Trübe Aussichten: Der Autositzhersteller Adient will nach bisherigen Planungen im Januar 2018 den ersten Teil seines Werkes in Espelkamp „stilllegen". Aus Sicht der Gewerkschaft könnte der Standort bis 2020 betrieben werden, wenn die Sitzmodelle auslaufen. - © Joern Spreen-Ledebur
Trübe Aussichten: Der Autositzhersteller Adient will nach bisherigen Planungen im Januar 2018 den ersten Teil seines Werkes in Espelkamp „stilllegen". Aus Sicht der Gewerkschaft könnte der Standort bis 2020 betrieben werden, wenn die Sitzmodelle auslaufen. | © Joern Spreen-Ledebur

Espelkamp Gewerkschaft sorgt sich um 257 Jobs bei Adient in Espelkamp

Das Werk in Espelkamp könnte in seiner jetzigen Größe bis zum Jahr 2020 erhalten bleiben, sagt die Gewerkschaft. Daran aber habe die Geschäftsführung kein Interesse

Joern Spreen-Ledebur

Espelkamp. Stefan Wiegmann vom Betriebsrat der Firma Adient (vormals Johnson Controls) bringt es auf den Punkt: „Die Stimmung in der Belegschaft ist sehr schlecht." Seitdem im Werk Espelkamp, das geschlossen werden soll, nun auch 30 Mitarbeiter aus Rumänien und Slowenien aktiv sind, sei die Stammbelegschaft am Boden. „Die Leute sind nicht mehr bereit", sagt Betriebsrat Wiegmann. „Sie sehen, was der Geschäftsführung die Mitarbeiter wert sind: nichts." Bereits im Sommer vorigen Jahres hatte der Autositz-Hersteller Adient angekündigt, das Werk am Brandenburger Ring in Espelkamp dichtmachen zu wollen. Damals waren weit mehr als 300 Mitarbeiter betroffen, merkt Lutz Schäffer von der IG Metall an, der am Freitag zur Situation bei Adient Seating Stellung nahm. Seitdem habe es endlose Gespräche mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft gegeben zur Frage, „ob und wie die Werksschließung erfolgen soll". Noch gebe es den Standort Espelkamp der mittlerweile zu „Adient Seating" ausgegliederten Firmengruppe des in den USA beheimateten Johnson Controls-Konzerns. Die Geschäftsführung plant wie berichtet, dass Anfang des kommenden Jahres die erste Phase der „Stilllegung" abgeschlossen sein soll und mehr als die Hälfte der Mitarbeiter ihre Jobs verliert. Bis Ende 2019 sollen dann die verbliebenen Mitarbeiter auf der Straße stehen und das Werk geschlossen werden. Aus Sicht von Betriebsrat und Gewerkschaft könnte das Werk in Espelkamp aber noch bis 2020 in der jetzigen Größenordnung erhalten bleiben. Gewerkschafter Lutz Schäffer verweist darauf, dass erst 2020 die meisten Sitzmodelle bei den Kunden aus der Automobilindustrie auslaufen. Ginge man vernünftig mit der Belegschaft um und würde respektieren, dass sie teils schon sehr lange in Espelkamp arbeite, dann würde die Geschäftsführung anders handeln, so Lutz Schäffer. Die Geschäftsführung könnte dann sagen, dass man vielleicht nicht dauerhaft in Espelkamp produzieren könne, das aber bis Ende 2020 tun werde. Schäffer: „Das will man nicht." Stattdessen würden nun mit erheblichem finanziellen Aufwand Maschinen nach Slowenien gebracht, um dort Teile zu fertigen, „für die 2020 sowieso Ende ist". Die Maschinen könnten auch in Espelkamp eingesetzt werden, doch lehne die Geschäftsführung das mit den Hinweis ab, dann Verluste zu produzieren. „Aber die Verlegung kostet auch Geld", merkt Gewerkschafter Lutz Schäffer an. Die Geschäftsführung werfe Geld heraus, sei aber zu Gesprächen über einen vernünftigen Sozialplan nicht bereit, ergänzt Stefan Wiegmann. Betroffen seien derzeit noch 257 Mitarbeiter. Durch die Verlagerung eines Teils der Fertigung „ohne Not" nach Slowenien solle bereits zu Beginn des nächsten Jahres ein großer Teil der Jobs in Espelkamp verloren gehen. Lutz Schäffer, Geschäftsführer der Mindener IG Metall, nennt das Verhalten der Geschäftsführung „beratungsresistent". Schäffer: „Unser Ziel ist es, möglichst lange möglichst viele Arbeitsplätze in Espelkamp zu halten. Arbeit ist bis Ende 2020 vorhanden." Und jetzt würden in Espelkamp mehr als 30 Menschen aus Slowenien und Rumänien eingesetzt – angeblich um die Produktion hier aufrecht zu erhalten, so Schäffer. Personalengpässe als Begründung, das glauben weder der Gewerkschafter noch der Betriebsrat. Die Slowenen und Rumänen sollten hier angelernt werden, damit noch schneller verlagert werden könne. Das sei seine Vermutung, so Schäffer. Diese Vermutung teilt auch Wiegmann. Derzeit laufen Verhandlungen über einen Interessensausgleich und Sozialplan, so Schäffer. Hier scheint es erhebliche Differenzen zu geben. Das Angebot der Arbeitgeber sei meilenweit von den Forderungen des Betriebsrates und der IG Metall entfernt. Lutz Schäffer: „Da liegen Welten zwischen." Von der Adient-Geschäftsführung war am Freitagnachmittag keine Stellungnahme zu erhalten.

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