Espelkamp Landschaftsbild: Espelkamper "Stadtsoldaten" sind 500 Mal im Einsatz

Bericht im Ausschuss für Stadtentwicklung: Nur 15 Bürgeranträge über zu viel oder wild wucherndes Grün sind bei der Stadt eingegangen. Bäume im Lausitzer Park sind nicht zu retten.

Karsten Schulz

Espelkamp (nw). Das Thema "Grün in der Stadt" ist in der "Stadt im Grünen" natürlicherweise immer wieder ein Thema. Es erregt die Gemüter auf beiden Seiten. Die einen versammeln sich im "Bündnis für mehr Grün" und bei den Baumfreunden und versuchen zu verhindern, dass immer mehr Bäume gefällt werden und befürchten, dass Espelkamp bald nicht mehr den Beinamen "Stadt im Grünen" tragen darf, die anderen bemängeln Schäden durch zu viel Bäume an ihrer eigenen Immobilie und beschweren sich über den hohen Pflegeaufwand. Der Baubetriebshof mit seinen "Stadtsoldaten", wie sie im Volksmund genannt sind, versucht, die sich oftmals widerstreitenden Interessen wieder zusammenzufügen und zu vermitteln. "Ein ansprechendes Stadt- und Landschaftsbild gehört einfach zu einem Lebensraum, in dem man sich wohlfühlt und gerne lebt. Wir sorgen für diese Wohlfühlatmosphäre mit unserem qualifizierten Personal. Wir unterhalten im Auftrag der Stadt Espelkamp öffentliche Grünflächen, Straßenbegleitgrün, Waldflächen, Spiel- und Bolzplätze und Friedhofsanlagen.", so heißt es im Leitbild der Grünflächenabteilung innerhalb des Baubetriebshofes. Durch regelmäßige Baumkontrollen wird der ansehnlichen Baumbestand in Espelkamp unter die Lupe genommen. Dabei wird dahingehend überprüft, ob Totholz entfernt werden muss, dass anschließend fachmännisch herausgeschnitten wird, wie es auf der städtischen Homepage heißt. Nur 15 Bürgeranträge mussten bearbeitet werden Uwe Kahmeyer, Leiter des Baubetriebshofes, stand kürzlich im Ausschuss für Stadtentwicklung den Politikern Rede und Antwort. Bei der jüngsten Herbstkontrolle wurden von den Mitarbeitern 549 Stellen innerhalb des Stadtgebietes untersucht. Dabei handelte es sich sowohl um Bäume als auch um Grünanlagen, die sich im städtischen Besitz befinden. Grundsätzlich arbeitet der Baubetriebshof eng mit dem Gärtnerbetrieb der Aufbaugemeinschaft zusammen. Insgesamt wurde an 549 Stellen das Grün gründlich unter die Lupe genommen. Herausgekommen sind bei den Bäumen vor allem Totholz-Stellen oder Bereiche, die trocken geworden sind. Festgestellt wurde von Uwe Kahmeyer, dass die Zahl der Bürgeranträge weiter abgenommen habe. Insgesamt mussten 15 Beschwerden von Eigentümern bearbeitet werden. Angegeben wurden als Gründe in der Regel Überwuchs, hoher Laubanfall, Astbruch, Schäden an Pflaster und Leitungen, trockene Äste und Wurzelentwicklung. Trotz wiederholter Pflegearbeiten an den Bäumen im Lausitzer Park, so Kahmeyer, seien diese wohl nicht mehr zu retten "Wir haben mehrfach versucht, sie zu erhalten. Aber da müssen wir jetzt ran", so der Fachmann. Während der jüngsten Kontrolle sei auch eine Verkehrsschau aller Straßen und Plätze vorgenommen worden, vor allem im Hinblick auf die Sicherungspflicht bei Bäumen und Gehölzen. Dabei sei deutlich geworden, dass im Bereich der Koloniestraße und der Gabelhorst etwas getan werden müsse. Dort sei ein Unfallschwerpunkt, deshalb müssten hier drei gesunde Bäume nunmehr weichen. Die Stadt im Grünen liegt natürlich der Stadt selbst auch am Herzen. So hatte Wirtschaftsförderer Günter Segelhorst erst vor einiger Zeit verkündet, dass man jetzt in der Innenstadt in ein Baumkataster einsteigen wolle. Das ist inzwischen geschehen. Gärtner Arne Ingwersen war im Oktober mehrere Tage lang an der Breslauer Straße unterwegs, um für jede der 300 Linden, Schwarzkiefern, Baumhaseln, Buchen, Eichen und andere Arten eine eigene kleine Lebensgeschichte zu schreiben. Zu jedem Exemplar gab er auch eine langfristige Abschätzung ab und zeigte eine Entwicklung auf. Das von ihm erarbeitete umfangreiche Datenmaterial soll im Frühjahr im Fachausschuss vorgestellt und diskutiert werden, wie die NW jetzt aus zuverlässigen Quelle erfuhr. Von der Vitalität hatte er seinerzeit alles vorgefunden - vom besten Zustand mit der Note 1 bis zum schlechten mit der Note 4. Als "besonders schlimm" hatte er den Zustand der Baumhaseln auf dem Wilhelm-Kern-Platz bezeichnet. Außerdem kritisiert er viele Pflegearbeiten an den Bäumen. Da sei "an manchen Stellen nicht sauber abgeschnitten" worden.

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