Gegen Mittag war das Feuer im Glockenturm der Espelkamper Thomas-Kirche ausgebrochen. - © Joern Spreen-Ledebur
Gegen Mittag war das Feuer im Glockenturm der Espelkamper Thomas-Kirche ausgebrochen. | © Joern Spreen-Ledebur

Espelkamp Feuer in Espelkamper Thomaskirche unter Kontrolle

An der Breslauer Straße: Gesamte Feuerwehr im Einsatz. Unterstützung aus Lübbecke, Rahden und Minden angefordert

Kirsten Tirre
Angelina Kuhlmann

Joern Spreen-Ledebur

Sandra Spieker-Beutler

Espelkamp. Die Espelkamper Thomaskirche an der Breslauer Straße/Isenstedter Straße war am Donnerstagvormittag in Brand geraten. Das Feuer war weithin sichtbar. Dachdecker hatten den Brand in der Kirche als erste bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. Kantor Tobias Krügel hatte noch versucht, die ersten Flammen mit einem Feuerlöscher zu bekämpfen. Jedoch ohne Erfolg. Die gesamte Espelkamper Wehr war im Einsatz. Zur Unterstützung wurde die Lübbecker Feuerwehr mit einer Drehleiter sowie die Werkfeuerwehr des Chemieunternehmens Siegfried aus Minden mit ihrem Gelenkmast angefordert. Es brannte im 34 Meter hohen Turm oberhalb der Glocken, "die Hitzeentwicklung ist enorm", sagte ein Feuerwehrmann, der zu den ersten Einsatzkräften vor Ort gehörte. Erst am Nachmittag war das Feuer zumindest unter Kontrolle. Wie die Polizei berichtete, stellten die großen Kupferplatten auf dem Dach eine besondere Herausforderung dar. Der eigentliche Brandherd sei dadurch schlecht erreichbar gewesen. Wegen der Löscharbeiten war die Isenstedter Straße gesperrt. Auch der östliche Teil der Breslauer Straße rund um das Nahversorgungszentrum war abgesperrt. Die Straßen direkt an der Thomaskirche bleiben zunächst bis Freitag gesperrt. Häuser in der Nähe des Kirchturms evakuiert Die Feuerwehr hatte rund 50 Bewohner der Häuser im Umkreis der Thomas-Kirche vorsorglich evakuiert, die evangelische Martinsgemeinde öffnete für sie das Michaelshaus am Tannenbergplatz. Diese Unterkunft wurde aber nur sporadisch genutzt. Es bestand über Stunden die Sorge, dass der Kirchturm einstürzen könnte. Wegen des Feuers wurden Schüler aus den unteren Klassen der angrenzenden Schulen vorzeitig nach Hause geschickt. Die Birger-Forell-Realschule hatte bereits nach der 5. Stunde unterrichtsfrei. Turmkonstruktion könnte in sich zusammenbrechen Entwarnung gab am Abend ein Statiker: Die Bewohner konnten in ihre Häuser zurückkehren. "Der Kirchturm aber ist im oberen Bereich nicht mehr eindeutig tragfähig", sagte Feuerwehrsprecher Volker Dau mit Verweis auf den Statiker. Würde die Konstruktion zusammenbrechen, dann fiele der Turm in sich zusammen und nicht auf die benachbarten Häuser. Nach ersten Erkenntnissen brach der Brand bei Dachdeckerarbeiten an einem Anbau neben dem Turm aus. Seit Mai 2017 wird an die Kirche ein neues Gemeindezentrum angebaut. Die Handwerker hätten sich an die Vorschriften gehalten und auch zwei Feuerlöscher dabei gehabt, sagte Polizeisprecher Ralf Steinmeyer. Die Ermittlungen der Polizei dauern an. "Wir sind dankbar, dass keine Personen zu Schaden gekommen sind und dass die Feuerwehr Espelkamp verstärkt durch Feuerwehreinheiten aus Lübbecke und Minden in Kooperation mit dem Roten Kreuz mit einem Großaufgebot den Brand bekämpfen", sagte der Vorsitzende des Presbyteriums, Pfarrer Falk Becker, der gestern gemeinsam mit dem Superintendenten des Kirchenkreises Lübbecke, Uwe Gryczan, vor Ort war. Wie es nun weitergeht, ist noch etwas unklar. "Es soll aber alles wieder so sein wie es war", deutete Becker den Wiederaufbau des Turms an. Kirchturm seit 1963 ein Wahrzeichen Espelkamps Für die Thomaskirche der evangelischen Martinsgemeinde Espelkamp wurde 1960 der Grundstein gelegt. Zu Muna-Zeiten stand hier ein Feuerwachtturm. Die Einweihung der Kirche, die als modernes Bauwerk konzipiert wurde und nicht alte Baustile kopieren sollte, fand 1963 statt. Viele Passanten, hinter der Absperrung, zeigten sich gestern erschüttert von dem Brand der Thomaskirche. "Der Turm besteht ja eigentlich nur aus Stahl. Es ist mir unerklärlich, dass das so brennen kann", sagte Gunter Kramer aus Espelkamp, der die Sirenen gehört hatte und zur Kirche eilte. Claudia Oetker stand mit ihrem Rollstuhl hinter einem Absperrband und beobachtete das Szenario. "Ich bin hier neben der Kirche aufgewachsen", sagte die Espelkamperin. "Eigentlich wollte ich einkaufen gehen, da kam mir ein Bekannter entgegen und meinte, dass die Thomaskirche brennt. Da hab ich gesagt "Mach keinen Quatsch"", berichtete sie. Robert Weiß gehört zu den Anwohnern, die zunächst ihre Wohnung an der Isenstedter Straße verlassen mussten. Am Nachmittag stand er mit Bekannten vor der Haustür mit einem Kaffee in der Hand. "Wir sollten alle raus, hat das Ordnungsamt gesagt, weil der Turm umkippen könnte", sagte er. "Das war das Wahrzeichen von Espelkamp", sagte ein weiterer Anwohner.

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