In der Rentei: Angelika Gauselmann vom Schloss Benkhausen liest der interessierten Besuchergruppe aus den Forschungsergebnissen des Professor Pöppinghege vor. - © NW
In der Rentei: Angelika Gauselmann vom Schloss Benkhausen liest der interessierten Besuchergruppe aus den Forschungsergebnissen des Professor Pöppinghege vor. | © NW

Espelkamp Interessante Geschichten in der Rentei von Schloss Benkhausen über Baron von dem Bussche-Münch

Spaziergang mit Geschichte

Espelkamp-Gestringen. Erste Bäume im Benkhausener Park verfärben sich bereits. Die trockenen Blätter bilden auf den Gehwegen und unter den prächtigen Riesen im englischen Garten einen weich federnden Unterbau, der sich in den warmen Rottönen der Herbstsonne widerspiegelt. Auch auf den Wegen sind erste Boten des Herbstes zu finden. Angelika Gauselmann führte kürzlich eine Gruppe von Interessierten auf den Wegen durch den Park. In Kooperation mit den Espelkamper Stadtführern hatte sie in die eindrucksvoll gestaltete Grünzone eingeladen, die sich gerade in diesen sonnendurchfluteten warmen Spätsommertagen zur vollen Pracht entfaltet. Gut 40 Personen, darunter auch eine Geburtstagsgesellschaft, folgten ihren Spuren und waren beeindruckt vom Wissen Angelika Gauselmanns. So wusste sie auch zu einigen der zum Teil Jahrhunderte alten Baumriesen interessantes zu berichten. In eine Schlitz-Buche hatte vor vielen Jahren der Blitz eingeschlagen. Trotz der Zerstörung begann sie wieder auszuschlagen - fast ein Naturwunder. Angelika Gauselmann erzählte von dem Unwetter Ende Juni, das vor allem in Rahden und der Altgemeinde Zerstörungen anrichtete. "Da hatten wir im ganzen Schloss Stromausfall. Das ging sogar bis zu meiner Fritz-Box. Nichts ging mehr", erinnerte sie sich. Anschließend ging es in die Rentei, die zu Zeiten des Barons von dem Bussche-Münch für die Arbeiter und Angestellten auf dem Gutsbetrieb die Zahlstelle war. Bei einem kühlen Getränk oder einem Kaffee las Angelika Gauselmann hier einige Passagen aus den Erläuterungen des Professor Pöppinghege von der Universität Paderborn vor, der sich intensiv mit der Geschichte des Schlosses und auch mit der Familiengeschichte der Besitzer beschäftigt hatte. Auch die Baronin Helga von dem Bussche-Münch ließ er dabei nicht aus. Erwähnt wurden ihre Tagebuch-Eintragungen aus den Jahren 1933 bis 1939. Dabei wurde deutlich, dass sich die Baronin oftmals einsam und verlassen fühlte und auch die Abgeschiedenheit des Gutes nicht sehr schätzte. So lud sie oft Besucher ein. Ihren Mann nannte sie in ihren Briefen und Eintragungen übrigens immer "Peter". "Wir wissen nicht warum und wieso", so Angelika Gauselmann. Einen sehr hohen Stellenwert hatte die angenommene Tochter Christa, wie sich den Aufzeichnungen entnehmen lässt. Alhardt von dem Bussche-Münch war von 1935 bis 1945 ehrenamtlicher Bürgermeister im Amt Alswede. Beschäftigt waren auf dem Schloss überwiegend ausländische Arbeitskräfte. Dabei handelte es sich in der Regel um zivile Zwangsarbeiter aus West- und Osteuropa. Immer wieder wird die Nähe des Barons zum Nationalsozialismus deutlich, wie Pöppinghege in seinen Aufzeichnungen darstellt. "Er war ein loyaler Funktionsträger des NS-Herrschaftssystems", schrieb Pöppinghege. Der Baron musste mehrmals Land verkaufen, um die leeren Kassen des Gutes zu füllen. Allein 1931/32 waren es 300 Morgen, für die er 480.000 Reichsmark erhielt. Dabei handelte es sich um Bauplätze und landwirtschaftliche Parzellen. Auch die Wehrburg in Spenge gehörte einmal zu Benkhausen. Auf der anderen Seite stellte der Baron für kommunale Straßenbauprojekte seine Flächen kostenlos zur Verfügung. Später verkaufte er auch Forstbesitz in Mittwald. Das war der Grundstein für den späteren Bau der Muna. Auf dem Besitz in Benkhausen wuchsen besonders gut Apfel- und Birnenbäume. Ihre Früchte hatten eine so hohe Qualität, dass das Nobelhotel Adlon in Berlin damit beliefert wurde. Schließlich führte Gunter Kramer die Gruppe noch zur Begräbnisstätte. Hier konnte in Augenschein genommen werden, dass der Baron "unter Dornen" begraben liegt.

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