Mit der Baggerschaufel den Wacholder kredenzt: Siegbert Riemer (Baggerführer, im Cockpit links) und einige Besucher freuten sich über diesen besonderen Service und nahmen gerne die Einladung an. - © Stephan Pfeiffer
Mit der Baggerschaufel den Wacholder kredenzt: Siegbert Riemer (Baggerführer, im Cockpit links) und einige Besucher freuten sich über diesen besonderen Service und nahmen gerne die Einladung an. | © Stephan Pfeiffer

Espelkamp-Vehlage Stadtführer zeigten die neuen Energien eines alten Dorfes

Dorfgemeinschaft sorgte mit den Landfrauen für das Rahmenprogramm

Stephan Pfeiffer

Espelkamp-Vehlage (nw). Unter dem Motto: "775 Jahre Vehlage und seine erneuerbaren Energien" hatten die Stadtführer, zusammen mit der Dorfgemeinschaft, Samstagnachmittag zum Rundgang auf die Biogas-Anlage Hohmeier eingeladen, auf der sich auch die ortsansässige Windconcept GmbH präsentierte. 60 interessierte Besucher konnten erfahren, wie Strom und Wärme aus Windkraft, Biogas und Sonne erzeugt wird. Gefüllte Schnapsgläser mit Baggerschaufel präsentiert "Oft wird bei Jubiläen nur die Geschichte eines Ortes aufgearbeitet, deshalb hatten wir die Idee, modernste Technik im Dienste erneuerbarer Energien zu zeigen", erklärte Stadtführer Karl-Heinz Tiemeier in seiner Begrüßungsrede. Gemeinsam mit seinen Kollegen Wolfgang Hintersdorf, Katharina Klassen-Junge und Ingrid Lomberg, der Dorfgemeinschaft und deren Vorsitzendem Horst Schröder, Ortsvorsteher Friedhelm Meier und Ortsheimatpfleger Andreas Trocha setzte man das Motto "Ein Dorf mit Zukunft" durch die Veranstaltung auf dem Hof der Familie Hohmeier um. Wer sich die Anlage an der Leverner Str. 1 einmal ganz aus der Nähe anschauen wollte, konnte sich zu Beginn der Führung erst einmal einen Begrüßungs-Wacholder abholen. Doch etwas Mut gehörte schon dazu, denn die Schnapsgläschen schenkte Siegbert Riemer auf seine ganz besondere Art ein - mit dem eineinhalb Meter breiten und 250 Kilogramm schweren Löffel seines Fünf-Tonnen-Baggers. Den hatte der Inhaber des örtlichen Tiefbauunternehmens mitgebracht, und man konnte nur darüber staunen, wie filigran man mit so einer Maschine umgehen kann. Staunen konnten die Besucher auch, als Marc Hohmeier, Geschäftsführer der Biogas GmbH, anschaulich erklärte, wie man aus Pferdemist, Gülle, Mais und Grassilage ein Blockheizkraftwerk betreibt, das dann Strom erzeugt. "Wir wollen weg von der übermäßigen Verwendung von Silomais und hin zur Verwertung von Feldresten oder schwerverdaulichen Stoffen", meint Anlagenbetreiber Hohmeier. Die Energie, die man braucht, um die Häcksler zu betreiben, die die landwirtschaftlichen Abfallprodukte zerkleinern, wird durch die hauseigene Photovoltaikanlage - also durch Sonnenergie - erzeugt, so dass ein in sich geschlossenen System entsteht. Wer alles noch genauer wissen wollte, konnte sich außerdem an Patrick Vögeding wenden, denn der erklärte anhand eines Videofilms detailreich, wie zum Beispiel Maisstroh - Abfall, der nach dem Dreschen anfällt - in der Biogasanlage zum Stromlieferanten wird. Im Bierzelt hatte die Dorfgemeinschaft zusammen mit den Landfrauen für alle Hungrigen und Durstigen leckeren Kaffee und Kuchen, sowie knackige Grillwürstchen vorbereitet. Auch Reinhard Steinmann, Geschäftsführer der Windconcept GmbH, wusste an seinem Stand Erstaunliches zu berichten: Die Firma plant, entwickelt und errichtet Windkraftprojekte umweltbewusster Investoren und hat bereits sechs Anlagen im Raum Espelkamp mit einer Gesamtleistung von 6,3 Megawatt realisiert. In einem normalen Windjahr produzieren die Anlagen ungefähr neun Millionen Kilowattstunden - mehr Strom, als 2.500 Vier-Personen-Haushalte jährlich verbrauchen. "Ich würde mich freuen, wenn in Espelkamp die Suche nach Windeignungsflächen weitergeht", sagt Steinmann.

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