Gerd Könemann vom Geschichtskreis Espelkamp. - © Joern Spreen-Ledebur
Gerd Könemann vom Geschichtskreis Espelkamp. | © Joern Spreen-Ledebur

Espelkamp Gerd Könemann befasst sich mit einem Gründervater Espelkamps

"Lichtgestalt" Birger Forell in Buchform

Espelkamp. „Er war einer der großen Visionäre des 20.Jahrhunderts". Sagt Gerd Könemann, Mitglied im Espelkamper Geschichtskreis und fast 40 Jahre Lehrer am Söderblom-Gymnasium. Dort gab er vorwiegend Physikunterricht und versuchte, seinen Schützlingen die Welt vor allem aus dem technischen Blickwinkel zu erklären. Im Ruhestand ging er unter die Schriftsteller. Grund hierfür war für ihn vor allem die „faszinierende Persönlichkeit und Lichtgestalt" von Birger Forell, ohne den Espelkamp wohl nicht zu einem funktionierenden Gemeinwesen erwachsen wäre. Er hat sich das Buch von Dr. phil. Gustav Ögren vorgenommen, der sich sehr intensiv mit dem lutherischen Pfarrer auseinandergesetzt hat. Dessen 171 Seiten umfassende Biographie hat Könemann in vielen ehrenamtlichen Stunden Wort für Wort übersetzt. Hilfe hatte er dabei vom Espelkamper Geschichtskreis, der das Projekt des in Hille lebenden Physiklehrers und Espelkamp eng verbundenen Hobbyhistorikers gerne unterstützte. Das Buch mit dem Titel „Unter Kriegsgefangenen und Flüchtlingsbauern" lehnt sich ganz eng an den Originaltext und an das Tagebuch Birger Forells. Könemann und der Espelkamper Geschichtskreis freuen sich, ein Exemplar der Biografie an die Birger Forell-Sekundarschule heute überreichen zu können. Könemann: „Wir verhelfen damit der neu entstehenden Schule zu einer eigenen Geschichte und Wurzeln zu bilden." Außerdem sei Forell trotz seiner sehr bedeutenden Arbeit nach dem Krieg für ganz Europa und insbesondere für die Stadt Espelkamp immer noch relativ unbekannt. Forell sei im Gegensatz zum ebenfalls sehr bedeutenden Nathan Söderblom „immer der Praktiker gewesen", so der Übersetzer. Könemann selbst ist durch die Partnerschaft mit Boras mit der schwedischen Sprache und Kultur in Berührung gekommen. Mehr als 30 Jahre habe er diese immer mitgetragen und sich dabei die Sprachkenntnisse erworben. Birger Forell – aktiver Gegner des Nazi-Regimes Birger Forell wurde am 27. September 1893 in Söderhamn (Schweden) geboren, er starb am 4. Juli 1958 im schwedischen Borås, der Partnerstadt Espelkamps. Er war ein schwedischer evangelisch-lutherischer Pfarrer und setzte sich vor allem für Flüchtlinge während des Zweiten Weltkriegs und danach ein. Forell studierte ab 1919/1920 Theologie an den Universitäten Tübingen und Marburg. Von 1929 bis 1942 war er Pfarrer an der schwedischen Kirche in Berlin und ein entschiedener Unterstützer der Bekennenden Kirche. Er half Verfolgten des NS-Regimes und wurde von der Gestapo überwacht. Auf Drängen der Nationalsozialisten wurde er nach Schweden zurückberufen und war von 1942 bis 1951 Pfarrer in Borås. Ab 1947 setzte sich Forell dafür ein, auf dem Gelände der ehemaligen Munitionsanstalt der Wehrmacht in Mittwald die Flüchtlingsstadt Espelkamp zu gründen. 1948 konstituierte sich in Mittwald das Komitee für christliche Nachkriegshilfe, das als Schwedenhilfe gespendete Lebensmittel, Bekleidung und Geld verteilte. Schulen und Plätze sind in Espelkamp nach ihm benannt.

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