Gemeinsame Weihnachtsfeier: Die Grundschulkinder der Schule am Auewald und die Zehnklässler der auslaufenden Hauptschule Waldschule kamen kürzlich gemeinsam zur Weihnachtsfeier im pädagogischen Zentrum zusammen. Fotos: Karsten Sschulz|| - © Karsten Schulz
Gemeinsame Weihnachtsfeier: Die Grundschulkinder der Schule am Auewald und die Zehnklässler der auslaufenden Hauptschule Waldschule kamen kürzlich gemeinsam zur Weihnachtsfeier im pädagogischen Zentrum zusammen. Fotos: Karsten Sschulz|| | © Karsten Schulz

Espelkamp Zwei Espelkamper Grund- und eine Hauptschule unter einem Dach - es funktioniert

Zwei Schulen unter einem Dach: Wie die Zehnklässler der Hauptschule Waldschule und die kleinen Dötze der neuen Schule im Auewald miteinander auskommen.

Karsten Schulz

Espelkamp. Die Situation ist so ungewöhnlich, wie sie nur sein kann. Obwohl Jaqueline Lauf, Leiterin der gerade neu gegründeten Grundschule am Auewald, und Elke Kleemiß, Leiterin der Hauptschule Waldschule, schon seit Jahrzehnten als Pädagoginnen tätig sind, haben sie so etwas noch nicht erlebt. Zwei selbstständige Grundschulen, die Grundschule Erlengrund und die Ernst-Moritz-Arndt-Grundschule, müssen zu einer neuen Schule in einem neuen Schulgebäude zusammengeschweißt werden. Und dann müssen die Mädchen und Jungen dieser Schule auch noch mit dem letzten Jahrgang der auslaufenden Hauptschule Waldschule einen Jahrgang lang unter einem Dach unterrichtet werden. Bis zum Juni 2018, wenn die jungen Erwachsenen ihre Abschlusszeugnisse erhalten. Trotz aller Widrigkeiten hat bislang alles geklappt. Das bestätigen die beiden Schulleiterinnen jetzt im Gespräch mit der NW. Es sei ein "respektvolles Nebeneinander der beiden Schulen". Die jeweiligen Bedürfnisse der anderen würden anerkannt. "Bei Problemen helfen wir uns gegenseitig aus", sagt Jaqueline Lauf. So ganz fremd sei man sich denn auch nicht, denn es gibt auch viele Geschwisterkinder. "Die Kleinen toben, die Größeren sprechen" Wichtig sei die Tatsache, dass man sich von Anfang an dazu entschlossen habe, die Pausenzeiten so zu gestalten, dass sich die beiden Altersgruppen nicht unbedingt in dieser Zeit begegnen. "Es ist einfach so, dass die Kleinen toben und laufen müssen und ihren mitunter enormen Bewegungsdrang ausleben müssen, während die Größeren sich eher ein stilles Eckchen suchen, miteinander sprechen oder auch vielleicht nur ihren Gedanken nachhängen möchten", sagt Jaqueline Lauf. So könne es mitunter zu Störungen kommen, die man durch diese Regelung vermeiden hilft. Elke Kleemiß machte deutlich, dass man gemeinsam versuche, friedlich miteinander umzugehen. Es handele sich schließlich um zwei Institutionen, die eigene Bedürfnisse hätten. In diesem Zusammenhang sprach Jaqueline Lauf der Waldschule und deren Leiterin großen Dank aus. "Wir sind schließlich hierher gekommen. Die Hauptschüler sind die Hausherren und wir sind mit offenen Armen aufgenommen worden." "Es gibt kein Geschubse oder Gedränge" Das Nebeneinander der beiden Schulformen dokumentiert sich auch an der Tatsache, dass es auch zwei verschiedene Kollegienräume gebe, wo die verbliebenen Lehrkräfte ihre Sitzungen abhalten und Unterrichtsvorbereitungen treffen können. Dies gelte auch für die Sekretariate. Die Klassenräume der 10er-Klassen der Hauptschule befinden sich zudem im oberen Gebäudetrakt. Jaqueline Lauf hat das Miteinander der Großen und Kleinen immer mal wieder beobachtet. "Es gibt kein Geschubse oder Gedränge, man geht sehr vorsichtig miteinander um. Vor allem die Großen kümmern sich um die ganz Kleinen so manches Mal richtig liebevoll." Die beiden Schulleiterinnen haben jeweils einen Generalschlüssel und können somit auch die Räume der jeweils anderen Schule betreten. Elke Kleemiß stellt bei dieser Gelegenheit fest, dass sie bisher noch nie in den ersten und zweiten Klassen gewesen ist. Es sei alles eine Sache der Planung, bestätigen die beiden Schulleiterinnen, schließlich müssten auch noch die vorhandenen Fachräume verplant werden sowie die Turnhalle und die Sportanlagen. Sie würden zum Teil auch von der benachbarten Grundschule und der Realschule mitbenutzt. Dies gelte auch für den Besuch des Freizeitbades Atoll, der Schwimmhalle in der ehemaligen Ernst-Moritz-Arndt-Grundschule und der Turnhalle. "Wir haben am Anfang viel improvisiert, schließlich mussten wir aus drei Schulen eine machen, es galt sehr viel zu koordinieren", sagt Jaqueline Lauf. An einem Abend hätten in der Schule 150 Tische und 300 Stühle herumgestanden, so die Grundschulleiterin. "Wir konnten einfach nicht mehr und die Arbeiter auch nicht mehr. Da haben dann die starken Jungs von der Hauptschule einfach mit angepackt. Das war richtig toll."

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