Gepackte Kisten: Schon im April mussten die ersten Bad Oeynhausener ihre Wohnungen verlassen. - © Stadtarchiv
Gepackte Kisten: Schon im April mussten die ersten Bad Oeynhausener ihre Wohnungen verlassen. | © Stadtarchiv

Bad Oeynhausen „Wir wohnten in den ersten besetzten Häusern“

Zeitzeugen: Joachim Scherrer musste als Sechsjähriger sein Zuhause verlassen

Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen/Vaihingen. Ein Leben hinter Stacheldraht – Joachim Scherrer (76) erinnert sich noch genau an einige Jahre seiner Kindheit. Während die Familie zu den ersten Bad Oeynhausenern gehörte, deren Häuser 1945 besetzt wurden, waren sie später auch die ersten, die wieder in die von den Engländern besetzte Stadt zurückkehren konnten.

„Mit Panzer sind die Amerikaner am 3. April 1945 in die Stadt eingerückt“, erinnert sich Joachim Scherrer. Kurz danach begannen die Engländer, die ersten Häuser zu besetzen. „An der Herforder Straße wurde die linke Seite, die Nummern 2 bis 22, durch die Engländer besetzt“, weiß Scherrer. Das Haus Nummer vier, in dem der damals Sechsjährige mit seiner Mutter zur Miete wohnte, war eines der ersten besetzten Häuser der Stadt. „Plötzlich standen die Uniformierten in der Küche.“ Lassen sie alles stehen und liegen, hätten sie zu seiner Mutter gesagt. Sie sind in zwei Wochen wieder zurück.

Aus zwei Wochen wurden Jahre. Mitnehmen durften Scherrers nur das Nötigste: „Bettwäsche, Geschirr, Besteck, einige persönliche Sachen.“ Der Rest, wie sämtliche Möbel, mussten zurück bleiben. „Wir sind zuerst bei Verwandten in der Weststraße untergekommen.“ Als Anfang Mai 1945 die gesamte Innenstadt geräumt wurde, wurden Scherrers nach Werste evakuiert. Von dort aus sahen sie unter anderem die Auferstehungskirche brennen.

Erst die Ersten, die raus mussten, dann mit die Ersten, die wieder rein durften: „Am 4. Februar 1948 durften wir in unser Haus zurück.“ Den Passierschein, den die Engländer ihm ausstellten, hat der 76-Jährige noch. „Die Engländer haben damals einige Häuser wieder freigegeben“, sagt Scherrer, der mittlerweile seit 1970 im schwäbischen Vaihingen an der Enz wohnt und dessen Vater 1958 die Löwen-Apotheke an der Herforder Straße eröffnete. „Das Haus Nummer vier an der Herforder Straße hatte keine Zentralheizung, darum hatten die Engländer wohl keine Verwendung dafür.“

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