Hüllhorst/Australien „Tasmanien ist eine Herausforderung“

Reisebericht von unterwegs: Volker Schlums aus Hüllhorst fährt mit dem Rad durch Australien. Bisher hat er 6.500 Kilometer geschafft, unvergessliche Erfahrungen gemacht und nette Menschen getroffen

Hüllhorst/Australien (nw). Nachdem der Hüllhorster Volker Schlums in den vergangenen Jahren bereits Europa auf dem Fahrrad erkundet hatte, ist er zurzeit in Australien unterwegs – 8.000 Kilometer hatte er sich vorgenommen. Start war im Oktober in Cairns an der Nordostküste. Mittlerweile hat er die Insel Tasmanien erreicht und damit auch den südlichsten Punkt seiner Reise. In der NW berichtet er über seine Erlebnisse. Spektakuläre Natur und staubige Straßen auf der Insel im Süden „You will love Tasmania, but it’s hilly there.“ (Du wirst Tasmanien lieben, aber es ist hügelig dort). Das war der Satz, den ich immer wieder zu hören bekam, wenn ich in den ersten drei Monaten meiner Reise mit Australiern über meine Reiseroute gesprochen hatte. Die Insel im Süden vom Festland gilt für viele als die „Ferieninsel“. Und wenn man in den Urlaub fährt, nimmt man einige Dinge in einer anderen Sichtweise wahr. So erscheint dieser Satz in einem anderen Licht. Aus meiner Sicht als Europäer ist die Natur auf dem Festland genauso spektakulär wie in Tasmanien. Es gibt natürlich ein paar endemische Arten von Flora und Fauna und die Temperaturen sind im australischen Sommer eher gemäßigt. Die von der Hitze geplagten „Aussies“ empfinden das als angenehm. Ich denke, dass die Unterschiede zwischen Tasmanien und dem australischen Festland von uns Europäern nicht in der gleichen Art wahrgenommen werden. Den zweiten Teil der Aussage kann ich allerdings voll und ganz bestätigen. Es ist hügelig in Tasmanien. Und auf einer „Gravelroad“, einer unbefestigten Straße, ist es dazu staubig und anstrengend. Selbst bergab muss man mit hoher Konzentration fahren, um nicht zu stürzen oder mit anderen Fahrzeugen zu kollidieren. Denn motorisierte Fahrzeuge dürfen dort grundsätzlich bis 80 Stundenkilometer fahren. Die Ostküste Tasmaniens ist mit seinen weißen Stränden und den zum Teil rötlich und orangefarbenen Felsen wirklich schön. Die Verfärbungen kommen übrigens von einer Algenart. Die Namensgebung der „Bay of Fire“ im Norden von St.Helens begründet sich auf die Lagerfeuer der Aborigines, die die ersten Europäer dort sahen. Die „Wineglass Bay“ ist nur über einen Wanderweg oder mit dem Boot zu erreichen. Ich habe mir die Anstrengungen der Wanderung auferlegt, um den herrlichen Ausblick auf die Bucht zu genießen. Die Bootsfahrt mit dem Blick auf die steilste Felsenküste Australiens buchte ich bei Port Arthur und besuchte die alte Gefängnisanlage. Nachts wird eine Geistertour angeboten. Dort soll es nämlich spuken. Hobart ist die Hauptstadt Tasmaniens. Mit etwas mehr als 200.000 Einwohnern ist die an der Mündung des Derwent River und am Fuße des Mount Wellington gelegene Stadt gut zu erkunden. Steigung im Schneckentempo bewältigt Zum größten privat finanzierten Museum Australiens, dem Museum of Old and New Art, kann man mit einer Fähre fahren. Auf Bruny Island erreichte ich am Leuchtturm von Cape Bruny am 43. Breitengrad den südlichsten Punkt meiner Reise. Leider waren die Lichter der Aurora Australis nicht zu sehen. Der Weg durch die westlichen Berge zur Nordküste war ein wenig die „Tour der Leiden“. Einige Male musste ich wegen dem Gewicht meiner Ausrüstung die Steigung im Schneckentempo hochkriechen. Aber auch langsam kommt man ans Ziel und ich über die 6.500-Kilometer-Marke meiner Reise. Den Anstieg zum Craddle Mountain und den Weg nach Stanley zum Felsen „The Nut“ durfte ich auslassen. In Wynyard folgte ich der Einladung eines Ehepaares, das ich an der Bay of Fire getroffen hatte. Nicht nur, dass ich als Freund empfangen und bewirtet wurde, die beiden zeigten mir die Sehenswürdigkeiten mit dem Auto. So durfte ich meine Beine schonen und bekam viele Erklärungen über das Land und die Umgebung. Und ein kleines bisschen davon konnte ich zurückgeben. Sie begleiteten mich am Abend zu einem Spot zum Pinguine-Beobachten. Da dort ein Ranger anwesend war, erlebten wir unsere eigene Pinguin-Parade, ohne dafür zahlen zu müssen. Es schöner als auf Phillip Island, wo mehr als 1.500 Zuschauer dafür Eintritt zahlen. So beendete ich am 27. Januar meinen Besuch der südlichen Insel Australiens und kann nicht sagen: „Ich liebe Tasmanien, auch wenn es interessant war. Doch bleiben mir die Begegnungen mit lieben Menschen in guter Erinnerung.“

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