Ermittlungen: Wer ist wirklich Pfarrer und wo ist der geflohene Irre - dieser Frage geht Kommissar Tauber (Volker Kracht; Mitte) nach. Er verhört Arzt Claus Winter (Malte Klasing; v. l.), Pfarrer Arno Humpke (Ulrich Riebe), Präses Brennicke (Thomas Brennicke), Pfarrer Tübbing (Ingo Hanke), den als Pfarrer getarnten und Constanze bedrohenden Irren (Martin Wlecke). Fotos: Joern Spreen-Ledebur|| - © Joern Spreen-Ledebur
Ermittlungen: Wer ist wirklich Pfarrer und wo ist der geflohene Irre - dieser Frage geht Kommissar Tauber (Volker Kracht; Mitte) nach. Er verhört Arzt Claus Winter (Malte Klasing; v. l.), Pfarrer Arno Humpke (Ulrich Riebe), Präses Brennicke (Thomas Brennicke), Pfarrer Tübbing (Ingo Hanke), den als Pfarrer getarnten und Constanze bedrohenden Irren (Martin Wlecke). Fotos: Joern Spreen-Ledebur|| | © Joern Spreen-Ledebur

Espelkamp Verwirrspiel bis zum totalen Wahnsinn im Theater Espelkamp

Premiere: Das "Ensemble Espelkamp" übertraf sich mit seiner neuen Inszenierung im Neuen Theater selbst. Seichte Boulevard-Farce kam beim Publikum hervorragend an

Karsten Schulz

Espelkamp. Menschen, die fröhlich lachend im Theater sitzen und zwischendurch einfach ganz spontan klatschen? Im Rheinland oder in Teilen Süddeutschlands sicherlich keine Seltenheit, aber im östlichen Ostwestfalen, in Espelkamp sicherlich eine Seltenheit. Beim Stück "Lauf doch nicht immer weg" - im englischen Original bekannt unter dem Titel "See How They Run" - gespielt am Freitagabend vom Ensemble Espelkamp, stand man am Ende gar auf und spendierte stehende Ovationen. Stehende Ovationen Regisseurin Bärbel Brandt gelang wieder einmal ein großer Erfolg mit ihrem sehr gut aufgestellten Ensemble. Leider konnte die Trägerin der goldenen Espe nicht selbst der Premiere beiwohnen, da sie mit einem Knochenbruch in der Medizinischen Hochschule Hannover verbleiben musste. Der seichte Inhalt des Stücks ist schnell erzählt: Ein entflohener Psychopath (Martin Wlecke) verirrt sich in ein eigentlich beschauliches Pfarrhaus und stiftet dort Verwirrung. Denn während Pfarrer Lothar Tübbing (Ingo Hanke) verreist ist, kommt ein Jugendfreund seiner extrovertierten Frau Constanze (Katharina Borgmann), Notarzt Dr. Claus Winter (Malte Klasing), zu Besuch. Und weil außerdem Ersatzpfarrer Arno Humpke (Ulrich Riebe) sowie der Präses Diethard Brennicke (Thomas Kracht) eintreffen, gibt es letztendlich ein paar Pfarrer zu viel. Schließlich spielt eine um die Moral des Pfarrhauses und vor allem von Pfarrersgattin Constanze besorgte Frau Stillmann als Presbyterin (Angela Wlecke) für weitere aufregende Momente. Auch Polizeioberkommissar Tauber (Volker Kracht) bringt in dieses sich immer weiter ausbreitende Chaos keine Ruhe mehr herein. Im Gegenteil: Er verstärkt es durch seine Aufklärungsversuche noch. Getümmel auf der Bühne Am Schluss entspinnt sich auf der Bühne ein einziges Getümmel: Wilde Verfolgungsjagden durchs ganze Haus, eine immer wieder umfallende Presbyterin und Menschen, die sich in Schränke flüchten und wieder daraus befreit werden müssen. Letztendlich völlig sinnentleert, aber doch nicht ohne Wirkung und vor allem voller lustiger Effekte. Boulevard im Neuen Theater? Und ob: Da fliegen die Türen auf und zu, da rennen die Leute durch den Raum, und schrille Frauen fallen in Ohnmacht. Regisseurin Bärbel Brandt und ihr Team mit Produzentin Ute van Assema, Regieassistentin Janina Stünkel, Bühnenbildner Lukas Riechmann und Tim Steinweg, Techniker Olaf Schorlepp und Ralf Strobel sowie Maskenbildnerin Michaela Mech zeigen das Stück nämlich gleichsam in Anführungszeichen. Alles ist so wunderbar schwarz-weiß wie die seligen "Väter der Klamotte". So kann etwa der Herr Präses mit einem riesigen Koffer hereinstolzieren. Schön übrigens, wie der hohe Kirchenmann vom gewitzten Dienstmädchen Ida (Jenny Hauptfleisch) stets mit "Hoheit" angesprochen wird und auf seinen sanften Widerspruch prompt den Titel "Heiliger Vater" erntet. Die mondäne Pfarrersgattin und das kecke Dienstmädchen sind schon eine Schau, aber Frau Schillmann als altjungferliche Presbyterin, die veralbert, abgefüllt, herumgeschubst und versteckt wird, ist der Knüller des Abends. Tempo, kurze Gesten und Wortbeiträge Hervorragend gelungen ist es Regisseurin Bärbel Brandt, aus dieser klassischen Farce, bei der es nicht so sehr auf Inhalte, Zwischentöne und Charaktere geht, das Beste herauszuholen. So war das Spiel im Neuen Theater Espelkamp gekennzeichnet von Tempo, kurzen Gesten und Wortbeiträgen und entwickelt sich zum Schluss bis zum totalen Wahnsinn. Das Ensemble Espelkamp spielte voller Lust und Laune wunderbar mit, so dass man niemanden besonders herausheben sollte. Alle Rollen werden glaubwürdig ausgefüllt.

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