Ungewöhnliches Gespann: Sarah Bahlmann (v. l.), Martina Jürgensmeier, Franziska Noack und Laura Noack sowie der 28 Tage alte Säugling Lennart unterwegs auf Isenstedter Straßen. - © Karsten Schulz
Ungewöhnliches Gespann: Sarah Bahlmann (v. l.), Martina Jürgensmeier, Franziska Noack und Laura Noack sowie der 28 Tage alte Säugling Lennart unterwegs auf Isenstedter Straßen. | © Karsten Schulz

Espelkamp-Isenstedt Mit Bollerwagen auf Muttertags-Tour

Ungewöhnliches Gespann: Vier Frauen zogen durch die Gemeinde, wie es die Männer am Vatertag vormachen. Einziges männliches Wesen war der 28 Tage alte Lennart, den sie im Kinderwagen mitzogen

Karsten Schulz

Espelkamp-Isenstedt. Was die Väter an ihrem „Vatertag" können, das können die Frauen schon lange. Das sagte sich Franziska Noack, die seit Beginn der 80er Jahre mit ihrem Mann Norbert an der Isenstedter Straße wohnt, bereits seit einiger Zeit. Mit Argwohn beobachtete sie die Rituale des männlichen Geschlechtes an deren Ehrentag. Heerscharen von Vätern und Nichtvätern zogen an ihrem Haus vorbei, viele mit Fahrrad dabei, die meisten jedoch zu Fuß mit Bollerwagen unterwegs, der prall gefüllt mit diversen Getränken war. An bestimmten Stellen in heimischen Gefilden kam man mit anderen Vertretern des gleichen Geschlechtes zusammen. Diese waren mit ähnlichen Gerätschaften unterwegs, um einen lustigen Tag zu verleben. Schließlich gab es gemeinsame Treffpunkte wie beispielsweise Bad Fiestel, wo sich heute das Landgasthaus „Schulenburg / Bad Fiestel " befindet. Dort waren öffentlich bekannte Sammlungspunkte. „Drei Jahre lang habe ich mir das Schauspiel angeschaut und nichts gemacht. Das hat in diesem Jahr ein Ende", sprach’s und setzte sich mit ihrer Freundin Martina Jürgensmeier zusammen. Die Frauen heckten gemeinsam eine besondere Aktion aus, die es wohl so in Espelkamp und Umgebung noch nie gegeben hat, wie sie nachforschten. Sie nahmen sich die männlichen Attribute als Vorbild und verwandelten sie in einen Kinderwagen und einen hübsch drapierten niedlichen kleinen Bollerwagen, der mit einer blauen Plane überzogen war, auf dem geschrieben stand: „Liebe Grüße an die Mütter." In mehreren Vorbereitungsabenden setzten sie schließlich ihr Vorhaben auch optisch in die Tat um. Und am Sonntag, 13. Mai, war es schließlich so weit. Auf einem schönen Bauernhof, dort wo die Zwetschenstraße auf die Niederfeldstraße trifft, kam man schließlich zusammen, um von hier aus das Unternehmen zu starten und die kleine Landgemeinde unsicher zu machen. Der Bollerwagen wurde von den Enkeln Mia und Arne ausgeliehen, mit diversen Getränken bestückt – und schon ging es auf die Piste. So ging es einige Kilometer durch die Landgemeinde. Zunächst nahmen die Frauen Kurs auf die Nachbargemeinde Frotheim, anschließend ging es es den Kirchhügel hinauf, um schließlich dort den Blick über das weite Lübbecker Land zu genießen. Das einzige männliche Wesen war der erst 28 Tage alte Lennart. „Den mussten wir im Kinderwagen mitnehmen, weil er regelmäßig seine Milch von seiner Muter benötigt. Das war einfach Pflichtprogramm", sagt Franziska Noack. Eines hatte sie ihren Männern Zuhause schon lange gepredigt. „Am Muttertag möchte ich auf keinen Fall Blumen haben. An diesem Tag gerade nicht, ansonsten könnt ihr mir immer Blumen schenken, so viel ihr wollt." Statt der Blumen gab es jetzt die Muttertags-Tour, mit der sich das weibliche Quartett selbst belohnte. Wieder Zuhause angekommen, kam die zweite Belohnung gleich hinterher. Die Männer hatten sich nämlich ebenfalls zusammengetan und verabredet, für ihre besseren Hälften einen Krustenbraten mit diversen Salaten zu kochen. „Darauf freuten wir uns schon alle", sagte Franziska Noack.

realisiert durch evolver group