Verwüstet: Die Mindener Straße nach der Bombardierung der Weserhütte im März 1945. - © Foto: Stadtarchiv
Verwüstet: Die Mindener Straße nach der Bombardierung der Weserhütte im März 1945. | © Foto: Stadtarchiv

Bad Oeynhausen "Kurz vor Mittag kam der Fliegeralarm"

Zeitzeugen: Eberhard Schroiff erinnert sich an den Bombenangriff am Karfreitag 1945

Nicole Sielermann
Erlebte als Kind das Kriegsende: Eberhard Schroiff. - © Foto: Nicole Sielermann
Erlebte als Kind das Kriegsende: Eberhard Schroiff. | © Foto: Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen. Nur wenig bekam Eberhard Schroiff als Kind von der aktuellen Kriegslage mit. "Meine Mutter und meine Großeltern hatten wohl Angst, dass ich zu viel plaudere", sagt der Bad Oeynhausener. Vor allem gegenüber dem damaligen Hauswirt. "Der war sehr, sehr braun", sagt Schroiff rückblickend.

An zwei Bombenangriffe kann sich Eberhard Schroiff erinnern. "Im Herbst 1944 gab es den ersten Angriff, bei dem Teile Rehmes bombardiert wurden." Neugierig wie er war, ging der damals Achtjährige nach der Schule dort, wo die Bomben gefallen waren, gucken. "Oh, das gab Ärger Zuhause mit meiner Mutter", sagt Schroiff mit einem kleinen Schmunzeln.

Acht Jahre alt war Eberhard Schroiff 1945 und hatte bereits zwei Jahre in der Bürgerschule I hinter sich. "Wir wohnten an der Rolandstraße." Dort, wo heute zahlreiche Häuser und mehrere Schulen drum herum stehen, gab es damals lediglich vier Häuser. Und ganz viel freies Feld. "Wir konnten bis zur Autobahn 2 gucken." Über die am Osterdienstag, 3. April 1945, die amerikanischen Panzer aus Richtung Exter nach Bad Oeynhausen rollten.

Angriff auf die Weserhütte

Doch vorher gab es am Karfreitag, 30. März 1945, den folgenreichsten Bombenangriff auf die Stadt Bad Oeynhausen. Damals wurde das Eisenhüttenwerk Weserhütte von zahlreichen Bomben getroffen. "Es war kurz vor dem Mittagessen, als es Fliegeralarm gab", sagt Eberhard Schroiff.

"Mein Opa und ich haben aus dem Fenster geguckt und gesehen, dass die Flieger nicht als Schwarm, sondern verteilt geflogen kamen. Opa wusste, dass dann gleich die Bomben fallen." Schnell suchten Großeltern, Mutter und der kleine Eberhard Schutz im Keller. Der Bombenhagel traf die Hütte mit voller Wucht, aber auch die Oeynhauser Schweiz blieb nicht verschont. "Damals stand dort in der Nähe das Krankenhaus. Und in den Parkanlagen waren deutsche Panzer geparkt", sagt Schroiff, der sich erinnert, dass das Damwild den Angriff nicht überlebte.

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Nur vier Tage nach am Angriff, am 3. April 1945, standen die Amerikaner in Bad Oeynhausen. "Unseren Hauswirt haben die relativ schnell mit einem Jeep abgeholt." Trotz der Nazi-Vergangenheit sei der aber nur wenige Jahre nach dem Krieg wieder beim Amtsgericht angefangen.

Unterschlupf bei Bekannten

Tage später vereinnahmten die Engländer die Stadt und zogen innerhalb von 24 Stunden Stacheldraht um die Innenstadt. "Der Zaun verlief mitten über die Rolandstraße." Als die Familie die Wohnung räumen musste, suchte sie zuerst bei Bekannten Unterschlupf. "Ich bin dann im Sommer 45 zu meinen Großeltern nach Herford geschickt worden, wo ich meine Kindheit und Jugend verbracht habe. Da bin ich quasi groß geworden."

Erst 1967 kehrte Schroiff in die Kurstadt zurück. "Meine Mutter ist übrigens nie wieder in unsere alte Wohnung zurückgekehrt."

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