Hüllhorst Neuer CDU-Fraktionsvorsitzender hat seinen eigenen Stil

Michael Kasche spricht im Interview über seine Schwerpunkte und darüber, was er von seinen Vorgängern übernimmt und was er anders machen möchte

Kirsten Tirre

Herr Kasche, nach Günter Obermeier, der 2016 den Fraktionsvorsitz abgab, und Klaus Kuhlmann, der sich unlängst aus dem Rat zurückzog, hat die CDU jetzt den dritten Fraktionsvorsitzenden in zwei Jahren. Wie wirkt sich das aus? Michael Kasche: Erfrischend! Beide hatten gewichtige und nachvollziehbare Gründe, den Fraktionsvorsitz abzugeben. In beiden Fällen hat die Fraktion zwar an Erfahrung verloren, dennoch sind mit Bernd Kirchhoff und Katharina Exter zwei hochengagierte, kompetente und junge Menschen in den Kreis der Ratsmitglieder hinzugestoßen. Es bringt nichts, dem Verlust hinterherzutrauern, sondern wir wollen den frischen Wind des Neuen nutzen, um die politische Situation und die getroffenen Fehlentscheidungen unserer Mitbewerber schnellstmöglich zu korrigieren. Das ist die Aufgabe der gesamten Fraktion und des neuen Fraktionsvorstandes, der bis 2020 seine Arbeit leisten wird. Was werden Sie von Ihren Vorgängern übernehmen, was werden Sie anders machen? Kasche: Ich habe meinen eigenen Stil. Vergleiche können nur hinken. Allerdings durfte ich insbesondere von Klaus Kuhlmann viel lernen, da ich in dieser Legislaturperiode als sein Stellvertreter gewählt wurde. Seinen äußerst kritischen Blick auf viele Dinge werde ich mit Sicherheit übernehmen. Von Günter Obermeier wünsche ich mir die Hartnäckigkeit, mit der er für die Belange der Hüllhorsterinnen und Hüllhorster gekämpft hat. Ich schaue sehr genau auf Details und bin der Meinung, dass in vielen Bereichen der Gemeinde zu viel Geld sinnlos und unnötig ausgegeben wird. Hier werde ich ansetzen, sodass kein Geld der Bürger der Gemeinde Hüllhorst verschwendet wird. SPD und Grüne haben in Hüllhorst die Ratsmehrheit. Wie beurteilen Sie das aktuelle politische Klima? Kasche: Angespannt. Es werden Entscheidungen ohne Not und Zeitdruck durch den Rat gepeitscht. Es wird rücksichtslos auf eine ausführliche Diskussion verzichtet und Alternativen werden nicht abgewägt. In vielen Bereichen hat die CDU eine deutlich abweichende Ansicht als die SPD und die Grünen. Wenn ich an den Landschaftsplan, die Lusmühlenstraße, das Wirtschaftswegekonzept und nicht zuletzt an die Steuererhöhungen denke, hätte es Alternativen gegeben. »Wäre für eine Verkleinerung des Rates gewesen« Gab es eine Entscheidung in der jüngsten Vergangenheit, über die  Sie sich geärgert haben? Kasche: Am meisten hat mich die Steuererhöhung der Grundsteuer A und Grundsteuer B geärgert. Die CDU wollte noch viel intensiver das Einsparungspotenzial im eigenen Hause prüfen lassen, um die Bürger, die Vereine und die Wirtschaft nicht unnötig zu belasten. Wenn man wirklich will und genau hinschaut, findet man Möglichkeiten und Wege. Persönlich wäre ich auch für eine Ratsverkleinerung gewesen. Zwei bis drei Wahlbezirke hätten wir sehr gut streichen können. Mit der Ersparnis hätten wir zum Beispiel die Hundesteuer senken können. Ich möchte aber betonen, dass ich für den Erhalt der Ortsvorsteher bin, denn diese Funktion ist für die gesamte Ratsarbeit extrem wichtig. Die Menschen, die diesen Posten innehaben, sind das direkte Sprachrohr der Bürgerinnen und Bürger und der Vereine. Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit der Verwaltung? Kasche: Insgesamt war und ist die Zusammenarbeit gut. Doch gibt es mit Sicherheit Bereiche, die genauer betrachtet und sicherlich optimiert werden können. So manche Sitzungsvorlage hätte deutlich besser ausgearbeitet und mit tiefer gehenden Informationen ausgestattet werden können. Ich habe kein Interesse daran, das Gefühl zu haben, die Fraktionsmitglieder werden mit Unwichtigkeiten beschäftigt. Für mich zählen Fakten - und zwar alle. Wie zufrieden sind Sie mit dem Doppelhaushalt? Kasche: Gar nicht! Aus diesem Grund haben wir ihn abgelehnt. Das Dilemma sieht man jetzt ja, da das rot-grüne Zweckbündnis einen Nachtragshaushalt einbringen muss. Wir können gerne über die Vor- und Nachteile eines Doppelhaushaltes diskutieren, aber mein Bauchgefühl ist angenehmer ohne. Ich plane lieber von Jahr zu Jahr, habe eine bessere Übersicht, kann notfalls flexibel an Stellschrauben drehen und gegebenenfalls außerordentliche Erträge an die Bürger zurückgeben. Das aktuelle Gewurschtel halte ich für dilettantisch. Wo sehen Sie Themenschwerpunkte für die CDU, die Sie unbedingt voranbringen wollen? Kasche: Entlastung der Hüllhorster Einwohner und Unternehmen durch Senkung der Steuern, flächendeckender Breitbandausbau, Förderung des Ehrenamts, Sicherung des Gesundheitswesens in der Gemeinde Hüllhorst sowie eine klare Linie in der Schulpolitik für alle Eltern in puncto Standort und Ausstattung. Mit Blick auf die Kommunalwahlen 2020: Haben Sie sich schon Gedanken über einen Bürgermeisterkandidaten der Christdemokraten gemacht? Kasche: Die Frage des Bürgermeisterkandidaten obliegt dem CDU-Gemeindeverband. Aber Sie können sich sicher sein, dass auch die Fraktion nicht untätig sein wird. Sie sind in der Feuerwehr und nun auch Fraktionsvorsitzender. Bleibt da noch Zeit für andere Hobbys? Kasche: Oh ja, ich treibe sehr viel Sport. Ich laufe jeden zweiten Tag 20 Kilometer und fahre anschließend 25 Kilometer Fahrrad. So hole ich mir meinen Ausgleich. Ich bin ein Mensch, der etwas für seine Mitmenschen erreichen möchte. Darum liebe und lebe ich die Feuerwehr. Der Grund, in die Politik zu gehen, lag in der Überlegung, neben dem Ehrenamt Feuerwehr noch mehr tun zu können. Ich bin in Hüllhorst geboren und lebe mein ganzes Leben hier. Ein Leben in guter Atmosphäre - das ist in meinem Herzen.

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