Bruterfolg: 2016 überlebte ein Jungtier. - © Foto: Sven Eckert
Bruterfolg: 2016 überlebte ein Jungtier. | © Foto: Sven Eckert

Espelkamp-Altgemeinde Der einzige Storch in Espelkamp

Sven Eckert freut sich darüber, dass "sein" Adebar sogar bei ihm überwintert hat. Hoffen auf die Rückkehr der Partnerin und auf Nachwuchs im Sommer

Karsten Schulz

Espelkamp-Altgemeinde. Obwohl der Storch von Sven Eckert an der Fabbenstedter Straße 31 erst seit drei Jahren heimisch ist, könnte der 30-Jährige schon fast ein kleines Buch über ihn schreiben. Er gehört - gemeinsam mit der Storchenpartnerin - schon zur Familie. "Komm mal mit aufs Feld, dann kannst du den Horst so richtig sehen", sagt der junge Mann und läuft schnellen Schrittes durch seinen großen Garten. Erst dahinter beginnt eine Wiese, von der man einen freien Blick auf den Auewald im Hintergrund und die Wiesen rund um die L 770 hat. Mittendrin in den Eckert?schen Wiesen ragt der Mast fast zehn Meter empor. Oben drauf thront der Horst, der dem Ganzen sozusagen die Krone aufsetzt. »Es scheint ihm hier besonders gut zu gefallen« Zu dieser Zeit leider ohne Meister Adebar, weil die in der Regel in wärmeren Gefilden wie Südfrankreich, Spanien oder gar Nordafrika den Winter verbringen. Aber in diesem Winter ist zumindest bei Sven Eckert alles anders: Sein Storch ist geblieben. Und er lässt sich auch durch eisige Temperaturen, Sturm, Hagel und Schnee nicht vertreiben. Warum das so ist, diese Frage kann auch Eckert nicht beantworten. Auch die Fachwelt tappt da noch im Dunkeln, zumal dieses Phänomen in den vergangenen Jahren häufiger zu beobachten ist. Der Hiller Storch, der seinen Horst auf dem Schornstein der alten Brennerei errichtet hat, gehört inzwischen zur Dorfgemeinschaft dazu - das ganze Jahr über. "Es scheint ihm hier besonders gut zu gefallen, ich denke, dass er wohl hier in der Nähe genügend Nahrung findet", sagt Eckert. Er beobachtete auch, dass er sich nie sehr weit entfernt von seinem Domizil aufhält. Ob er Sorgen hat, dass er die befürchtete sibirische Kälte, die in den kommenden Tagen auch das Lübbecker Land erreichen soll, nicht überlebt, gibt?s eine prompte Antwort vom Tierfreund: "Da muss er jetzt durch. Das ist halt die Natur." Eckert, der in der Altgemeinde sowohl im Schützenverein, im Eskari und als Schiedsrichter im Fußballverein tätig ist, erinnert sich noch genau, wann er die Nisthilfe aufgestellt hat. "Das war m 28. Juli 2014. Der Nestuntergrund sollte eigentlich ein Biertisch sein. Den haben wir dann zweckentfremdet." Im Internet hat er sich kundig gemacht, was man beachten muss. Der Mast muss mindestens sechs Meter hoch sein, es darf keine Staunässe im Nest entstehen, von drei Seiten müssen die Störche eine freie Einflugschneise haben. Kleine Weidenzweige als Nisthilfen bereits verteilt Gesagt, getan. Bereits nach kurzer Zeit flogen die ersten Vögel vorbei, um sich zu informieren. Doch 2014 biss noch niemand an. Erst 2015 blieb jemand da, aber es gab noch keine Pärchenbindung oder gar eine Brut. Das änderte sich 2016 schlagartig. Ostersonntag ließ sich ein Pärchen nieder und blieb. Seither ist es der einzige besetzte Horst im Espelkamper Stadtgebiet. "Die sind bestimmt von den Auewiesen nach hier umgezogen", sagt Sven Eckert. Das Paar bebrütete drei Eier, es schlüpfte jedoch nur ein Küken. 2017 war es ähnlich, wieder lagen drei Eier im Nest, doch kein Küken überlebte den nassen Sommer. Sven Eckert und seine Muter Irene, mit der er zusammen in dem bauernhofähnlichen Anwesen wohnt, hoffen jetzt auf Kindersegen in diesem Jahr. "Doch dafür muss erst die Storchenmutter wieder zurückkommen", so Sven Eckert. Nisthilfen in Form von kleinen Weidenzweigen hat er jedenfalls schon auf den benachbarten Wiesen verteilt.

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