Espelkamp Was alles teuer wird

Politisches Kabarett mit Thilo Seibel äußerst abwechslungsreich und amüsant

Der Kabarettist Thilo Seibel. - © FOTO: RALF KAPRIES
Der Kabarettist Thilo Seibel. | © FOTO: RALF KAPRIES

Espelkamp. "Ou, Ou, das wird teuer!" klingt es oft aus Handwerkermund, ferndiagnostisch und drohend, wie Thilo Seibel meint, wenn im Haushalt etwas defekt ist und man den Fachmann bestellen muss.

Der Kölner Kabarettist, der am Samstagabend im Foyer des Neuen Theaters wieder auf ein aufgewecktes Publikum stieß, hatte sein Programm "Das wird teuer! Ein Polit-Handwerker greift durch" ganz auf die zwei Schienen Politik und Handwerk gestellt und arbeitete die daraus entstehenden Kontraste meist in Prosa, oft auch in Reimform, und immer gespickt mit skurrilen Ideen, in seinem Vortrag ab, der meist einem Dialog mit dem Publikum glich.

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Daneben schlüpfte er dann in seine Handwerker-Funktionsweste und gab die Figur des "Harry Meissner, der Dirty Harry des Regierungsviertels", ein Kölner Alleskönner-Handwerker, den es nach Berlin verschlagen hat. Der lieferte dann hand(werklich)feste Kommentare bei der Reparatur unter der "Kanzlerinamts"-Spüle hervor - "ganz so wie der Bürger Politiker sieht, weit weg und ganz oben" - Einblicke in die Welt der hohen Politik.

Der Unterschied zwischen Handwerkern und Politkern etwa sei, dass ein Handwerker mit seiner Warnung "das wird teuer" ehrlicherweise wenigstens vorher auf die entstehenden Kosten hinweist, während Politiker versuchen, diese mit allen Mitteln zu verschleiern. Außerdem haben Handwerker eine Ausbildung, Politiker aber nicht.
"Was würden Sie zum Beispiel sagen, wenn Sie wegen eines Rohrbruchs einen Installateur bestellen und da steht einer vor der Tür und sagt: ,Guten Tag, ich bin Jurist.’ Wüssten Sie da nicht gleich, dass der Mann keine Ahnung hat? Der weiß doch höchstens, wenn er was falsch gemacht hat, wie er da am günstigsten wieder raus kommt." Auch das wird teuer, wenn man nämlich das Regieren Leuten anvertraut, die nichts davon verstehen.

Und von denen glaubt Seibel, eine ganze Reihe zu kennen, allen voran Angela Merkel, der - laut Harry - "Mutter ohne Kopf", die das Aussitzen schon bei Kohl gelernt hat, sowie ihr französischer Freund, der Präsident "Sakotzi" und ihr problematisches Verhältnis zu seinem Nachfolger, "Herrn Holland".

Guido Westerwelle nervt mit stereotypen Sprüchen. Roland Profalla dient ihm ebenso gut als Watschenmann wie andere Kabarettisten auch, ganz so, als sei dies seine Haupt-Daseinsberechtigung in der Politik. Phillip Rösner und Markus Söder stehen dem allerdings kaum nach.

Horst Seehofer vertritt den bayrischen Unsinnspart ("Wir wollen bayerischen Strom") und am lustigsten wird’s bei "Ännerdschi Kommischenär Ganter Autinger in Braxel" - gemeint ist Günther Öttinger ("Jeder Arbeiter muss Englisch sprechen können"), seit dem 10. Februar 2010 EU-Kommissar für Energie und spätestens seit seiner Antrittsrede vor dem europäischen Parlament bekannt für sein miserables, aber dafür um so selbstsicherer angewendetes Englisch. YouTube lobt seine "Öttinger spricht Englisch"-Clips als "Hype des neuen Jahres", die insgesamt rund anderthalb Millionen Clicks erreichten und auch englisch (!) untertitelt zu haben sind.

Seibel schüttelte sein Publikum mit ganzen Lachsalven durch, indem er scheinbar Öttinger politische Sachverhalte, wie etwa das föderative System, in Deutschland, erklären ließ. Einzig ein Witz über Volker Kauder, Fraktionschef der CDU im Bundestag, ging fehl. Als Seibel erklären wollte, "was Volker Kauder zur angeblichen Dominanz Deutschlands in Europa gesagt hat", kam aus dem Publikum prompt: "Kauderwelsch!" Gemeint war Kauders Satz: "Endlich wird in Europa Deutsch gesprochen." Man müsse froh sein, dass er nicht gesagt habe: "Endlich wird in Deutschland wieder Deutsch gesprochen."

Auch Betreuungsgeld, Verfassungsschutz, Energiepolitik, Entmündigung des Menschen durch automatische Maschinen, Tierhaltung und Gleichstellung von Mann und Frau wurden an zum Teil mit äußerst skurrilen Beispielen abgehandelt. Das Publikum amüsierte sich köstlich. Einige folgten noch gern der Einladung Seibels zu einer kleinen Plauderei nach seinem Auftritt.

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