Wieder zurück in OWL: Superintendent Uwe Gryczan begrüßte gestern Espelkamps neue Pfarrerin Katharina Blöbaum. In ihrer Freizeit geht die 33-Jährige ins Fitnessstudio, liest historische Sachbücher oder fotografiert. - © Foto: Jemima Wittig
Wieder zurück in OWL: Superintendent Uwe Gryczan begrüßte gestern Espelkamps neue Pfarrerin Katharina Blöbaum. In ihrer Freizeit geht die 33-Jährige ins Fitnessstudio, liest historische Sachbücher oder fotografiert. | © Foto: Jemima Wittig

Espelkamp Neue Pfarrerin ist eine waschechte Ostwestfälin

Große Aufgabe: Katharina Blöbaum ist neue Geistliche des Thomas-Gemeindebezirks. Die gebürtige Bünderin kommt gerade aus Jerusalem. Von dort hat sie auch für ihre Arbeit in Espelkamp einiges mitgenommen

Jemima Wittig

Espelkamp. Sie ist erst 33 Jahre alt, geht gerne ins Fitnessstudio und kommt gerade aus Jerusalem. Jetzt übernimmt Katharina Blöbaum die Nachfolge von Martina Nolte-Bläcker, die im Mai als erste Pfarrerin des Thomas-Gemeindebezirks entpflichtet wurde. Bereits seit Anfang des Monats ist die Pfarrerin im Probedienst im Kirchenkreis. "Alle Menschen sind mir bislang mit viel Offenheit und Herzlichkeit begegnet", sagte Blöbaum. Am kommenden Sonntag wird sie dann offiziell um 11 Uhr im Gottesdienst von Pfarrer Falk Becker begrüßt. "Wir sind froh über den fast nahtlosen Übergang", sagte Superintendent Uwe Gryczan beim gestrigen Pressetermin im Kreiskirchenamt in Lübbecke. "So kann die Gemeindearbeit in geordneten Bahnen weitergehen." »So wie die Menschen hier ticke ich halt auch« Blöbaum ist gerade nach Espelkamp gezogen, findet sich jetzt in der Gemeinde ein und "muss erst mal alle Wege finden". Das meint sie nicht nur räumlich. Am 22. Juni wird in einer Klausurtagung des Presbyteriums überlegt, wie die Aufgaben in der Gemeinde mit den zwei Pfarrbezirken in Zukunft verteilt werden. Katharina Blöbaum ist "Ostwestfälin durch und durch", wie sie selbst sagt. Immerhin wurde sie in Bünde geboren und wuchs in Kirchlengern auf. Ihr Vikariat absolvierte die 33-Jährige in Versmold im Kirchenkreis Halle. Ihr Wunscheinsatzgebiet war immer Ostwestfalen-Lippe. "Jede Region hat ihr eigenes Denken. So wie die Menschen hier ticke ich halt auch." Wie unterschiedlich das Denken sein kann, hat sie während ihres Sondervikariats in einer evangelischen Gemeinde in Jerusalem gemerkt. "Kultur und Leben dort sind einfach ganz anders." Sie wollte wissen, wie sich das Christsein andernorts gestaltet und ging daher für sechs Monate in ein Land, wo "der Anteil der Protestanten nicht messbar ist. Die meisten Christen dort gehören der orthodoxen Kirche an. In Jerusalem herrscht eine ganz andere Frömmigkeit." Besonders in Erinnerung seien ihr die Menschen geblieben, die sich in der Grabeskirche auf den Grabstein geworfen haben oder die, die singend durch die Via Dolorosa gezogen sind." Nur etwa hundert Meter von der Grabeskirche entfernt arbeitete Blöbaum in der evangelisch-lutherischen Erlöserkirche. Die Gemeinde bietet Deutsche in Jerusalem die Möglichkeit, am kirchlichen Leben in einer deutschsprachigen Gemeinde teilzunehmen. "Wenn man hier aufgewachsen ist, denkt man, die ganze Welt ist voller evangelischer Christen. Das ist aber einfach nicht so." Durch die vielen Freikirchen in Espelkamp steht sie aber auch im Mühlenkreis vor einer Herausforderung. "Der Brand der Kirche vor einigen Wochen hat gezeigt, wie sich alle Gemeindemitglieder füreinander einsetzen", sagte der Superintendent. "Wenn alle an einem Strang ziehen, kann in Espelkamp gute Gemeindearbeit entstehen. Wir versuchen auf personeller Ebene wieder einiges zusammen zu bringen." Damit meint er den Streit der Gemeinde im Zuge des Baus des Gemeindezentrums an der Thomaskirche und dem möglichen Verkauf der Michaelskirche. Ende des Jahres wird Pfarrer Becker in den Ruhestand gehen. "Auch die Stellenfrage muss noch geklärt werden", so Gryczan. Dass sie alles Kommende mitgestalten kann, findet Blöbaum besonders gut. "Ich lasse alles auf mich zukommen. Sonst wäre es ja auch langweilig", sagte sie und lacht. Ihren ersten Gottesdienst in der neuen Gemeinde hält Katharina Blöbaum am 24. Juni.

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