Setzt sich ein: Stefan Wiegmann ist Betriebsrat im Adient-Werk in Espelkamp. - © Foto: Joern Spreen-Ledebur
Setzt sich ein: Stefan Wiegmann ist Betriebsrat im Adient-Werk in Espelkamp. | © Foto: Joern Spreen-Ledebur

Espelkamp 104 Adient-Mitarbeiter jetzt in der Transfer-Gesellschaft

Johnson Controls: Zeitplan bis zur Aufgabe des Standortes eingehalten. Wenige Kündigungen. Kaum jemand zeigt Interesse, zum Aufbau des neues Unternehmens nach Slowenien zu gehen

Karsten Schulz

Espelkamp. Der Personalabbau im Adient-Werk (vormals Johnson Controls) geht in die nächste Runde. 107 Mitarbeiter haben jetzt das Unternehmen verlassen und sind zum allergrößten Teil zur gerade gegründeten Transfer-Gesellschaft gewechselt. Das machte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Stefan Wiegmann jetzt im Gespräch mit der NW deutlich. Noch arbeiten 144 Männer und Frauen in dem Unternehmen, das vor allem Lehnenauflagen für verschiedene Fahrzeugtypen herstellt. Produktion nach Slowenien verlegt Die Faser-Tec-Produktion wurde inzwischen am Standort Espelkamp komplett eingestellt und nach Slowenien verlegt. "Das ist jetzt der erste Schwung von Mitarbeitern, die jetzt nicht mehr in der Produktion arbeiten. Das hat alles seine Richtigkeit und war mit uns im Sozialplan so vereinbart worden", sagt Wiegmann. Ihm war aufgefallen, dass etwa 98 Prozent der Betroffenen freiwillig in die Transfergesellschaft gewechselt sind. Außerdem sei dieser Schritt jetzt über einen "sehr langen Zeitraum" über die Bühne gegangen. Kein Beschäftigter habe den Umzug nach Slowenien mitgemacht und dort eine Beschäftigung angenommen. Wiegmann freute sich, dass es dem Betriebsrat und der Gewerkschaft gelungen sei für die Beschäftigten "gute Konditionen" ausgehandelt zu haben. Transfergesellschaft bis Ende 2021 Die Transfergesellschaft startet ab heute und ist bis zum 31. Dezember 2021 befristet, so sehen es die Vereinbarungen vor. In der Transfergesellschaft wird zwischen 80 und 87 Prozent des durchschnittlichen Bruttolohnes gezahlt. Eingerichtet wird zudem eine "Sprinterprämie" für die Mitarbeiter - als Anreiz, um überhaupt in die Transfergesellschaft zu gehen. Es werden Prämien zwischen 2.000 und 4.000 Euro gezahlt, die abhängig von der Beschäftigungsdauer sind. Bei einer Abfindung wurde ein Faktor von 1,5 ausgehandelt, so Wiegmann. Grundlage seien der monatliche Bruttolohn und die Jahre der Betriebszugehörigkeit. Laut der Vereinbarung gebe es außerdem für jedes Kind eines Mitarbeiters 2.000 Euro, Schwerbehinderte ab einem Grad von 50 Prozent erhielten 5.000 Euro, und je zehn Prozent mehr beim Behinderungsgrad gebe es weitere 1.000 Euro. Individuelle Regelungen sind für die "rentennahen Jahrgänge" vereinbart worden. Der Personalabbau wird Stück für Stück weitergehen. Zum 1. April 2019 und zum 1. April 2020 müssen weitere 40 Mitarbeiter gehen. Die verbliebenen Mitarbeiter verlieren ihre Arbeitsplätze schließlich zum 31. Dezember 2020. Einstmals haben im früheren Naue-Werk, in das später Johnson Controls einzog, bis zu 2.000 Menschen gearbeitet. Damit gehörte es zu den wichtigsten Arbeitgebern in Stadt und Region.

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