Großes Interesse: Hartmut Rüter, Leiter des Abwasserbetriebes der Stadtwerke, erklärt den Bürgern, die an der Baustellenführung der Stadtführer teilnehmen, wie eine Kläranlage funktioniert. - © Joern Spreen-Ledebur
Großes Interesse: Hartmut Rüter, Leiter des Abwasserbetriebes der Stadtwerke, erklärt den Bürgern, die an der Baustellenführung der Stadtführer teilnehmen, wie eine Kläranlage funktioniert. | © Joern Spreen-Ledebur

Espelkamp Klärwerk: Espelkamp hat das sauberste Abwasser

Interessierte Bürger ließen sich die neue vierte Reinigungsstufe im Klärwerk zeigen. Angebot der Stadtführer wurde gut angenommen

Karsten Schulz

Espelkamp. Der Chef des Espelkamper Abwasserbetriebes Hartmut Rüter weiß, wovon er spricht: "Wenn das geklärte Abwasser aus unserer Kläranlage in die Kleine Aue abfließt, ist sie anschließend sauberer als vorher." Die gut 30 interessierten Bürger, die zur Baustellenführung von den Stadtführern auf das Gelände des Klärwerkes eingeladen waren, hörten in diesem Moment noch genauer hin und zeigten sich beeindruckt von dem, was sie dann zu sehen bekamen. Neuerung im Probebetrieb "Baustellenführung" hatten die heimischen Stadtführer dieses Angebot deshalb genannt, weil erst vor kurzem eine neue vierte Reinigungsstufe auf dem Gelände der Kläranlage eingebaut worden war. Sie befindet sich aktuell noch im Probebetrieb, ist aber nach den Worten von Hartmut Rüter "voll funktionsfähig". Seit Ende Oktober/Anfang November ist sie in Betrieb und werde seither auf die entsprechenden Verhältnisse in Espelkamp "optimiert". "Wir sind mit der Anlage sehr zufrieden. Sie läuft völlig einwandfrei", sagt Rüter. Viel zu sehen ist für die Espelkamper nicht, denn der gesamte Betrieb muss eingehaust werden. Man kann lediglich auf eine kleine Plattform steigen und einen Blick nach unten werfen, wo man durch kleine Gitterroste auf das dahinfließende Abwasser blicken kann. Auch der danebenstehende Container ist nicht sehr spektakulär. Man kann ihn besichtigen, hineingehen und sieht dort viel technisches Gerät. Die Anlage ist in einem Jahr Bauzeit entstanden und kostet insgesamt 1,3 Millionen Euro. Die Stadtwerke haben 830.000 Euro Fördergelder erhalten. "Optimieren müssen wir die Anlage ständig. Außerdem gibt es mindestens einmal im Jahr einen gesamten Energiecheck für die Kläranlage, das ist vorgeschrieben", so Rüter. Er stellte dennoch fest, dass es sich um eine energieintensive Anlage handele, wobei gut 70 Prozent des notwendigen Stroms für die Belüftung benötigt werde. Ein Großteil der notwendigen Energie wird auf dem Klärwerksgelände von den Stadtwerken selbst produziert, beispielsweise durch die Nutzung der anfallenden Faulgase. Pro Jahr 11.000 Kilogramm Ozon Rüter ist ein wenig stolz auf die jetzt installierte vierte Reinigungsstufe, denn dadurch ist der Abwasserbetrieb in der Lage, auch noch die Mikroschadstoffe aus dem Abwasser herauszufiltern. Damit sind unter anderem auch Reste der Schmerzmittel-Substanzen Diclofenac und Ibuprofen sowie Röntgen-Kontrastmittel und giftige Stoffe aus der Baubranche gemeint. Espelkamp ist übrigens die einzige Stadt im Mühlenkreis, die bislang die vierte Reinigungsstufe in einem kommunalen Klärwerk angeschafft hat. Durch die Zugabe von Ozon, das vorher durch die Behandlung von flüssigem Sauerstoff in einer separaten Anlage vor Ort hergestellt wurde, werden die langkettigen Kohlenstoff-Verbindungen, die sich noch im ankommenden Wasser befinden, aufgebrochen. Es entstehen Metaboliten, die von dieser vierten Reinigungsstufe in den sich anschließenden Schönungsteich abfließen können. Dort werden sie durch weitere biologische Prozesse aufgelöst. Benötigt werden 3,4 Kilogram Ozon in der Stunde. Der jährliche Bedarf liegt bei knapp 11.000 Kilogramm. Zusätzlich ist ein Restozonvernichter mit Absauggebläse angeschafft worden: Der dazu notwendige Sauerstoff wird in flüssiger Form von einer Herforder Firma - nach Bedarf - angeliefert.

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