Form –, erklärte aber gleichwohl, dass im Bauausschuss wie auch im Gemeindeentwicklungsausschuss zunächst einmal gar keine Beschlüsse in der Sache gefasst würden. Es gehe lediglich um eine erste Information der Politik über das Vorhaben der KAVG. Bürgermeister Bernd Rührup: „Wir müssen mit Schritt eins anfangen. Wird das Verfahren eingeleitet, geht es in die weiteren Prüfungen und dann auch in entsprechende Bürgeranhörungen." Einen Teil der Fragen konnte bereits der Referent, Thomas Kropp von der Geschäftsleitung der KAVG, beantworten. Die Initiative sei von der Gesellschaft ausgegangen. Er verwies auf mitgeplante Referenzobjekte in Minden und Bad Oeynhausen und erklärte, dass der angedachte Wertstoffhof in Hüllhorst ähnlich gebaut werden solle wie der Wertstoffhof in Uchte. Wie Kropp sagte, habe sich die KAVG insgesamt vier Standorte in Hüllhorst angeschaut. Das Areal in Tengern erschien von der Topographie, der Verkehrsanbindung und hinsichtlich Wohnbebauung am geeignetsten. Mit dem Betrieb in Hüllhorst solle der „weiße Fleck der Wertstoffhöfe geschlossen werden". Der geplante Wertstoffhof richte sich an Privatleute sowie das Gewerbe. Der Betrieb solle auch die Mengen für das Entsorgungszentrum Pohlsche Heide sichern. Angenommen würden Grünabfälle, Bauschutt, E-Schrott, Kunststoffe, Metalle, Papier und alle Restabfälle. Auch ein Verkauf von Humusprodukten sei vorgesehen. Die Lagerung solle in Containern und Hallen erfolgen. Die KAVG gehe davon aus, dass sich in Hüllhorst 2.000 Tonnen Abfälle und Wertstoffe generieren ließen. Der Bau- und Umwelt-ausschuss nahm die Ausführungen zur Kenntnis und will in der Politik über das Vorhaben weiter beraten. Die Ausschussmitglieder warfen bereits im Vorfeld etliche Fragen auf. »Wir wollen keinen Mülltourismus« Dirk Raddy (CDU) fragte nach dem „Warum" eines Wertstoffhofes in Hüllhorst. „Es wird doch nur teurer, wenn der Abfall auf mehrere Standorte verteilt wird." Und er wollte wissen, ob der Hüllhorster Wertstoffhof auch Anlieferer aus dem Nachbarkreis abweisen könne. Kropp dazu: „Wir wollen keinen Mülltourismus". Aber ausschließen könne man es nicht. Eine Reglementierung über die Autokennzeichen sei kaum möglich, da man bundesweit bei Umzug das Autokennzeichen mitnehmen kann. Dietlind Scheding (CDU) verwies darauf, dass sich die Fläche in einem Überschwemmungsgebiet befinde und Frank Picker (SPD) stellt sich die Frage, wozu es in Hüllhorst überhaupt einen Wertstoffhof brauche. „Der Bürger kann doch auch so alles loswerden in der Gemeinde."

realisiert durch evolver group