In der Zentrale: Der Hüllhorster Wehrleiter Michael Möller (l.) und sein Stellvertreter Maik Knollmann. - © Jan Ahlers
In der Zentrale: Der Hüllhorster Wehrleiter Michael Möller (l.) und sein Stellvertreter Maik Knollmann. | © Jan Ahlers

Hüllhorst Feuerwehr-Serie (4): Wie bei einem Großbrand vorgegangen wird

Jan Ahlers

Hüllhorst. Seit mehr als 30 Jahren ist Michael Möller bei der Freiwilligen Feuerwehr in Hüllhorst, seit 2011 in leitender Funktion. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm der Großeinsatz an der Industriestraße in Tengern Anfang Dezember, als eine Lagerhalle niederbrannte. Anhand dieses Beispiels rekonstruiert der Feuerwehrmann den Ablauf eines Einsatzes. Der Alarm "Um 00.18 Uhr klingelte der Melder", erinnert sich Möller. Schnell wusste er, was ihn erwartet - das Stichwort Dachstuhlbrand signalisierte einen erhöhten Bedarf an Kräften. "Das ist ein massiver Ernstfall", sagt Möller. Und hätte der Alarmierende noch präziser formuliert, wäre sogar auf den Brand eines Industriebetriebes hingewiesen worden. "Aber das kann im Notfall nicht erwartet werden." Während einige Kameraden, die ebenso wie Möller jederzeit über ein Funkmeldegerät alarmiert werden können, aus dem Schlaf gerissen wurden, befand sich Möller noch vor dem eigenen Computer. Umso schneller war er am Einsatzort. Auch, weil er vom Wohnort Oberbauerschaft im Eiltempo zum Gerätehaus raste. "Wir sind im Verkehr stets an die Sorgfaltspflicht gebunden", sagt Möllers Stellvertreter Maik Knollmann. "Aber nachts müssen wir auch im Privatauto Gas geben." Der erste Überblick Noch auf dem Weg hatte Möller durch weitere Alarmierungen und eine Nachricht vom Zugführer der Löschgruppe Ost von der Dringlichkeit der Lage erfahren. Vor Ort galt es, sich vor dem Flammenmeer einen Überblick zu verschaffen. "Erst Menschenleben, dann Sachwerte", ist die wichtigste Devise der Feuerwehr. "Und doch müssen wir bei großen Bränden abwägen, ob wir jemanden in das Feuer schicken. Ich bin für die Sicherheit meiner Leute verantwortlich", sagt Möller. In Tengern forderte er schnell Verstärkung aus den umliegenden Kommunen an. Bis zu 150 Einsatzkräfte wurden zunächst räumlich in eine Nord- und eine Südstaffel aufgeteilt, dann wurden weitere Abschnitte für die Löschwasserversorgung und die Betreuung eines Bereitstellungsraums erstellt, an dem Einsatzmittel und -kräfte versammelt werden. Über die Abschnittsleiter wiederum kommunizierte Wehrführer Möller mit den Einsatzkräften. "Allein könnte ich eine derartige Personenmenge nicht kontrollieren", sagt er ehrlich. Eine sogenannte Chaosphase, in der schnell ein Kontrollverlust über die Löschaktion droht, wird bei größeren Einsätzen einkalkuliert. "Es muss sich bei aller Emotionalität jeder an die Befehle halten", sagt Knollmann. "Nur so können wir den Durchblick behalten." Die Brandbekämpfung Keine Person befindet sich im Gebäude - diese Nachricht sorgte bei der Feuerwehr für erste Erleichterung. "Sorgen machten die angrenzenden Gebäude", sagt Möller. Vor allem das wenige Meter entfernte Autohaus war zwischenzeitlich akut gefährdet, sodass der Brand dort zuerst eingedämmt werden musste. Mehr als zwölf Stunden lang strömten schließlich Wasser und Schaum in die Halle, bis alle Glutnester beseitigt waren. "Danach ist der Einsatz aber noch nicht vorbei", sagt Möller. So halten einige Mitglieder der Feuerwehr nach dem Löschen Brandwache, um bei einem neuerlichen Aufflammen sofort eingreifen zu können. Der Nachgang Etwa 15 Stunden am Stück war Michael Möller auf den Beinen, hatte eine schlaflose Nacht hinter sich. "Müde wird man dennoch nicht. Das saugt das Adrenalin im Körper alles auf", sagt der Hüllhorster Feuerwehrchef, der den Großbrand an der Industriestraße als einen seiner längsten und kräftezehrendsten Einsätze beschreibt. Ist die Feuerwehr schließlich vom Einsatzort abgerückt, steht für Möller und Knollmann die Aufarbeitung an. "Wir beleuchten die Einsätze nochmals kritisch und ziehen für uns ein Fazit", sagt Knollmann. Sicherlich gebe es auch Fälle, wo nicht alles nach Plan verlaufe. In Tengern aber stimmten die Automatismen. "Wir haben Schlimmeres verhindert und den Brand auf die Halle begrenzt. Mehr war nicht möglich", sagt Möller. Dass von dieser am Ende nicht mehr als ein Haufen Asche blieb, konnten die zahlreichen Einsatzkräfte nicht verhindern. Denn als sie eintrafen, hatten sich die Flammen schon zu sehr ausgebreitet.

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